Hier spricht Ming Cheng
Drittes Mal Erstsemester
Das Wintersemester 2009/10 ist bereits im vollen Swing, und auch ich bin wieder dabei. Zum dritten Mal bin ich ein Erstsemester.
Das hält jung, und lebenslanges Lernen ist sowieso voll im Trend. Das erste Mal habe ich in China Metallverarbeitung studiert. In China ist es nicht wie hier, man wählt selten selbst, was man studieren möchte, meistens "empfehlen" es einem die Eltern. Zudem sind chinesische Erstsemester mindestens ein, zwei Jahre jünger als deutsche und mit 17, 18 hat man eh keine konkrete Vorstellung, was man mal werden will. Das Schul- und Unisystem ist viel straffer organisiert als in Deutschland, der Übergang von der Schule in die Hochschule nicht allzu drastisch. Die Studenten bekommen einen fertigen Stundenplan, niemand muss sich selbst sein Studium organisieren. Allerdings gibt es eine Anwesenheitspflicht. Etwas wie freiwillige Kurse gibt es kaum, denn die besucht keiner. Was freiwillig ist, ist nicht wichtig und bringt auch nix, so denkt man bei uns. So richtig mein Ding war das alles nicht, also kam ich auf die Idee, im Ausland zu studieren. Und da war für mich das Land Goethes und Schillers erste Wahl. Denn hier musste man keine Studiengebühren bezahlen.
Mit einigen Mühen habe ich diesen Sommer mein Bachelor-Studium Sinologie abgeschlossen. Jawohl, ich habe in Deutschland Chinesisch studiert. Warum auch nicht, Germanistik ist unter den Eingeborenen hier ja auch ein gern gewähltes Studienfach. "Nanu?!" werden einige von Euch jetzt denken. In der Presse war doch immer wieder vom singenden Informatiker die Rede. Ja, das stimmt, das war mein Nebenfach, die Informatik, und die Bezeichnung der "singende Informatiker" stammt nicht von mir, ein Journalist nannte mich so und es blieb kleben. Aber besser als "singender Informatiker" in der Presse als gar nicht. Aber leider haben es die Geisteswissenschaftler heute nicht leicht, vor allem, wenn sie ohne Zusatzqualifikationen sind. Und da meine Musikerkarriere immer noch keine Millionen abwirft, muss ich mich wohl oder übel dem Arbeitsmarkt stellen und studiere im Masterstudiengang Wirtschaft. Schlecht ist das nicht, und alles, was ich lerne, kann ich gleich umsetzen. Ich kann mich selbst vermarkten, selbst rentabel machen und und und. Irgendwann heißt es dann in der Presse sicher Ming Cheng, der "singende Wirtschaftsprüfer". Gelegenheiten dafür gibt es genug, denn mein Auftrittskalender ist zum Jahresende recht voll. Zudem ist ja bald Weihnachten und da ist ein Konzertkartengeschenk immer eine gute und ein Ming-Cheng-Konzertkartengeschenk eine noch bessere Idee ...

