Der Nachfolger kommt
Caveman wird Papa
Zehn Jahre ist es nun schon her, dass Esther Schweins und Kristian Bader bei "Caveman" Regie führten und damit dem erfolgreichsten Broadway-Solo-Drama aller Zeiten auch eine Glanzdekade im deutschsprachigem Raum schenkten.
Fast jeder hat ihn gesehen, den "Caveman", das Höhlenwesen, das Maskulinum, das ganz sich selbst gehört und allein im Mittelpunkt steht, primitiv, aber glücklich, das Ding, das man mit einem Kasten Bier und einer Carrera-Autobahn ein Wochenende lang zufriedenstellen kann.
Im neuesten Solo-Comedy-Programm von Esther Schweins und Kristian Bader wird dem unterbelichteten XY-Chromosomenträger eine ganz neue Aufgabe zuteil. "Hi Dad! Hilfe. Endlich Papa" heißt das Bühnenstück nach der Vorlage des Isländers Bjarni Thorsson und lässt die Dimensionen der Misere schon erahnen, einer Misere, welche im November in Halle ihre mitteldeutsche Premiere feiert. Dem vom Instinkt getriebenen männlichen Wesen bereitet der Akt der Fortpflanzung nur wenig Probleme, er gehört sogar zu seinen Hobbies; alles, was danach kommt, wirkt da schon unverhältnismäßig schwieriger. Jetzt muss er sich mit den wichtigen Fragen des Vaterwerdens auseinandersetzen. Muss ich mit zum Frauenarzt? Wie natürlich darf eine Geburt eigentlich sein? Kann man einen Kinderwagen auch tieferlegen? Wann wird es wieder so sein wie früher? Auch Männern fällt das Kinderkriegen nicht leicht. Ein ordentlicher Fußball ist eben nicht das Gleiche wie der Gymnastikball, Windelnwechseln ist eben fast so kompliziert wie das Wechseln einer Zylinderkopfdichtung am Auto, und wer eine Sportskanone ist, kennt noch lange nicht alle Atemübungen.
Neben all den Ängsten und Katastrophen, die auf amüsante Weise dargestellt werden, zeigt das Stück aber auch die schönen und stillen Momente, welchen ein werdender Vater ausgesetzt ist. Wie bereits "Caveman" will "Hi Dad!" Eure Gefühle ansprechen. Werdende oder gerade gewordene Eltern können sich mit der Situation bestens identifizieren und erkennen sich auf der Bühne wieder. Dabei ist das neue Stück auch stilistisch an die Inszenierung von "Caveman" gelehnt, denn alle Rollen des Abends - von der Ehefrau über den Frauenarzt bis hin zu Hebamme und Schwiegermutter - werden nur von Felix Theissen dargestellt, jenem Mann, der seit 2003 allein mehr als 60.000 Hallenser in über 500 Vorstellungen begeisterte.
Hört sich nach einem Stück an, dass nahtlos in die Erfolgsspur von "Caveman" einbiegen könnte, um zum deutschlandweiten Kult und Kassenschlager zu werden. In Teilen hat sich der Erfolg sogar schon eingestellt. Im Sommer dieses Jahres fand die Premiere von "Hi Dad!" im St. Pauli Theater in Hamburg statt; der amüsante Abend erfreut sich seither großer Beliebtheit.
Mit der Premiere im Urania 70 am 26. November wollen die Macher Esther Schweins und Kristian Bader auch hier an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen. Mit Geburtshelfer Felix Theissen wird man das Kind schon schaukeln und ohne Komplikationen auf und über die hallische Bühne bringen Der Vorverkauf hat begonnen.
Wort: Felix Till / Bild: P.D.
Jan Felix Frenkel
Spontan wie das Leben
"240 warm" heißt die Bühnen-Novela der Kulturreederei, die seit Februar dieses Jahres einmal monatlich ihr Publikum erfreut. Nach der Sommerpause trudeln die Bühnen-WG-Bewohner nun so langsam wieder zu Hause ein. Wir sprachen mit Mitbewohner Jan Felix Frenkel (Foto) über die nächste Show und das Leben in der WG.
BLITZ!: Wie darf man sich Euer Konzept, das Du selbst als "Bühnenvariante der Soap-Opera" bezeichnest, vorstellen?
Jan Felix Frenkel: Zunächst einmal spielen wir reines Live-Improvisations-theater. Das Publikum schaut quasi durch eine unsichtbare Mauer in unsere WG-Küche. Hier spielen sich die Interaktionen der Mitbewohner ab, und hier fügen sich auch unsere einzelnen Geschichten zu einem Gesamtbild zusammen.
BLITZ!: Klingt sehr nach der populären Fernsehserie "Schillerstraße". Was unterscheidet Euch?
JFF: Naja, es ist sicher ähnlich, aber wir sind besser (lacht), das ist der Unterschied. Wir haben keinen Knopf im Ohr, über den wir Regieanweisungen bekommen. Wir sind halt nicht fremd-improvisiert. Außerdem ist es auch kein reines Comedy-Programm. Sicher entstehen oft witzige Szenen, aber es gab auch schon Momente, in denen die Spannung zum Zerreißen war.
BLITZ!: Wir unterstellen mal, dass im Fernsehen kaum etwas improvisiert, nicht mal fremdimprovisiert ist. Ihr aber lauft also völlig planlos und ungeprobt auf die Bühne?
JFF: Das ist ja das Aufregende, für uns wie fürs Publikum. Jeder macht sich schon ein paar Gedanken um seine eigene Rolle. Wie die anderen darauf reagieren, weiß keiner. In einer Show haben wir zum Beispiel Pizza bestellt, der Bote war dann Teil des Stückes, ob er wollte oder nicht. Wir spielen halt so, wie es die Situation verlangt, mitunter bis zu zwei Stunden.
BLITZ!: Eine Soap baut ja immer auf den Geschehnissen der letzten Folgen auf. Was machen Zuschauer, die noch nie bei Euch waren, aber jetzt auf den Geschmack gekommen sind?
JFF: Kein Problem, am Anfang einer jeden Vorstellung wird ein zusammenfassender Trailer der letzten Folge gezeigt, damit der Einstieg leichter fällt. Es ist aber auch so, dass jede Vorstellung in gewisser Weise für sich steht und alles leicht nachzuvollziehen ist.
BLITZ!: Zuguterletzt: Wie viele seid Ihr denn in Eurer WG?
JFF: Eigentlich vier. Aber das ist kein Dogma. In jeder Show gibt es auch Gäste. Wie in einer richtigen WG, da klingelt halt auch mal jemand, um vorbeizuschauen.

