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Kommando Kochen Kommando Kochen

Kommando Kochen

Hauptrolle mit Miesmuscheln


Länderkunde und mehr Bildung war das Versprechen unseres letztmonatigen Kommandos Kochen. Und wir stehen dazu. Herberge unseres kleinen Koch-Events war in diesem Monat das Palais S am Saaleufer. Imaginär reisen wir in mediterrane Gefilde und tauchen in die kulinarischen Sphären Italiens ein. Das scheint jetzt noch nichts wirklich Besonderes zu sein, immerhin meint jeder zweite Deutsche, alle Nuancen der italienischen Küche aus dem Fertigregal von Knorr oder Maggi zu kennen, und außerdem bestellt er doch regelmäßig Pizza beim Lieferservice. Das mag in kleinen Teilen zutreffen, doch was Luigi, der in Wirklichkeit Ralf heißt, da an der Ecke verkauft,
spiegelt nicht die kulinarische Vielfalt der Kochkünste des Stiefelstaates wieder.
Also entschlossen wir uns etwas zu kochen, was sich fernab von Pasta und Pizza befindet und der Italiener "Cozze" nennt. Wer jetzt etwas assoziiert, was eigentlich nicht auf den Esstisch gehört, der sei beruhigt, denn bei dem ungewöhnlichen Wort handelt es sich um die allgemein bekannte Miesmuschel. Unter Kennern eine wirklich Delikatesse, die ihren ungewöhnlichen Namen einer langen Geschichte zu verdanken hat. Das Wort mies stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet eigentlich Moos. Es hat also nichts mit etwaigem Aroma zu tun, das an Geruch gewinnt, je mehr die Muschel an Frische verliert.
Nun zum angenehmen Teil: Ganz frisch ist die Schauspielerin Karoline Teska, mit der wir die Küche des Palais S unsicher machten. Hiesigen Kinofreunden ist die talentierte Nachwuchs-Mimin trotz ihres zarten Alters von gerade mal 21 Jahren bereits seit langem bekannt. Ihre Karriere begann schon in Zeiten, in denen die Klassenkammeraden noch versuchten, Einträge im Muttiheft zu verheimlichen. Mit zwölf war die Hallenserin erstmals in einem Kinofilm zu sehen. Es folgten Rollen an der Seite von Franka Potente und auch im Tatort.
Aus beruflichen Gründen kehrte die junge Frau schon im Jahr 2007 der Saalestadt den Rücken und lebt heute in Berlin. "Ich liebe Halle noch immer", sagt sie, "ich habe hier eine wunderbare Kindheit verbracht und komme immer wieder gern nach Hause." Auch wenn sie den Großteil ihrer Zeit in der Hauptstadt verbringt, so könnt Ihr Karoline hier zumindest auf der Leinwand bewundern. Am 15. Oktober startet ihr Film "Ein Teil von mir" bundesweit - mit einer Premiere im hiesigen Lux-Kino. In der Rolle der Vicky spielt sie eine Schülerin, die ungewollt schwanger wird und mit den Schwierigkeiten als junge alleinerziehende Mutter umgehen muss. Im Palais S spielt sie die Hauptrolle der Köchin. In den Nebenrollen: Jede Menge Miesmuscheln.
"Ich habe noch nie Muscheln gegessen, bin aber echt gespannt," sagt Karoline, die sich selbst als "Improvisationskoch" denunziert. Derlei Hang zur Kreativität hatte unser Koch Ronny Bankwitz offensichtlich nicht und beschrieb das einfache, aber geschmackvolle Rezept sehr knackig: "Olivenöl in einen großen Topf, Zwiebeln darin anbraten und nach kurzer Zeit die Muscheln hinzugeben, zehn gehackte und in Olivenöl getränkte Knoblauchzehen obendrauf und mit italienischen Kräutern würzen."
Karoline folgt den Anweisungen des Regisseurs Ronny mit engagiertem Blick, löscht die Muscheln mit trockenem Weißwein ab und beweist, dass Schauspielerei nicht ihr einziges Steckenpferd ist. "Jetzt den Deckel drauf und nochmal zehn Minuten köcheln lassen. Finito!" Dazu empfiehlt der Sommelier des Palais S eine neue Errungenschaft der Weinkarte, einen Cabernet Sauvignon blanc aus Neuseeland.
Trotz anfänglicher Bedenken bekamen die Muscheln von Karoline das Prädikat "Äußerst delikat". Gleiches gilt für den Mount Fishtail im Weinglas.


Wort: Felix Till / Bild: Thomas Leibe