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Die Söhne des Ostens Die Söhne des Ostens

Die Söhne des Ostens

Battle-Rap mit Lokalkolorit


Es klingt komisch, wenn Artur Zayats anfängt, von früher zu erzählen. Von Zeiten, als sie noch mit einem billigen Headsetmikrofon aufnahmen.

Damals war der Magix Music Maker das Maß der Dinge. Alles steckte eben noch in den Kinderschuhen. Als Artur anfing zu rappen, war er gerade mal elf Jahre alt und steckte selbst noch in diesen Kinderschuhen. Heute ist Artur 14, und das "früher", von dem er spricht, ist gerade mal drei Jahre her.
"Meinen ersten Text habe ich aus langer Weile geschrieben, ich saß auf dem Balkon, habe einen Beat gehört und eine ganze Seite geschrieben", berichtet Artur von seinen ersten musikalischen Schritten im Jahr 2006. Damals besuchte er die Sekundarschule August Herrmann Francke. Es war die Fügung des Schicksals, dass der neue Sitzplan, den die Lehrerin ausgab, den jungen, rap-begeisterten Artur mit Stefan Hobusch zusammenbrachte. Beide waren schnell auf einer Wellenlänge und fingen an, Texte zu schreiben und Beats am heimischen Computer zu produzieren.
"Die Qualität des Rap und der Beats war absolut scheiße. Als ich mir dann ein besseres Mikrofon bestellt hatte, war mein Computer zu schlecht, um gut aufnehmen zu können", erzählt Stefan über die Produktionen im Kinderzimmer. Trotz der widrigen Bedingungen blieben die Beiden am Ball, auch als sich ihre schulischen Wege trennten, weil Artur auf das Gymnasium wechselte. Musikalisch fanden sie jedoch immer wieder zusammen, saßen zu Hause, hörten HipHop und reimten ihre eigenen Texte. Ihre selbstgebastelten Lieder stellten sie im Internet und begannen erste Kontakte zu knüpfen.
"Über einen HipHop-Laden bekamen wir Kontakt zu den Sound Gladiators, die ein professionelles Studio in Halle betreiben", sagt Stefan. Dort wurde das Talent der beiden Nachwuchs-Rapper schnell erkannt und die ersten Lieder produziert. "Wir fanden es cool, mit professionellen Leuten zusammenzuarbeiten. Die Sound Gladiators haben ja auch mit Fabster das Lied über Halle gemacht, das war für uns natürlich krass", meint Artur nicht ohne Stolz. Unterstützt vom hallischen Rapper Tray nahmen ATZ alias Artur und SH-One alias Stefan im Sommer dieses Jahres ihren ersten professionell abgemischten Song "Neider und Hater" auf, es folgten die Lieder "Das Battle hat begonnen" und "Lines wie Eisen". Diese Titel repräsentieren auch den Stil der beiden. Beeinflusst von deutschen HipHop-Größen wie Kool Savas oder Azad bevorzugen Artur und Stefan Battle-Rap mit Lokalkolorit. Unter dem Namen Die Söhne des Ostens (DSDO) sind Artur und Stefan gemeinsam zu hören und verleugnen ihre Herkunft nicht.
"Ich fühle mich der Stadt sehr verbunden, ich lebe gerne in Halle, höre auch gerne HipHop aus Halle, und außerdem komme ich auch noch aus dem richtigen Osten" erzählt Artur, der einen armenischen Vater hat, in Weißrussland geboren ist und im Alter von drei Jahren nach Deutschland kam. Heute arbeiten er und Stefan fleißig an ihrer EP, die im Januar oder Februar des nächsten Jahres erscheinen soll. Insgesamt acht Tracks wird das Erstlingswerk enthalten und vor allem durch den eigenen Stil der Beiden geprägt sein.
Den eigenen Stil zu finden, das sei das Wichtigste, meint Artur. Wenn er das sagt, gerät schnell in Vergessenheit, dass der junge Mann die achte Klasse besucht und erst 14 Jahre alt ist. Für die Musik spielt das Alter eigentlich keine Rolle, nur bei Live-Auftritten ist es teilweise etwas schwierig, wenn das Mindesteintrittsalter in den Club noch vier Jahre entfernt liegt. Nichtsdestotrotz bekamen DSDO ihre erste Live-Bestätigungs-Chance in einem Club. Zur Premiere von "Lampenfieber", der Talenteshow im En Vogue am 22. Oktober ließen sie jegliche Konkurrenz hinter sich und überzeugten die Jury. Am 4. Dezember gibt es die nächste Talenteshow im En Vogue, und die Söhne des Ostens werden dann noch einmal demonstrieren, wie man live performen muss, wenn man gewinnen will.


Internet:

www.myspace.com/shoneatz



Wort und Bild: Felix Till




Kommando Kochen Kommando Kochen

Kommando Kochen

Zwischenspiel bei Madame


Vom Gänsebraten bis hin zur Bockwurst mit Kartoffelsalat wäre bei unserem vorweihnachtlichen Ausflug in die Gastronomie alles möglich gewesen.

Doch wir entschieden uns anders: Kommando Kochen wird diesmal zu Kommando Backen. Unsere Gäste stehen bereits am Straßenrand, als wir mit dem Auto vorfahren. Zwei hübsche, junge Damen und ihr Meister steigen in den Wagen und begleiten uns zur "Nasch Madame", um deren verführerisches Gewerbe kennenzulernen. Wir werden kneten, stechen, mit Spritzbeuteln hantieren und allesamt ein bisschen Spaß haben. Bevor hier allerdings Missverständnisse aufkommen, sei so viel erklärt: Die "Nasch Madame" heißt Anne Heinrich und betreibt die erste hallische Hofkonditorei. In dieser wollen wir gemeinsam mit unseren Gästen, den Ballerinas Markéta Slapotová und Colleen Swihart sowie deren Chef, dem Ballettdirektor des Opernhauses, Ralf Rossa, weihnachtliche Plätzchen backen.
Während der Fahrt kommen jedoch erste Zweifel an unserem Vorhaben auf. Die Tänzerinnen sind ganz und gar zierliche Persönchen. Dürfen die überhaupt Plätzchen und anderes Naschwerk essen? Immerhin hört man aus der Model-Branche, wo ähnliche Körpermaße verlangt werden, von Speiseplänen, die neben viel Luft höchstens in Orangensaft getränkte Wattebällchen erlauben. Hüftgold kann man sich als Ballerina doch nicht leisten, oder? Die Fragen werden beantwortet, bevor sie gestellt wurden. Denn als wir die Backstube von Anne Heinrich betreten, kommt uns die "Nasch Madame" bereits mit einem Blech voller Cookies entgegen, die auch bei den Tänzerinnen reißenden Absatz finden. "Man sollte nicht nur Kekse essen, aber mal ist das schon in Ordnung", meint Markéta Slapotová, während sie genüsslich von einem großen runden Gebäckstück abbeißt. Der Ballettdirektor pflichtet ihr bei: "Tanzen ist harte körperliche Arbeit. Da hat man entsprechend viel Nahrungsbedarf."
Erleichterung macht sich breit, denn wir scheinen in der Hofkonditorei genau richtig zu sein und machen uns sogleich an die Arbeit. Teig kneten, ausrollen und ausstechen. Die Förmchen und Formen regen dabei zum freien, kreativen Assoziieren an. Aus Schneeflocken werden überfahrene Frösche und aus Tannenzapfen Handgranaten. Solche Figuren gibt es bei der "Nasch Madame" für gewöhnlich nicht, auch wenn sie schon Torten in Form von Turnschuhen kreierte. Gestalterische Höhen dieser Art wollen wir zwar nicht erreichen, doch garniert sollen unsere Plätzchen trotzdem werden. Mit "Kekse in Schokolade tunken und bunte Streusel drüber streuen" ist es allerdings nicht getan. Bewaffnet mit einem mit roter Eiweißspritzglasur gefüllten Beutel verzieren die Ballerinas und Ralf Rossa das Backwerk, wobei die Verbindung zwischen ihrer Profession und der Konditorkunst klar wird.
Die Inszenierung von Ralf Rossa und seinem Ballett, die am 14. November Premiere feiert(e), besteht aus zwei orchestralen Werken. Zum einen wird die "Geschichte vom Soldaten" von Igor Strawinsky aufgeführt und zum anderen Carl Orffs "Carmina Burana" auf die Bühne gebracht. Die Stücke könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Orffs Meisterwerk ist pompös, mit großem Orchester und Chor, der "Soldat" hingegen für Wanderbühnen geschrieben, subtil und mit nur sieben Musikern besetzt. Eine ähnliche Diskrepanz findet sich auch in der Backstube wieder. Auf der einen Seite opulente, mit Sahne gefüllte Torten und auf der anderen das feine, zarte Handwerk.
Ralf Rossa entscheidet sich bei seinen Plätzchen für ein Pyjama-Design, und Colleen Swihart verziert die Schneeflocken mit allerhand Zuckergussperlen. Ihre Werke werden von der "Nasch Madame" schön verpackt, und dann ist unser Zwischenspiel in der Backstube auch schon zu Ende. Die beiden Ballerinas und ihr Chef müssen zur nächsten Probe. Und in manchen Köpfen entwickelt sich bereits eine neue Geschäftsidee: Auch eine Konditorei aufmachen, vielleicht den "Nasch-Monsieur". Allerdings wären wir dann wohl selbst unsere besten Kunden, wie auch Markéta Slapotová eingesteht: "Wenn ich eine eigene Konditorei hätte, würde ich wahrscheinlich 200 Kilo wiegen." Das wäre als Ballerina zumindest ungewöhnlich.


Internet:

www.nasch-madame.de  //   www.opernhaus-halle.de


Wort: Felix Till / Bild: Thomas Leibe