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Ming Cheng Ming Cheng

Hier spricht Ming Cheng

Grillen, Knast und Knef


Der Sommer ist gerade noch da. Das heißt in Deutschland: Würstchen auf den Grill, Bier in die Kehle und Müßiggang. Vor allem unter uns Studenten.

Ich mag zwar eine deftige Bratwurst ebenso wie ein saftig gegrilltes Steak, aber an das Grillritual konnte ich mich nie richtig gewöhnen, selbst nach acht Jahren in Deutschland.
Zuerst wird die Holzkohle auf den Grill geschüttet, dann der weiße Anzünder großzügig über den Kohlen verteilt oder in flüssiger Form noch großzügiger draufgespritzt, ehe die Suche nach einem Feuerzeug oder den Streichhölzern beginnt. Und wenn nicht gerade ein Raucher unter den Grillern ist, heißt es schnell: "Mist, ich wusste doch, wir haben da was vergessen." Und hat man dann endlich den Grill in Flammen gesetzt, heißt das noch lange nicht, dass das Grillvergnügen beginnen kann. Denn oft versiegt das Flämmchen nach drei, vier Minuten wieder und selbst heftigstes Wedeln der männlichen Grillmeister kann das nicht verhindern.
Also bleibt der Grill erstmal kalt, aber irgendeiner ist dann doch dabei, der es schafft, das verdammte Ding zum Glühen zu bringen. Häufig dauert es Stunden, ehe ordentlich Fleisch auf den Rost gelegt werden kann. In der Zwischenzeit bin ich vor Hunger fast gestorben oder habe mir schon ein Würstchen vom Imbiss an der Ecke besorgt. Damit wird man dann zwar als Verräter an der Sache gebrandmarkt, aber wir Chinesen sind eben praktisch veranlagt und geben uns weniger dem idealistischen Wir-grillen-Gefühl hin.
Wenn man Hunger (auch: Knast) hat, soll man essen, dann kann man sich auch gut entspannen. Zudem kann ich mir auch nicht die Zeit mit dem Trinken von einem Bier nach dem anderen vertreiben, da mir das Gebräu einfach nicht schmeckt. Somit ist Grillen für mich immer ein langweiliges Erlebnis, aber immerhin ein Erlebnis.
Wie gesagt, in China sind wir da viel pragmatischer, im Sommer geht's nicht an den See oder in die Grünanlage, um sich den Pelz zu verbrennen, wir essen stattdessen scharfen mongolischen Feuertopf im vollklimatisierten Restaurant und essen und schwatzen ohne lange Angrillzeit.
Ob Hildegard Knef ein Grill-Fan war - keine Ahnung. Aber eine tolle Frau war sie auf jeden Fall, Schauspielerin, Sängerin und Autorin. Ihr Leben wurde unlängst vielbeachtet verfilmt, und auch ich bin ein großer Fan der letzten deutschen Diva. Deshalb widme ich ihr am Sonntag, dem 4. Oktober, zur besten Kaffee-und-Kuchen-Zeit ein ganzes Programm. "Ming singt Knef" beginnt bereits 14 Uhr.


Wort Ming Cheng / Bild: Ernie Le Coq