Vorsicht Thiel!
Pfiffe für Frau Oberin
Wählen ist total simpel. Man wartet bis etwa 17 Uhr, dann kommen über Twitter die aktuellen Hochrechnungen und man muss nur noch entscheiden, ob man dafür oder dagegen wählt. Das entscheidet man natürlich nicht nach politischen Gesichtspunkten, sondern nach Prinzip. Was, da haben welche zehn Prozent Vorsprung? Nicht mit mir! Zack, wählt man die anderen. Herrlich, nun braucht man dafür auch kein Gehirn mehr. Wir haben das Wählen unserem intellektuellen Standard angepasst. Wer schon vor den Wahlen wissen wollte, wen er gut findet, konnte sich vertrauensvoll an den Wahl-O-Mat wenden, um dabei zu erfahren, dass er NPD oder Linke mag. Darüber sind dann viele erschrocken und haben lieber gar nicht erst gewählt. Oder wählten das, was die anderen auch wählten, ohne zu wissen, warum eigentlich. Egal wer oder was, ob oder nicht - mit Verstand hatte auch diese Wahl nichts zu tun. Wobei ich als Dresdner über Schwarz-Gelb jubeln sollte. Was anderes kommt doch gar nicht in die Tüte! Allerdings weiß ich als Dresdner auch, was Schwarz-Gelb in der Realität heißt: Unkreativ, ohne Leidenschaft, ein ständiges Personalkarussell, unklare Führungskompetenzen, vorn schlapp und vor allem hinten offen.
Ich meine, was soll man auch erwarten von einer Partei, deren Chef vom Spaß- zum Ernstmacher konvertierte und dessen Kollege Brüderle heißt. Irgendwie sind die schon immer anders gewesen. Die hatten mal einen, der sprang Fallschirm, ohne diesen aufzumachen. Allerdings trat der auch vorher wegen einer Lappalie als Minister zurück, was heute kaum einer wegen eines echten Skandals tut. In Sachsen haben die sogar einen Spitzenmann, der will gar nicht Minister werden. Am Ende denkt er noch, er sollte es nicht tun, weil er von bestimmten Dingen keine Ahnung hat. Was ist denn das für ein Blödsinn? Sachsens Ex-Finanzminister Metz hat doch auch im Untersuchungsausschuss zur Sachsen Landesbank zugegeben, dass er von Finanzen nicht wirklich Ahnung hat. Zurückgetreten war er 2007 aber logischerweise wegen seiner Gesundheit. Jedes Mal, wenn ich auf der Pferderennbahn bin und den sonnengebräunten, gutaussehenden älteren Herren sehe, überlege ich mir, ob ich ihm mein Mitleid zeige und ihn mal frage, wie es ihm jetzt geht.
Oder der jetzige Ministerpräsident Tillich. Der war auch mal Finanzminister in Sachsen und hat sich sicherheitshalber noch nie zur Landesbank geäußert. Wenigstens hält er die Klappe, wenn er nichts weiß. Der hält nur auffallend oft die Klappe … Das ist bei Geert Mackenroth was anderes. Der Ex-Justizminister von Sachsen kam tatsächlich zur Einweihung des Harbig-Stadions, um ein paar Worte zum potenziell kriminellen Volk zu sprechen. Aber warum? Dieser norddeutsche Geert trat bisher noch nicht als Dynamo-Fan in Erscheinung, geschweige denn hat er emotionale Bindungen zum Verein, außer der Liebe zu Rasen, den er an seinem Haus auch hat. Noch dazu ist er in der Stadionverhindernwollerpartei, die ihre Argus-Augen beim Stadionbau immer weit aufriss, um sie bei Landesbank oder Brückenbau wieder schließen zu können. Nun kommt dieser Geert ins Stadion und wird prompt mit Pfiffen empfangen, ebenso wie die Dresdner Oberin Helma Orosz. Wahrscheinlich hat Frau Oberin nur stellvertretend für ihre Verhindererkollegen die Pfiffe empfangen. Andererseits waren die beiden live nicht halb so gut, wie der Roland Kaiser aus der Konserve.
Also, dass es uns gelungen ist, diesen Weltstar zur Eröffnung einzuladen. Das war schon ein Paukenschlag! Aber ich will ja nicht meckern … Doch ich muss sogar! Erstens werden sich die Schalke-Fans köstlich amüsiert haben, wie sehr wir uns und dieses Stadion gefeiert haben. Immer wieder hieß es "Weltklasse", "Schmuckkästchen" und "einmalig". Dazu kann ich nur sagen, wer jahrelang Trabi fuhr, für den war der Wartburg auch das Größte! Freunde, wir leben im 21. Jahrhundert, da muss man keine funktionierenden Flutlichter hochleben lassen, Plastesitze heiligsprechen oder einen Betonbau anhimmeln. Auch ein Dach über einem Stadion gab es schon vor Dresden. Schlimmer ist, dass die Hütte zu klein ist und zwar dann, wenn der immer wieder beschworene Traum wahr wird und Dynamo in der richtigen Bundesliga spielt. Ich weiß, das kann sich aktuell keine Sau vorstellen, denn dazu gehört Vision. Und genau daran mangelt es bei Dynamo, in dieser Stadt und ich fürchte auch bei Schwarz-Gelb.
Hoffentlich irrend,
Euer Mario

