Rainald GrebeRainald Grebe
Wirklich gerne hier in Halle
Was bewegt einen Mann, der über die Tristesse der neuen Bundesländer und die Selbstbefriedigung linksalternativer Mädchen singt? Rainald Grebe, der postmodernste Alleinunterhalter Deutschlands, sprach im Vorfeld seines Auftrittes im Steintor-Varieté mit uns über Halle, sein neues Programm und die komische Tragik des Lebens.
BLITZ!: Herr Grebe, ihr Kollege Olaf Schubert bezeichnet sich selbst als Betroffenheitslyriker. Schaut man sich ihre Texte an, könnte man dasselbe von ihnen behaupten. Wie würden Sie sich beschreiben?
R.G.: Nimmt man Schubert wörtlich, dann stimmt's. Ich bin betroffen und schreibe darüber Lyrik. Das könnt Ihr ruhig so zitieren!
BLITZ!: Ihre Lieder sind lakonisch und gesellschaftskritisch, nicht selten sogar bitterböse. Ist der Mensch Grebe ein fröhlicher Zeitgenosse?
R.G.: Mitunter! Melancholie gehört dazu, genau wie Komik. Aber man kann schon sagen, dass ich auf der Bühne komischer bin als im Alltag. Komik ist ja nur eine Facette. Eigentlich geht es mehr darum, eine schöne Geschichte zu erzählen, und da reichen sich Tragik und Komik oft die Hand.
BLITZ!: Sie kommen ursprünglich vom Theater. Wieso der Wechsel ins satirische Fach?
R.G.: Mit Anfang 20 war ich schon mal als Entertainer allein unterwegs, bin dann aber doch zum Theater gegangen. Das Problem am Theater ist die Abhängigkeit von irgendwelchen Stadtfuzzies, die eigentlich keine Ahnung von Kultur haben. Ich wollte autonom sein und mein eigenes Ding machen. Das ist viel angenehmer.
BLITZ!: Sie haben 2006 am Neuen Theater "Parzival - Der rote Ritter" mit inszeniert. Was verbindet Sie noch mit unserer Stadt?
R.G.: Einiges. Ich war in den 90ern am Puppentheater im Mühlweg engagiert. Das war eine schöne Zeit. Ich mag die Peißnitz und die Altstadt. Erst im Mai habe ich drei Wochen in der Kulturinsel geprobt. Ich bin wirklich gerne hier in Halle.
BLITZ!: Ihr neues Programm heißt "Hongkong-Konzert" - vielversprechender Name. Worauf dürfen wir uns freuen?
R.G.: Die Idee zum Programm kam mir während eines Auftrittes in China. Im Grunde genommen gebe ich einen runtergerockten Alleinunterhalter, der schöne schlechte Schlager zum Besten gibt. Es geht um viel - Wirtschaftskrise, Kulturverfall und das Entertainer-Leben als Dienstleistung an der Gesellschaft. Ein thematisches Grebe-Konglomerat eben.
BLITZ!: Aprospos Grebe-Konglomerat: Sie haben zu jedem ostdeutschen Bundesland eine Hymne verfasst, außer zu Sachsen-Anhalt ...
R.G.: Das stimmt. Aber keine Angst, ich mache die Fünf voll. Das Lied für Euch Frühaufsteher steht schon in den Startlöchern.

