Detlef Müller (SPD), Rocco Wolter
Frank Heinrich (CDU), Rocco Wolter
Michael Leutert (Linke)
Michael Leutert, Robin John, Petra Zais und Frank Heinrich
Petra Zais (Grüne), Robin John (FDP)Kommando Kochen
Gemeinsam am Herd
Petra Zais (Bündnis 90/Die Grünen), Frank Heinrich (CDU), Robin John (FDP), Michael Leutert (Die Linke) und Detlef Müller (SPD) erklärten sich ohne Zögern bereit, gemeinsam den Kochlöffel zu schwingen. Das Haar in der kollektiven Suppe lag quasi in Detlef Müllers überfülltem Terminkalender, welcher ihm trotz guten Willens nur eine Dreiviertelstunde Zeit zugestand und diese zwei Stunden vor dem eigentlichen Kochtermin. Aber der Bundestagsabgeordnete ließ sich nicht lumpen und zeigte sich als Einzelkämpfer neben Hotel-Chefkoch Rocco Wolter. Als dieser Müller allerdings offerierte, dass trotz der Kürze der Zeit ein asiatisches Wok-Gericht mit hausgemachten Nudeln zubereitet werden sollte, entfuhr es dem SPD-Mann: "Ich kann überhaupt nicht kochen, bin zu Hause höchstens für Makkaroni oder Spiegelei zuständig."
Glücklicherweise hatte Rocco Wolter schon ein wenig vorbereitet - das Gemüse (Broccoli, Möhren, Paprika und Ingwer) und die Nudeln. So muss-te Detlef Müller lediglich den Lauch der Frühlingszwiebeln in Röllchen verwandeln. Der Induktions-Wok war binnen Minuten heiß und konnte das zerkleinerte Gemüse inklusive einer Prise Zucker kaum erwarten. Und während sich der Chefkoch daran machte, die Gambas (Garnelen) kurz in Mehl zu wenden, durfte der SPD-Kandidat dem Knoblauch zu Leibe rücken. Es folgte ein gutgemeinter Tipp von Wolter an Müller: "Ein Koch muss immer gleichzeitig nach allen Seiten aufpassen, auch wenn er etwas schneidet, schauen, ob nicht das Gemüse im Wok anbrennt." Worauf Detlef Müller schlagfertig lächelnd entgegnete: "Also, Politiker lassen sich immer etwas mehr Zeit mit Entscheidungen."
Die hausgemachten Nudeln ergaben sich inzwischen dem heißen Öl in der Pfanne, und der motivierte Kochgeselle musste das Gemüse mit reichlich Sojasoße, Knoblauch und ein paar gezupften frischen Kräutern verfeinern. Nun blieb dem Abgeordneten nur noch die Aufgabe, die frischen Nudeln mit dem Wok-Gemüse und den Gambas anzurichten, und schon war innerhalb von gut zwanzig Minuten ein leckeres Mahl entstanden. Stolz fragte Detlef Müller den Küchenmeister: "Muss ich jetzt meine Bewerbung als frischgebackener Koch abgeben?" Doch Rocco Wolter entgegnete: "Naja, nö, wir suchen nur junge Kräfte." Bei der anschließenden Verkostung ließ der Sozialdemokrat ein "Lecker - und ich hab's gekocht" verlauten, bedankte sich bei seinem Lehrmeister und eilte flugs zum nächsten Termin.
Eine Stunde später standen die anderen vier Kandidaten mit von uns unerwartetem Gefolge vor der Tür der Hotelküche. Frank Heinrich hatte ein Zwei-Mann-Team der Evangelischen Nachrichtenagentur Idea im Schlepptau, das ihn den ganzen Tag begleitete, und Michael Leutert kam mit Praktikantin Kathinka Richter. Die Köche Rocco Wolter und Daniel Reim, der Sous-Chef (in Gastronomenkreisen auch spaßhaft Suppen- oder Soßenkasper genannt), staunten nicht schlecht, wie schnell ihre große Küche gefüllt war.
Nachdem sich alle die Hände gewaschen und eine Schürze umgebunden hatten, eröffneten die Köche des gastgebenden Hotels an der Oper den vier Politikern das zu bereitende Mahl. Es sollten hausgemachte Nudeln mit frischen Steinpilzen, Frühlingslauch, Kirschtomaten, Parmesan und gebratenem Seezungenfilet zubereitet werden. Den drei Herren oblag es, sich von Sous-Chef Daniel Reim zeigen zu lassen, wie die Seezunge fachgerecht abgezogen und filetiert wird, und Petra Zais, die selbst gern kocht, freute sich, die Nudeln aus dem vorbereiteten Teig machen zu dürfen. Während sich CDU, FDP und Linke noch uneinig waren, wer den Fisch zuerst zerlegt, werkelte die Grüne schon kräftig mit Hilfe der Linken-Praktikantin am Nudelteig. Die Würfel waren gefallen: Michael Leutert, der gestand, dass er ähnlich wie sein SPD-Kollege nur Spiegeleier und Nudeln kochen kann, und Robin John, ein eifriger Hobbykoch, entschieden sich für eine Lehrstunde in Sachen Fisch bei Daniel Reim. Und Frank Heinrich, der mindestens einmal in der Woche für seine Familie kocht, widmete sich mit Rocco Wolter dem Putzen und Schneiden der Steinpilze. Dabei stellte er erschrocken fest: "Oh, ich habe ihn geköpft." Ehe ihm gewahr wurde, dass dies kein Problem war. Währenddessen ertasteten die beiden anderen Herren unter Anleitung von Daniel Reim die Hauptgräte der Seezunge, um dann das Fischfleisch der Länge nach anzuschneiden und nach außen auszulösen. Zuvor hatten sie mittels eines kleinen Schnitts und einer Zange dem Fisch kurzerhand die Haut über den Kopf gezogen. Der Linke fühlte sich dann doch eher zur grünen Nudelmacherin hingezogen und überließ der FDP weiter den Fisch, um sich von Petra Zais zeigen zu lassen, wie der Nudelteig durch die Maschine zur Tagliatelle gedreht wird.
Während sich Frank Heinrich beim Schneiden von Lauch und Kirschtomaten angeregt mit dem Küchenchef unterhielt, wechselten Linke und FDP abermals die Seiten, woraufhin die Grüne bemerkte: "Ich wollte schon immer mal der FDP bei der praktischen Arbeit zur Seite stehen." Und sie zeigte nun auch Robin John, wie aus dem Teig mittels einer Maschine feinste breite Nudeln werden.
Inzwischen waren die Pilze und der Lauch einer heißen Pfanne übergeben worden, Daniel Reim und Michael Leutert taten gleiches mit der Seezunge. Der Koch erklärte seinen Zuhörern bei der Gelegenheit, dass Fisch kurz mit hoher Hitze angebraten und dann auf möglichst niedriger Stufe fertig gebraten wird. "Das sicherste Zeichen, dass die Filets fertig gebraten sind, ist, wenn das Fischfleisch blättert wie ein Buch", beendete der Fachmann seinen kurzen Vortrag.
Schließlich konstatierte CDU-Mann Heinrich lachend beim Würzen der Pilze, dass das Entscheidende in der Politik wie in der Küche sei, wer am Schluss würzen dürfe. Dann ging alles ganz schnell. Während Frank Heinrich den Parmesan gerieben hatte und den Pilzen mit Hilfe von Küchenchef Rocco Wolter gewürztechnisch das vermeintliche I-Tüpfelchen verpasste, gossen Petra Zais und Robin John die Nudeln ab. Michael Leutert durfte den Seezungenfilets mittels Salz und Pfeffer den letzten Schliff geben, ehe sie Soßenkoch Daniel Reim für ein paar Minuten in den Grill schob und dem Fisch so die nötige Farbe verlieh.
Mit ein paar Handgriffen war der Schmaus angerichtet, und der Chefkoch gewährte seinen vier Tageslehrlingen schon mal einen Kostehappen, ehe sie sich mit ihrem geschaffenen Mahl für ein gemeinschaftliches Foto in Position brachten. Dabei stellte Petra Zais freudig fest, dass aus ihrer Sicht sich hier die CDU mal am linken Rand befand. Alles lachte. Dann wurde im Restaurant genüsslich die gemeinsam eingebrockte "Suppe" verspeist. Allen schmeckte es sehr gut, Robin John sprach es aus: "Sehr, sehr lecker! Wer immer das auch gewürzt hat ..."
Schließlich wurde noch etwas theoretisiert, ob und wer sich vielleicht in Berlin im Bundestag wiedersehen könnte. Das ungewöhnliche Quartett bedankte sich bei den tollen Köchen und war sich einig, dass es schön gewesen sei, hier gemeinsam am Herd zu stehen und im Gegensatz zum politischen Alltag mal an einem Strang zu ziehen. Der Chefkoch hingegen meinte bedauernd mit einem Augenzwinkern angesichts des Aufwaschs: "Was Politiker einrühren, müssen andere ausbaden."

