Peter Maffay und David Garrett in Zwickau
Schlager und Verrat
Was haben Peter Maffay und David Garrett gemeinsam? Sie haben in ihrer Musik Dinge verbunden, die viele nicht mal nebeneinander denken mochten.
Maffay begann schon in den 70er Jahren Rock und deutsche Texte, die von Gefühlen handelten, miteinander zu koppeln. "Das ist Schlager!", wurde geschimpft. Garrett verknüpft mit seiner Violine Klassik und Rock, er agiert in der Show wie ein Rocker, langhaarig ist er sowieso. "Verrat!", rufen die Klassik-Fans, so könne man mit diesen Werken nicht umgehen. Kann man doch: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Und die Musik muss den Leuten gefallen und nicht den Kritikern. Vom Publikum jedenfalls werden beide Künstler geliebt und insofern passen beide Konzerte auf dem Platz der Völkerfreundschaft sehr gut zusammen! Die Tickets dafür bekommt Ihr unter 0800 - 80 80 123 und an allen Vorverkaufsstellen.
Peter Maffay
Für die neue Tour verspricht Peter Maffay den treuen Fans auch selten gespieltes Material aus den wilden Anfangszeiten. Lieder, die viel älter sind als "Eiszeit" oder "Über sieben Brücken". "Wir werden unsere ganzen alten Sünden spielen, alles, von dem wir glauben, dass die Leute es gerne hören", verspricht der Meister. Und er fügt hinzu: "Es wird aber auch eine Menge Stücke geben, die wir sonst kaum spielen. Niemand wird etwas gegen die ein oder andere Ballade haben, aber etwas lauter darf es mit Sicherheit schon werden." Das bewährte Konzept also. Satter, eingängiger Rock mit Tiefgang wird gekrönt von schweren Balladen, die richtig ans Herz gehen. Am Start ist einmal mehr eine eingespielte Band aus absoluten Könnern. Männer wie Jean-Jacques Kravetz (Keyboards), Carl Carlton (Gitarre) oder Bertram Engel (Schlagzeug), die alle auch schon für Udo Lindenberg gearbeitet haben, zählen zur absoluten deutschen Musikerspeerspitze. Als Gast dabei ist Laith Al-Deen.David Garrett
Auf seinem neuen Album "Music" steht wie schon bei "Rock Symphonies" der Crossover-Gedanke im Mittelpunkt. Der deutsche Wunderfiedler spannt erneut einen Geigenbogen von Ludwig van Beethoven bis zu Michael Jackson. Seine erste Violine erhielt David mit drei Jahren. Sein Vater, selbst Musiker, unterrichtete ihn. Mozart war übrigens vier, als sein Vater anfing, ihm das Instrument beizubiegen. Wolfgang Amadeus hatte mit sechs die ersten Konzerte gegeben, David mit acht. Beider Karrieren gingen rasant weiter, als Teen-ager waren sie bejubelte Popstars. Mozart wurde schließlich zum genialen Komponisten, Garrett zum begnadeten Interpreten. Vielleicht wird ja auch er noch als Komponist begeistern, denn sicher ist ihm ein längeres Leben als seinem berühmten Vorgänger beschieden. Der starb mit 35, nur wenig älter als David jetzt ist. Vorerst dürfen wir einen der virtuosesten Geiger des Planeten also noch auf der Bühne bewundern.Termine:
Peter Maffay: 27.06. Zwickau, Platz der VölkerfreundschaftDavid Garrett: 28.06. Zwickau, Platz der Völkerfreundschaft
Wort: FW / Bild: Andreas Ortner (Schierke Agentur), Universal Music
Matthias Stein
Kunst als Freiraum
Kollektive Normen und Zwänge, Routine und Alltag - alles Worte, mit denen sich ein Künstler schwer tut. So auch Matthias Stein. Der Chemnitzer Maler erkannte schon frühzeitig seine Unfähigkeit, sich in irgendeiner Weise mit einem dieser Begriffe zu identifizieren.
Anpassung war und ist nicht sein Ding, erst recht nicht, wenn es um Sachen geht, die ihn nicht berühren oder verändern können. Matthias Stein ist ein außergewöhnlicher Künstler - ein Mann, dessen Herz für die uneingeschränkt freie Entfaltung schlägt. "Die Kunst erschien mir als einzig mögliche Alternative und Oase, mir einen Freiraum zu erobern, der mir die nötige geistige Autonomie ermöglichte, um mich weiterzuentwickeln. Aus dieser Not heraus begann ich mich für Kunst zu interessieren und zu begeistern. Durch intensive und konzentrierte Arbeit entstand dann nach und nach das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, trotz aller existenziellen Unwägbarkeiten, Verwerfungen und Krisen. Kunst ist Abenteuer und Selbsterkenntnis zugleich", erklärt er und schweift mit seinen Gedanken zurück in die Vergangenheit: "Die Zeit als Student an der Burg in Halle war für mich, abgesehen von der sehr schönen Umgebung und dem romantischen Ambiente der Werkstätten dort, ein wichtiges Selbst-Experiment, da mir das Studium vor allem den nötigen Freiraum bot, mich auszuprobieren. Glücklicherweise war der finanzielle Druck kein Thema und der quälende Kollektivismus hielt sich in Grenzen, man lernte schnell, sich der ideologischen Konfrontation geschickt zu entziehen, da für mich damals das Naturstudium im Vordergrund stand."
Im Laufe der künstlerischen Selbstfindung interessierte sich Matthias Stein zunehmend für den Weg der Reduktion und die Sprache des Materials. Für ihn war dies ein spielerisches Experiment mit der Selbstfrage: Was ist Wirklichkeit? Und wie kann man diese direkter und intensiver in einem Bild reflektieren? Matthias Stein taucht auch heute noch gerne in die sinnlich-spirituelle Ebene ein und lässt Naturmaterialien sprechen. "Diese Auseinandersetzung mit dem Material ist ein mystischer Dialog, ich mag die Synthese von Malerei, Zeichnung, Schrift, Zeichen und Foto-Collage. Sie impliziert auch die Absicht, gegen den Strom zu schwimmen, um an die Quelle zu gelangen, die man als innere Wahrheit bezeichnen könnte", verrät der charmante Maler. Dass er sich dabei den alten fernöstlichen Zen-Meistern und ihrer Tuschmalerei näher fühlt, als der abendländischen Kunsttradition, liegt schlichtweg im Wissen jener Meister. "Sie wussten, dass Schönheit ein wandelbarer Begriff ist. Sie suchten Vollkommenheit im Unvollkommenen und gaben der Spontaneität den Vorrang vor dem Konzept. Diese Strategie zielt vor allem auf den inneren Weg ab, nicht primär auf den Kniefall vor dem Kommerz, die kalkulierte Selbstinszenierung", begründet Matthias Stein seine Hingezogenheit.
Auf die Frage, welche Vorbilder es noch in seinem Leben gibt, antwortet er: "Es gibt sehr viele gute und interessante Künstler, einen herauszuheben ist fast unmöglich, aber sicher war Rembrandt ein Genie, Caspar David Friedrich ein Naturmystiker par excellence, van Gogh und Cézanne die großen Helden der Klassischen Moderne, neben Picasso, Giacometti und Bacon, auch Rauschenberg und Twombly, die eher postmodern waren, die großartigen Zeichnungen von Holbein, Rodin, Degas, Matisse oder Schiele, ein weites Feld. Jeder dieser Künstler hat sich einen eigenen Kosmos realisiert und Werke von allgemeingültiger Bedeutung geschaffen. Am meisten aber beeinflussten und inspirierten mich in meiner Entwicklung die Werke und Schriften des Katalanen Antoni Tàpies. Er war mir von Anfang an ein Bruder im Geiste, wenn man das ganz pathetisch ausdrücken wollte."
Dass Kunst selbst nicht lehrbar ist, weiß jeder, der sich damit beschäftigt. Dennoch können Techniken und das Rüstzeug vermittelt werden, und so bietet Matthias Stein Interessierten in seinem Atelier privaten Zeichenunterricht an und lehrt (neben den Grundlagen des klassischen Zeichnens), die Welt mit anderen Augen zu betrachten - sie wacher, aufmerksamer und konzentrierter zu sehen. Aber auch geistig behinderte Menschen begleitet der Chemnitzer in zeitlich größeren Abständen durch die Welt der Malerei. Dabei hebt er deren frische, unbelastete Herangehensweise hervor, die nicht von kunstgeschichtlicher Bildung reflektiert ist und sehr spontan und direkt aus dem unbewussten Impuls heraus versucht, das Gesehene darzustellen und der Phantasie zu folgen. "Dadurch entstehen sehr kraftvolle, farbige und lebendige Bilder, ähnlich der Kinderzeichnung", schwärmt der Maler und fügt hinzu: "Wie Jean Dubuffet schon sagte: Kunst ist oft dort zu entdecken, wo man es nicht vermutet."

