Tympanus Forte
Des Grafen laute Weihnachtsfeier
Sie lieben das Trommeln, sie lieben es, wenn ihre Fans ausflippen. Und sie geben alles, um das zu erreichen. Tympanus Forte feiern laut und leidenschaftlich.
Wie schon im Frühherbst im ehemaligen Kraftwerk von Vockerode (wir machten im September darauf aufmerksam) werden Tympanus Forte auch im beginnenden Winter ihre kraftvoll-martialische Show inszenieren. Mit brachialer Wucht, aber auch filigranen Details, mit atemberaubender Dynamik, aber auch der einfachen Freude am Spiel. Und angesichts des beeindruckenden Auftritts dieser Trommlertruppe fragen wir uns und Euch erneut: Wer war nicht als Kind schon von Trommeln fasziniert!?
Nun kommen sie nach Suhl und an zwei aufeinanderfolgenden Abenden in die Erfurter Thüringenhalle, um ihre "Laute Weihnacht" zu feiern. An Stelle von Gänsebraten und "Leise rieselt der Schnee" kündigt Michael Bohn vom Erfurter Cultprojekt Veranstaltungsmanagement "eine weltweit einzigartige Trommel-Show" an. "Dichte Nebelschwaden bedecken die Bühne, während machtvolle Rhythmen den Saal erschüttern. Feuerwände und Flammprojektoren stoßen rhythmisch riesige Feuersäulen aus", macht Bohn neugierig. "Dann treten die Geistertrommler hervor ... wild, ekstatisch und kraftvoll, mystisch und skurril." Und wir erleben, wie man im Hause des Grafen Tympanus Weihnachten zelebriert. "Die 27 Trommler von Tympanus Forte und jede Menge Helfer bereiten eine außergewöhnliche Weihnachts-Zeremonie vor", verspricht Michael Bohn. Seine Truppe haut seit dem Jahr 2000 (zunächst unter einem anderen Namen) gemeinsam auf die Felle. "Wir lieben das Trommeln", sagen sie, "wir lieben es, wenn sich unsere Fans mitreißen lassen und so richtig ausflippen! Wir lieben das Abgefahrene und Außergewöhnliche: Wenn laut, dann richtig laut! Wenn groß, dann richtig groß!"
Am 11., 18. und 19. Dezember haben Tympanus Forte ihre großen Auftritte, am 18. zusätzlich mit der Möglichkeit, "ein tolles Weihnachtsbuffet zu buchen"; interessant ist das auch für Weihnachtsfeiern von Unternehmen. Aber ob mit oder ohne Buffet, die Mädels und Jungs trommeln Euch das Fell über die Ohren! Karten bekommt Ihr an den bekannten Vorverkaufsstellen sowie über die Internetseite:
www.die-trommler.de
Wort: B.C. / Bild: P.D.
Almuth Nowack
Raum für Gemeinsamkeit
Das besetzte Haus in der Gerberstraße in Weimar ist eine Institution der besonderen Art. Hier treffen Menschen aufeinander, die an alternativen Lebensformen interessiert sind und diese auf kreative Art umsetzen.
Einer von diesen ist Almuth Nowack, besser bekannt als Almi. Die 23jährige ist schon lange dabei. Die Gerber wurde für sie zur geistigen Heimat: "Ein sehr freier Ort, wo alles möglich war, wenn man es nur machte." Und um das Machen geht es ihr. Eine Idee kann erst lebendig werden, wenn man sie lebt - und das schließt das Überzeugtsein von diesen Ideen mit ein. Wenn Almi von ihrer Lebenseinstellung erzählt, wird deutlich, dass Alternativen zu einem konsumorientierten, passiven Lebensstil möglich sind; dazu müssen Vision und Umsetzung Hand in Hand gehen. In der Gerber versammeln sich unterschiedliche Leute mit individuellen Begabungen. Jeder kann sich mit dem einbringen, was ihm gefällt.
"Im Großen und Ganzen versucht jeder zu machen, was ihm am Herzen liegt und was er kann. Ich habe einige Jahre vorwiegend Veranstaltungen gemacht, bei denen ich versuchte, mit verschiedenen Leuten, vor allem denen, die nicht so in die Gerber involviert waren, was Gutes auf die Beine zu stellen. Derzeit liegt mein Hauptaugenmerk aber auf etwas anderem: Jetzt versuche ich kreativen Raum zu schaffen, an dem jeder teilnehmen kann und der ganz verschiedene Leute zusammenbringen soll." Das erste Projekt in diesem kreativen Raum ist eine Siebdruckwerkstatt, die "als Plattform für Bands, Jugendliche und Studenten dienen soll. Als Möglichkeit zum Austauschen und Vernetzen von Künstlern und Projekten. Ich hatte schon immer Interesse an diesem Druckverfahren, und nach intensiver Beschäftigung mit der Materie entschloss ich mich, die Werkstatt aufzubauen." Nach anfänglichen Problemen bekam Almi Unterstützung von Christoph Schaffarzyk: "Er war nicht nur bereit, mir zu helfen, sondern hatte auch Lust, in das Projekt miteinzusteigen, worüber ich sehr froh bin."
Das Interesse für Kunst setzt Almi auch praktisch um. Angeregt wurde sie durch ihr kreatives Elternhaus und die Waldorfschule: "Dort bekommt man zwangsläufig ein Faible für künstlerisches Arbeiten." Die Entscheidung, ob aus dem Basteln und Malen einmal mehr wird als ein Hobby, ist noch nicht gefallen. Almi nutzt ihre künstlerischen Fähigkeiten, um sie mit anderen zu teilen. Diese Vision von Gemeinschaft und die Erfahrung, dass Unterschiede bereichernd wirken können, prägen ihre Lebenseinstellung. "Ich war schon als Kind in der Gerber, als am Sonntag Kinderfilme beim Kino 'Filmriss' liefen. Als ich zwölf war, nahm mich ein Schulfreund mit zum Jugendcafé. Seitdem verbrachte ich den größten Teil meiner Zeit im besetzten Haus. Ich denke, meine Entwicklung wurde stark durch dieses Umfeld geprägt. Mein heutiges politisches Bewusstsein ist eine Mischung aus Bauchgefühl und Erfahrung."
Die Gerber erlebte sie als ein "Haus der Praktiker, nicht der Theoretiker. Ich hatte das Gefühl, jede Meinung haben und vertreten zu können, sofern ich bereit war, meine Ansichten auch zur Diskussion zu stellen. Nie wurden uns die Meinungen der Anderen zur Vorschrift." Bewusstsein für das Leben in und um sich kann eben nur in einer freien Umgebung entstehen. Und aus der Vision muss Handlung wachsen, sonst ist sie eben bloß Theorie und bleibt abstrakt. "Theorie ist für mich eine unvollständige Niederschrift, die oft vergisst, dass man sie in der Realität niemals zu hundert Prozent anwenden kann, wenn man dabei noch Mensch bleiben möchte. Ich kann sie mir ansehen, werde mich aber immer auf mein Gefühl verlassen."
Ihr Gefühl hat sie bisher nicht getrogen; Almi gehört zu den Menschen, die die Fähigkeit besitzen, interessante Leute zusammenzubringen. Die Verbindung von Kunst, Gemeinschaft und freiem Denken ist die Essenz ihrer Ideen. Der "kreative Raum" soll in Zukunft noch weiter ausgebaut werden: "Wenn die Werkstatt als Selbstläufer funktioniert, werden ergänzende Projekte folgen. Ich plane beispielsweise einen Näh-Workshop, und mein Wunsch ist, dass sich auch andere Leute mit ihren Fähigkeiten einbringen. Es wäre schön, wenn all die Projekte, die es in Weimar gibt, stärker zusammenarbeiten würden, um gemeinsam Alternativen zu bieten." Das Nebeneinander begabter Individuen macht Weimar für Almi zu einer besonderen Stadt. Nach Beendigung ihres Abiturs am Freiberg-Kolleg in Dresden lebt sie nun wieder im besetzten Haus, arbeitet im C.Keller, im Kassablanca in Jena und ist bereit für neue Aufgaben: "Ich glaube, dass der Pool an besonderen, begabten und interessanten Leuten schier unerschöpflich ist, und das hält mich hier."

