Troendle, Callenbach, Bremke
Lindenauer Palmen
Am Palmengarten - wie schön das klingt! Und wenn man Bilder dieses historischen Leipziger Vergnügungsparks sieht, wähnt man sich im Paris der vorletzten Jahrhundertwende. An Tatsachen und Stimmungen dieser Art knüpfen die Wiederbeleber hiesiger Varieté-Traditionen, Katrin Troendle und Bert Callenbach, sowie Frosch-Café-Betreiber Matthias Bremke mit ihrem neuen Theater für Revue, nächtliches Entertainment und Artistik Am Palmengarten an. In der ehemaligen Tankstelle zwischen Kleinmesse und Straßenbahnhof sind die Drei schon länger aktiv, nutzten die vergangenen Sommer bereits für Veranstaltungen. Doch jetzt wurde es offiziell, läuft - seit 8. Oktober - die Palmengarten-Eröffnungsshow namens "Tabuzonen" (bis 28.11., ab 01.12.: "Callenbach packt aus"). In der betätigen sich Katrin Troendle und Bert Callenbach "als Fremdenführer in einer Welt voller Erotik, Körperkunst und Witz", unterstützt u.a. von HayDee Sparks.
Internet:
www.palmengarten-leipzig.deWort: Ernie Le Coq / Bild: HayDee Sparks
Le Chat Noir
Steaktrain and Music on Tour
Im Park-Hotel-Restaurant Steaktrain in der Nikolaistraße gibt es ab 30. Oktober jeden letzten Freitag im Monat Steak zum Jazz bzw. Jazz zum Steak. "Steaktrain and Music on Tour" heißt die Veranstaltungsreihe, und für den Jazz, der jeweils von 19 bis 22 Uhr geboten wird, zeichnet das Duo Le Chat Noir (Foto) verantwortlich. Sängerin Stefanie Stieglmaier und Pianist Jan Mareck sind in Leipzig keine Unbekannten und beide wegen des Studiums an der hiesigen Hochschule für Musik und Theater in die Stadt gekommen. Stefanie Stieglmaier singt in der Band Popagenda, Jan Mareck spielt Klavier für Katrin Troendle. Er sagt über Le Chat Noir: "Unsere Zusammenarbeit begann, als Stefanie mich anrief, weil ihr ein Pianist abgesprungen war, da hab ich gern ausgeholfen. Wir waren ein gutes Team und dabei blieb es." Im Repertoire haben sie "einiges aus dem Amerikanischen Songbook, von Jazzballaden bis zu flotten Swingnummern, Pop-Titel von Alanis Morisette oder Corinne Bailey Rae und französische Chansons, zum Beispiel von Edith Piaf".
www.parkhotelleipzig.de
Wort: B.C. / Bild: P.D.
Rajk Barthel
Spannende Zeiten
Er ist Papierkrieger für Leipziger Künstler. Rajk Barthel über Cajon-Konzerte im Gewandhaus, sein Alter Ego als Musikverleger und nichts Geringeres als: die Zukunft der Musik.
BLITZ!: Du bist Musiker. Was hat Dich dazu getrieben, den zusätzlichen Papierkrieg als Verleger aufzunehmen?
Rajk Barthel: Das fing vor ein paar Jahren an, als ich mich für meine Band Disillusion um die Abwicklung mit der GEMA gekümmert habe. Die Materie war relativ komplex, aber ich habe festgestellt, dass man sein finanzielles Ergebnis steigern kann, wenn man sich damit beschäftigt. Befreundeten Bands habe ich das dann als kleine Dienstleistung angeboten. Somit hatte ich einen Teilbereich der Verlagstätigkeit angefangen, der nächste Schritt war die Gründung eines Musikverlages. Alles Learning by Doing.
BLITZ!: Wieviel hat das tatsächlich mit Musik zu tun?
R.B.: Das kommt darauf an, welchen Teil der Arbeit man betrachtet. Das Administrative, also das Prüfen und Durchsetzen von Ansprüchen, das Zusammenstellen von Nachweisen über Aufführungen und andere Musiknutzungen, ist reine Büroarbeit und unabhängig von Art und Stil. Anders ist das mit der Auswahl der Künstler. Entscheidend ist die Qualität und welche Ideen ich als Verleger habe, das zu platzieren und zu verbreiten. Das ist dann eine ganz enge Arbeit mit der Musik, zum Beispiel wenn ich versuche, Plattenlabels für meine Bands zu interessieren. Im besten Fall ist man eine Schaltstelle. Man versucht, Potenzial an die entsprechenden Stellen zu leiten. Momentan engagiere ich mich verstärkt in der Vermittlung von Musikwerken für Film, Werbung und Computerspiele.
BLITZ!: Zahlt der Verlag Deine Brötchen?
R.B.: Bis jetzt ist es ein Entlanghangeln am Existenzminimum. Normalerweise kauft man sich als Musikverlag mit viel Kapital einen werthaltigen Katalog an Musikstücken. Ich gehe den anderen Weg und hole jedes einzelne Werk selbst in den Verlag. Aber ich bin zuversichtlich, weil ich das Wachstum sehe. Zur Zeit vertrete ich 35 Urheber und Bands, darunter Gammalapagos, Myra, Zen Zebra, Ronny Trettmann und andere regionale Künstler. Kick The Flame hat sich in Leipzig herumgesprochen und wird weiterempfohlen, das ist schön.
BLITZ!: Was steht derzeit Wichtiges an?
R.B.: Ich habe gerade mit dem Komponisten Torsten Pfeffer die weltweit erste Spielstückesammlung für das Rhythmus-Instrument Cajon herausgebracht. Jetzt organisiere ich den Vertrieb für die ersten 1.000 Stück. Wir wollen das Buch von verschiedenen Seiten vermarkten, über die Spitzenspieler der Szene wie auch über die klassischen Buchläden. Musikalisch ist es ebenso spannend, weil Pfeffer Stilistiken anderer Percussioninstrumente überträgt, Einflüsse aus dem arabischen und afrikanischen Raum mit europäischen Spielweisen kombiniert und zudem zwei Solo-Konzertstücke geschrieben hat, die man durchaus im Gewandhaus aufführen könnte.
BLITZ!: Musik wandert zunehmend ins Internet ab. Ist das Fluch oder Segen?
R.B.: Das Medienzeitalter wechselt: Alles verlagert sich ins Netz, Musik wird unabhängig von festen Formaten verbreitet. Ob man das nun gut oder schlecht findet - es ist einfach so. Die Frage ist eher: Gelingt es, Modelle zu finden, die praktikabel sind und Urhebern einen Teil der mit ihrer Musik verdienten Gelder zukommen lässt? Bei YouTube werden mit Musikinhalten Werbeumsätze in Millionenhöhe gemacht, der Urheber aber ist nicht daran beteiligt. Dort muss irgendwann etwas für diejenigen fließen, die diesen Inhalt erschaffen. Gelingt das, gibt es Chancen, dass man auch in Zukunft weiter von Musik leben kann. Es sind spannende Zeiten.
BLITZ!: Vor allem junge Musiker scheuen sich vor der GEMA. Kannst Du helfen?
R.B.: Die GEMA ist eine komplexe, bürokratische aber sehr sinnvolle Einrichtung. Weil es darum geht, dass Urheber aus der Nutzung ihrer Musik Geld erhalten. Für Anfänger ist das nicht ohne Weiteres zu durchblicken. Zu mir kann jeder gern mit Fragen kommen, wir klären die dann individuell und finden die beste Lösung.

