Kommando Kochen
Gulasch im Balaton
Da jeder weiß, dass Geo eines der verhasstesten Schulfächer ist, und viele froh waren, wenn sie für den Lehrer Kreide holen durften, anstatt den Standort der Appalachen auf der Karte zu bestimmen, fangen wir jetzt einfach an: Ungarn. In hiesigen Gefilden ist dieser ehemalige Ostblockstaat jedem ein Begriff, nicht zuletzt weil die Volksbadewanne namens Balaton eines der begehrtesten Reiseziele der Ostdeutschen war. Um der Popularität dieser west-ungarischen Attraktion Rechnung zu tragen, wählten wir eben jenen Balaton spontan für unsere monatliche Kochsause aus. Selbiger ist ein ungarisches Restaurant, ufert an die hiesige August-Bebel-Straße und gehört dem charismatischen Laszlo Rethy. Abkommandierte Köche waren diesmal Holger Tapper und Billy Wulff, die neuen Moderatoren der neuen Radio-Brocken-Morningshow "Holger Tapper und Co.".
Dass sowohl Holger als auch Billy freimütig zugaben, noch nie am und im Balaton gewesen zu sein, tat unserem Vorhaben keinen Abbruch, sondern gab dem Balaton-Debüt der beiden Radiomoderatoren noch die nötige Würze. Dass der gebürtige Ostfriese Holger nie einen Grund hatte, den Plattensee zu beehren, liegt sicher in seiner Herkunft begründet. Seine Urlaubsalternativen beschränkten sich eben nicht nur auf die Satellitenstaaten der Sowjetunion. Die persönliche Urlaubsgeschichte aus Billys Kindertagen verläuft hingegen ungleich tragischer, wahrscheinlich wegen ihrer Herkunft, Billy ist gebürtige Brandenburgerin. "Wir mussten uns zwischen einer Elektroorgel oder einer Schiffsfahrt auf dem Schwarzen Meer entscheiden - wir haben die Orgel genommen. Aus heutiger Sicht ein großer Fehler, dass Ding war Schrott", umreißt Billy diesen Teil ihrer Biografie. Unser Plausch war in vollem Gange. Es wurden alte Kamellen und Anekdoten ausgepackt und mittendrin wusste Holger nicht ganz frei von Ironie zu berichten, dass Lothar Matthäus der berühmteste Ungar sei, den er kenne. Nebenher versuchte Balaton-Besitzer Laszlo Rethy mit diversen harten ungarischen Spirituosen, die er heimlich dem Kaffee unterrührte und seinem ständig tönendem Ägeesscheegädrä unseren Kocheifer zu beschwichtigen. Er schenkte nach und lächelte mild, als sich unsere ehrgeizigen Pläne zum Thema Länderkunde und ungarische Küche verflüchtigten.
"Jetzt wird gekocht", hallte in diesem Moment eine Stimme aus dem Hintergrund. Die von Bela Tomas, dem Küchenchef im Balaton, und der schien es ernst zu meinen. "Pörkölt, ungarischer Gulasch, ist ein absolutes Nationalgericht", freute er sich. Als nun Billy und Holger beherzt die Küchenmesser schnappten, um sich auf das Kilo Schweineschulter zu stürzen, wurde schnell deutlich, dass beide mehr können, als Dosenravioli zu erhitzen. "Wir brauchen zwei mal zwei Zentimeter große Schweinestückchen", befahl Bela. Die Schiebelehre hat er glücklicherweise in der Hosentasche gelassen, kontrollierte aber dennoch mit Argusaugen die millimetergenaue Einhaltung der von ihm geforderten Maße.
"Jetzt braten wir zwei gehackte Zwiebeln an, geben einen Esslöffel Paprikapulver hinzu und löschen das Ganze dann mit ein wenig Wasser ab", hieß es vom Koch. Für unsere versierten Radiomultitasker war paralleles Schneiden, Rühren, Reden und das Einprägen der einzelnen Arbeitsschritte kein Problem, und so waren die ersten Aufgaben schnell erledigt.
"Das rohe Fleisch tun wir jetzt zu den Zwiebeln in unseren Topf, dazu Kümmel, Knoblauch, Salz und scharfe Paprika, dann lassen wir es eine knappe Stunde köcheln und geben gewürfelte Paprika und zwei Tomaten dazu". Billy wurde nebenher mit der Herstellung der Beilage, der Nockerln, betraut. "Ein Viertelkilo Mehl, ein Ei, Salz und Wasser zu einer Masse vermengen und dann ins kochende Wasser schälen," hieß es. Danach muss nur noch angerichtet und gegessen werden. Gesagt - getan. Das Urteil unserer Moderatoren: "Der Balaton ist absolut eine Reise wert." Und da beide den See nicht kennen, müssen sie wohl das Restaurant meinen.

