Jan Zimmermann
Barkultur als Mission
In der Gastronomie liegen manche Dinge im Argen. Der gebürtige Thüringer Jan Zimmermann weiß, wovon er spricht, wenn er davon berichtet, was ihn alles stört. Er hat sämtliche Bereiche der Gastronomie selber erlebt, Szene-Bar, Tourismusgastronomie, gehobene klassische Cocktailbar und Mobile Mietbar. Sein Urteil: Es gibt zu viele Leute, die in der Gastronomie arbeiten und denen das Fachwissen fehlt. Es fängt mit kleinen Dingen an, wie dem fehlenden Untersetzer, und es geht weiter bis hin zu den Grundlagen des Gewerbes. Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einen Brand, einem Geist und einem Wasser? Fast niemand weiß das mehr!
Mit den Schnäpsen beschäftigte sich das erste Seminar des jungen Mannes, der sich mit seiner Reihe "The Barman meets …" der Mission widmet, wieder ein wenig mehr Kultur in die hiesigen Restaurants und Bars zu bringen. Deshalb richtet sich sein Angebot zur Wissensvermittlung auch erst einmal an die Gastronomen selbst, die Besitzer, Barkeeper und Servicekräfte. Veranstaltungen für "Hobby-Mixologen" sind für die Zukunft jedoch auch geplant.
"Ich lass das aber erst einmal langsam angehen", erläutert Jan Zimmermann. Das erste Seminar war mit 20 Teilnehmern aus der Branche ein guter Anfang. "Die Reaktionen waren durchweg gut", freut sich der Barmann. Der "nächste Streich" soll im Januar folgen, vor allem die positive "Mundpropaganda" wird ihren Teil dazu beitragen, dass sich wieder genügend Interessenten anmelden. Darüber hinaus spricht Jan Zimmermann seine Klientel direkt an, verteilt Flyer, verschickt Newsletter, schreibt in diversen Blogs. "Ich muss natürlich Geld für meine Dienste nehmen, kommerziell ist das Ganze aber nicht." Zusätzlich zu den Schulungen will Jan Zimmermann deshalb noch das Cocktail-Catering The Barman aufbauen.
Dass seine Weiterbildungsangebote notwendig sind, davon ist der Barmann aus Leidenschaft fest überzeugt. "Der Notstand ist kaum zu übersehen". Mixgetränke werden aus Instant-Zutaten zusammengepanscht, der Geschmack ist weit entfernt von dem, was dem Erfinder der Kreation vorschwebte. Vielerorts fehlen auch die Originalzutaten, von denen man hierzulande nichts weiß und die daher nicht nachgefragt werden.
"Wenn man zum Beispiel Tequila nimmt - da gibt es hier kaum vernünftige Sorten. In England oder den USA sieht das ganz anders aus." Mit einem Lächeln erklärt der Mix-Profi noch einen besonderen Trick: "Wer weiß heutzutage noch, dass ein frisches Eiweiß in vielen Cocktails ehemals gang und gäbe war? Das macht den Drink erst richtig sämig." Die Mission Barkultur geht also weiter.

