Kunstfestival
ORNÖ! Oh doch!
Wenn der Sachse "Or nö" sagt, dann hat er meist keine Lust, etwas zu tun. Ganz anders beim Kunstfestival ORNÖ, das bereits im zehnten Jahr und diesmal zum 19. Mal abgehalten wird. 22 bildende Künstler gestalten in 22 Räumen 22 Ausstellungen. Dazu gibt es eine Tanzschule, Ballonglühen im Park, eine Hochzeitsinszenierung, gleich mehrere Uraufführungen, Bands und DJs, Feuertänzer, eine Lichtinstallation, und nicht zuletzt wird der Kunstpreis Propreum zum zweiten Mal verliehen. Volles Programm also, zum dem Mann und Frau eigentlich nur "Ja" sagen können. Zumal das ORNÖ diesmal an einem dafür passenden Platz stattfindet.
Classic Open Air vor der Frauenkirche
José Cura, der Testosteron-Tenor
Als im Sommer 2007 erstmalig eine Opern-Gala auf dem Neumarkt zu erleben war und die Kulisse der Frauenkirche die optische Note lieferte, ahnte niemand, dass sich hier eine neue Konzertreihe etablieren würde.
Vor zwei Jahren hat sich die Veranstaltung in Classic Open Air umbenannt, und seit letztem Jahr gesellen sich Programme anderer Genres um die Opern-Gala. Den Auftakt gibt am 5. August der Jazzer Till Brönner mit seinem Special-Guest Curtis Stigers. Zum Abschlusskonzert am 7. August werden Tom Gaebel und seine Big Band auf dem Neumarkt erwartet. Begleitet von den Berliner Symphonikern und Mitgliedern der Philharmonischen Chöre Dresdens, unter der Leitung von Stefan Diederich, steht demzufolge das Opernkonzert am 6. August mit Barbara Krieger und José Cura im Mittelpunkt der Konzertreihe.
"Dirigieren ist mein Beruf, singen mein Hobby!" Das ist ein Zitat von José Cura, der seit über einem Jahrzehnt in der Kategorie Star-Tenor gehandelt wird. In der Tat hat der 1962 in Argentinien geborene Künstler vor seiner gesanglichen Ausbildung ein Kompositions- und Dirigentenstudium absolviert und sich bei einigen frühen Arien-Alben selbst begleitet. An der Hamburger Oper schrieb Cura Operngeschichte: Nachdem er die Oper "Cavalleria rusticana" dirigiert hatte, begab er sich als Sänger auf die Bühne, um die Rolle des Canio in der Oper "Pagliacci" zu singen. Und in der Kölner Oper sah sich Curas künstlerische Vielseitigkeit durch tosenden Applaus für seine Regie und Bühnenbildgestaltung für Verdis "Un ballo in mas-chera" bestätigt.
In seiner Kindheit bekam er ersten Gitarrenunterricht und dirigierte mit 15 Jahren bereits einen Chor. An der Universität von Rosario studierte Cura Komposition und das Dirigieren, bevor er 1983 an die Musikschule des Teatro Colon in Buenos Aires wechselte. Aufgrund fehlerhafter Ausbildungsmethoden brach er jedoch das Gesangsstudium ab. Erst eine Begegnung mit Maestro Horacio Amauri bewog ihn, seine Gesangsausbildung - mit neuer Technik - fortzusetzen. 1991 siedelte Cura mitsamt seiner Familie nach Europa über und lebte in Paris, bis er 1998 nach Madrid zog. Seit 1992 ist er Schüler von Vittorio Terranova und ging 1994 als Sieger aus dem Internationalen Placido-Domingo-Wettbewerb hervor. Das war der Startschuss für einen kometenhaften Aufstieg im weltweiten Operngeschäft. Zu seinem männlich-baritonalen Timbre, welches bis in die Spitzentöne aus einem Guss besteht, gesellt sich eine intelligente Art der Interpretation.
Unvergessen ist sein Kurzauftritt vor zehn Jahren im Nationaltheater Weimar. Da holte er sich den Deutschen Schallplattenpreis "Echo Klassik" in der Kategorie "Sänger des Jahres" ab, bevor er abends in Frankfurt am Main ein Konzert zu geben hatte. Mit der berühmten, von Enrico Caruso uraufgeführten Arie des Canio aus Leoncavallos "Pagliacci" bedankte sich Cura bei seinem Publikum und sang die bewegende Szene völlig introvertiert vor sich hin und knöpfte während des Singens sein Hemd zu und zog seinen Smoking an. Bei YouTube kursieren Clips aus Verdis "Otello", in denen der Tenor seine Szene des seelischen Niedergangs komplett auf dem Rücken liegend singt. Das sind Momente, die Curas Klasse ausmachen und auf die man schon gespannt sein darf. Cura entspricht optisch in keinster Weise dem Klischee Tenor und darf daher ohne Perücke und Absatzschuhe seine hohen Cs ins Auditorium "schleudern". Da sich José Cura mit Kraftsport fit hält, wird er von der Regenbogenpresse auch scherzhaft der "Testosteron"-Sänger genannt.
Karten bekommt Ihr an allen Vorverkaufsstellen, telefonisch unter (0351) 48 64 20 02 sowie online unter www.sz-ticketservice.de.

