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Vorsicht Thiel! Vorsicht Thiel!

Vorsicht Thiel!

Es ist nicht ganz so schlimm


Sommerzeit ist Urlaubszeit - nur nicht für Politiker. Die waren nämlich so unclever und haben Wahlen im August bzw. September nicht verhindert, weshalb sie im Sommer nun voll in den Wahlkampf müssen.

Für uns könnte das den Vorteil haben, so manche Wahlkämpfer schlichtweg zu verpassen, weil wir gerade im Ausland sind und dort trotz höchsten Einsatzes keine "Bild" auftreiben können. Okay, diesen Ort gibt es nicht auf der Welt. Doch vielleicht werden wir viele Politiker gar nicht kennenlernen, weil die nur zum Wahlkampf erscheinen und ansonsten auf Grund ihrer Schwächen im optischen, rhetorischen und intellektuellen Bereich weggeschlossen werden. Wobei es manche immer wieder aus der Einzelzelle heraus schaffen. Nehmen wir den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther H. Oettinger, bei dem ich mich immer frage, warum man den nicht simultan übersetzt bzw. im Fernsehen ins Deutsche untertitelt. Wahrscheinlich hat man in der CDU dasselbe Problem den Mann zu verstehen, sonst hätte der doch nicht mit seinen Sprüchen von einer Steuererhöhung an die frische Luft gedurft. Das sollte doch keiner erfahren! Zumal man diesem Mann immer wieder gesagt hat, dass es sich beim Anheben von Steuern prinzipiell um Steuersenkungen handelt. Das ist ganz hohe Mathematik und hat was mit negativer Negation zu tun, also dem Gegenteil vom Gegenteil und dessen Umkehrung. Kann nur bedeuten, der Oettinger spricht nicht nur kein Deutsch, der versteht auch keins. Dabei ist der noch harmlos. Nach der letzten Europawahl hat ein anderer Verblüffer, der SPD-Mann Jörn Thießen, ernsthaft vorgeschlagen, wer nicht wählen geht, soll 50 Euro Strafe zahlen. Gut, mein Junge, dann wähle ich ab jetzt wieder - und zwar immer die CDU. Ach nee, ich bezahle lieber. Außerdem kann es sein, dass der dann bald eine Strafe verlangt für das Wählen der falschen Partei. Aber bald heißen alle Parteien zusammen sowieso Nationale Front. Die Unterschiede zwischen denen sind ja nun wirklich nicht groß. Der SPDler kann sich gar nicht vorstellen, dass auf dem Wahlzettel wirklich gar keine Partei sein soll, die man wählen könnte. Guck mal selber!
Ich warte schon gespannt auf die ersten Bilder, mit denen sich Spitzenpolitiker als normale Menschen präsentieren wollen. Manche ziehen dann wieder privat total bequeme Sachen an, um endlich aus den steifen Designer-Anzügen rauszukommen. Natürlich alles bei Quelle bestellt. Dummerweise sehen die in den ganz normalen Sachen erst richtig beschissen aus, weil sie die sonst nie tragen. Oder man gibt sich trendy … Ich würde mich nicht wundern, wenn sich der erste Vollprofi bei Wahlkampfreden an die Eier fasst und dabei spitze Schreie ausstößt, nur weil Michael Jackson damit Erfolg hatte. Oder Sigmar Gabriel macht einen auf Umwelt mit Mundschutz und tritt ganz verschüchtert ans Mikrofon, in welches er total schwach von der Umweltverschmutzung "I love you" haucht, worauf das Wahlvolk eine Glücksorgie startet, wie am Ende von Patrick Süskinds "Das Parfüm". Allerdings gibt es dabei einen Haken: Ein Parfüm, welches das Volk ekstatisch werden lässt, obwohl es einen Politiker sieht, gibt es nicht. Einzig Silvio hat scheinbar so etwas. Aber das ist kein Parfüm, sondern Bakschisch. Oder will mir jemand einreden, die schönen Italienerinnen, die ich auf den Fotos gesehen habe, finden den Silvio wirklich geil? Na klar, Frauen ab 18 gehen fast immer kaputt, wenn so ein knackiger Sechziger mit falschen Zähnen, falschen Haaren und falschen Aussagen vorbeikommt. Übrigens meine ich nicht Silvio, der ist nämlich ein knackiger Siebziger, was die Sache nur logischer macht.
Im Unterschied zu Silvio war Michael übrigens ein Genie und wurde als Kind viel zu oft von seinem Vater geschlagen. Hätte man Michael nicht in Ruhe lassen können? Apropos Ruhe: Natürlich ahnte Michaels besorgte Familie, genau wie sein Umfeld vom Management bis zum treuesten Freund, nichts von angeblichen Problemen. Wie auch? Nur weil der begnadete Tänzer an Krücken ging, wie ein Zombie aussah und kaum normale Sätze sprechen konnte? Nennen wir es Heuchelei! Jedenfalls der Begriff scheint klar, denn mit Begriffen ist das so eine Sache. Nehmen wir Afghanistan. Dort stehen deutsche Soldaten unter voller Bewaffnung, werden von anderen Kämpfern angegriffen und in Folge dessen starben mittlerweile 35 deutsche Soldaten viel zu früh. Was gibt es also zu tun? Genau! Alle verteufeln, die von Krieg sprechen! Nochmal für alle Mütter der toten Soldaten: Es ist nicht ganz so schlimm, wie manche behaupten. Eure Söhne starben nicht im Krieg! Es ist nur ein bewaffneter Konflikt. Glück gehabt. Weitermachen! Jedenfalls kommen die Jungs nicht mehr als Kandidaten für Sex mit Giulia Siegel in Frage. Ich glaube, in diesem Land wird inzwischen alles gecastet. Warum nicht Manager? Deutschland sucht den Top-Manager, also DSDTM? Die Jury wäre klar: Franjo Pooth als Sachverständiger für Wirtschaft, Klaus Zumwinkel als juristischer Beistand und irgendeine unbekannte, strunzdumme, aber hübsche Bildschirmprostituierte als Sachverständige für Soziales. Das gäbe richtig gute Motto-Shows. Wer sammelt telefonisch die meisten privaten Daten von völlig unbekannten Menschen. Sponsor könnte die Telekom sein. Wer liest fehlerfrei aus fremden Krankenakten? Jeder Kandidat bekommt 10 Millionen Euro (virtuell!) und muss innerhalb einer Woche fünf am Fiskus und fünf an der eigenen Firma vorbei schleusen. Danach bekommt jeder Kandidat eine Woche Zeit, eine virtuelle Firma in die Insolvenz zu treiben. Okay, das ist simpel. Dafür kommt es im Finale zum Höhepunkt, das heißt, die Finalisten bekommen einen Proleten hingestellt, der beschimpft und verhöhnt werden muss, aber so, dass der das nicht merkt. Überraschungsgast könnte Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff sein. Als Preis bekommt der Sieger einen Job als Top-Manager bei der Bahn und der Zweitplatzierte bekommt ein Bundestagsmandat. Für welche Partei wird noch entschieden, denn es haben alle ihr Interesse an solchem Nachwuchs bekundet …
Nun aber ab in den Sommer!
Ciao, Mario


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade