Küchwaldbühne
Vereinsmitglieder und Momo-Darsteller
Vereinsvorstände Frank Fiedler, Inka Brückner und Werner Haas
Küchwaldbühne
Das Herz wieder zum Schlagen bringen
30 Jahre war die Küchwaldbühne ein kultureller Dreh- und Angelpunkt in Chemnitz. Seit der Schließung 1991 dämmert die Bühne vor sich hin.
Acht Jahre hatte es gedauert, bis die Küchwaldbühne in Form eines Amphitheaters fertiggestellt war. Sie steht auf den Fundamenten der Küchwaldschenke, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Am Bau waren unzählige freiwillige Helfer der Massen-initiative Nationales Aufbauwerk und Chemnitzer Bürger beteiligt. Alle packten in ihrer Freizeit mit an. 1963 wurde die Bühne eingeweiht und entwickelte sich schnell zum Publikumsmagneten. Konzerte und Ballettdarbietungen gab es zu erleben. Die Sommerfilmtage waren legendär. Nach der Wende führte das Bauordnungsamt dann Prüfungen durch und ließ die Bühne wegen Mängeln schließen. Fehlende Fluchtwege und ein Unfall mit einem umgestürzten Lichtmast waren die Gründe dafür.
1992 erkannte man das architektonische Potenzial der Anlage und stellte sie unter Denkmalschutz. Seitdem gab es immer wieder Versuche das denkmalgeschützte Areal mit kulturellen Veranstaltungen zu beleben. Der Kraftwerk e.V. oder das Voxxx versuchten sich daran und hatten kaum Erfolg. Nun hat der Künstler Werner Haas Engagierte um sich geschart und (im Sommer 2009) den Verein zur Förderung der Küchwaldbühne e.V. gegründet. Ziel ist, den einst beliebten Aufführungsort wieder zu bespielen und erneut als kulturellen Anlaufpunkt zu etablieren. Das erste große Vorhaben ist ein Probespielbetrieb für bis zu 500 Zuschauer. Im August wird Michael Endes "Momo" (Premiere: 20.08.) gezeigt werden. Dass die Proben, die seit Wochen laufen, nun auf der Bühne selbst stattfinden können, ist das Ergebnis des unbändigen Engagements des Vereins.
Es war ein langer Weg dahin, unzählige Probleme galt es zu lösen. Als erstes war eine Baugenehmigung nötig, auch wenn der Verein nicht neu bauen, sondern das Vorhandene nur wieder in Betrieb nehmen wollte. Da die Bühne aber seit über 15 Jahren nicht genutzt wurde, ist der Bestandsschutz weggefallen. Für die Genehmigung musste der Verein vorweisen, dass Fluchtwege und Zugänge für das Publikum, vor allem für Behinderte, und ausreichend Parkplätze vorhanden sind. Die Bedürfnisse der Anwohner mussten ebenfalls berücksichtigt werden, und es galt, sich Gedanken über die Beschallung und die Spielzeiten zu machen. Nicht alle Anwohner betrachten das Projekt mit Freude. Aber Werner Haas machte von Anfang an klar, dass im Küchwald eine Kleinkunstbühne entstehen soll. Rockkonzerte und Veranstaltungen bis spätnachts wird es nicht geben.
Bevor "Momo" mit 52 Mitspielern zwischen 9 und 50 Jahren Premiere feiern kann, müssen die Bühne und das angrenzende Areal auf Vordermann gebracht werden. Die Vereinsmitglieder haben bereits begonnen, Sträucher und Gestrüpp zu beseitigen. Auch die Initiative der Chemnitzer ist wieder gefragt. Ähnlich wie beim Bau der Bühne soll das Ganze eine Gemeinschaftsarbeit werden. Auf der Internetseite des Vereins können Interessierte erfahren, welche Arbeiten anstehen und dann ihren Teil zur Wiederbelebung der Küchwaldbühne beitragen. Spenden und finanzielle Unterstützung sind ebenfalls willkommen.
"Momo" soll nur der Beginn sein. Die Mitglieder des Vereins haben viele Visionen für die Zukunft der Bühne. Man spürt, wie sehr Werner Haas für das Projekt brennt, wenn er davon erzählt. Wenn alle Genehmigungen erteilt werden und der Probespielbetrieb gut angenommen wird, stellt sich Haas eine Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus, dem Armen Theater und der Mozartgesellschaft wünschen. Das Interesse daran bestehe jeweils auf beiden Seiten. Für Werner Haas und seine Vereinskollegen steht fest: "Wir müssen jetzt zu Potte kommen." Alle sind der Meinung, dass die Bühne endgültig verfällt, wenn jetzt nichts passiert. Haas weiß, dass alles seine Zeit braucht, aber er ist sicher, dass die Küchwaldbühne mit Unterstützung der Stadt und der Chemnitzer wieder das werden kann, was sie mal war: Das Herz des Küchwaldparkes! Man muss es nur wieder zum Schlagen bringen.

