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Auf dem Weihnachtsmarkt Auf dem Weihnachtsmarkt Auf dem Weihnachtsmarkt Auf dem Weihnachtsmarkt

Hallenser Gastlichkeit

Monat für Monat essen und trinken wir uns durch die Lokale der Stadt, machen uns Notizen, ein paar Fotos und geben Euch anschließend gastronomische Ausgehtipps.


Auf dem Weihnachtsmarkt


Mit Beginn Dezember brechen alle Dämme, die das Maßhalten und die Vernunft stützen. Alle Jahre wieder. Übertrieben wird die Kohle für völlig sinnlose Geschenke rausgeschleudert, und mit dem höchstselbst hervorgerufenen Weihnachtsstress rechtfertigt man den Verzicht auf die nötige Portion Sport. Darüber hinaus haut man sich auch noch den Wanst auf Weihnachtsfeiern und Weihnachtsmärkten voll, um kurze Zeit später illusorische Vorsätze auf jene wehenden Fahnen zu schreiben, die im Vormonat nicht mal Halbmast erreicht hatten. Selbstverständlich gestatten wir den Einwand, dass der exzessive Genuss von Würzwein und fetttriefenden Leberbrötchen zum Fest der Feste dazugehört, und ebenfalls den, der besagt, dass es auch keine Lösung sei, dem Gesundheits- und Fitnesswahn zu verfallen. Aus diesen Gründen nun sind wir angetreten, um den goldenen Mittelweg zu finden.
Unterstützung kam im Flickflack, denn mit uns begab sich Halles populärer Kunstturner Matthias Fahrig samt seiner Sportkollegen Max Krieg und Lars Dammüller auf gefährliches Terrain. Unser Ziel war der Treffpunkt des lokalen Fettluken-ensembles, der Hort der Adipositas, die öffentliche Glühweintankstelle - der Weihnachtsmarkt! Wir durchstreiften das Fress- und Saufbudenlabyrinth auf der Suche nach etwas Leckerem, das einen nicht sofort nach dessen Verzehr zwingt, der Taille ein Lebewohl entgegenzurülpsen. Ein mutiges Unterfangen, denn der heilige Gral scheint schneller gefunden als gesunde Kost am Tatort der Fettleibigkeit.
"Ernährung ist wirklich wichtig, aber wenn man hart trainiert, kann man sich auch mal vermeintlich Ungesundes gönnen", macht Modellathlet Matthias Fahrig, der in diesem Jahr eine Silber- und eine Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Mailand gewann, Mut. Mit seiner Weisheit beginnt unsere Mission. Graubraune Leberbrötchen, mit Frittierfett abgeschmeckte Kräppelchen und mit Mandeln gefüllte Zuckerglasur lassen wir links liegen und kommen unweit der Glühweinpyramide zum "Veggi". Chef Marco Späth, ein waschechter Nürnberger, serviert uns Blumenkohl und Champignons im Bierteig zu 3 Euro. "Der Blumenkohl ist die Welt, die Champignons sind ein bisschen fad", befindet unser Spitzensportler. Und zum Stichwort goldener Mittelweg: "Die Panade ist tödlich, aber der Inhalt sehr gesund, von daher ist es auch sehr empfehlenswert." Gleiches gilt für Späths Maiskolben, die mit brauner Butter glasiert werden. "Allgemein", denkt Matthias Fahrig laut nach, "lassen sich die Leute heute zu oft verarschen, denn die Verhältnismäßigkeit der Dinge ist das A und O. Einmal Sport zu treiben, rechtfertigt nicht 15 Orgien auf dem Weihnachtsmarkt." Klingt logisch.
Vorbei am Stand mit "Frischen XXL Pommes" kommen wir auf unserer Tour zur "Puppsburger Augenkiste Nr. 2". Hier gibt es Steinofenbrot aus Sauerteig, vor unseren Augen zubereitet und in einem traditionellen Ofen frisch gebacken. "Wir benutzen nur Mehl mit sehr hoher Güteklasse und kein Auszugsmehl aus der Kaufhalle", erklärt Chefbäcker Jan Schulz die Vorzüge seiner Brote, die in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Olive-Zwiebel oder Mohn-Sesam angeboten werden. Wir probieren jene mit Schinken-Käse-Füllung und Sauerrahm zu 4 Euro das Stück. "Das Brot ist herrlich", sagt Lars Dammüller. "Sehr lecker, wirklich empfehlenswert", lautet Matthias Fahrigs Urteil. Tatsächlich kann man hier die herzliche und warme Atmosphäre des Weihnachtsmarktes genießen, ohne gleichzeitig Hüftgoldmeilen zu sammeln.
Danach war unsere kleine Tour noch nicht vorüber. Einmal quer über den Weihnachtsmarkt, am Fuße des Roten Turms, befindet sich das große Finnenzelt unserer Partnerstadt Oulu. Chef Peka Paaso, natürlich ein echter Finne, erklärt die Zubereitung des Lachses nach Fischermanns Art. Recht simpel wird das große Filet auf ein Brett genagelt und senkrecht ans offene Feuer gestellt. Dadurch bekommt es ein leicht geräuchertes Aroma und wird schonend gegart. "Lachs von der offenen Flamme geküsst", wie unser Vorzeigesportler formuliert. Dazu gibt es Kartoffeln, Erbsen, Möhren und Bohnen. Aber damit nicht genug, Lieblingsfinne Peka Paaso hat noch einen Trumpf in der Hinterhand. Mit verschmitztem Lächeln schleicht er um die Ecke und reicht eine kleine Schale voll unbekannter Leckereien. Was das sei, fragen unsere Sportler und blicken auf kleine Bratfische, die im Ganzen als knuspriges Fingerfood verzehrt werden. Nein, keine Sprotten, das seien Maränen, Süßwasserfische, erklärt Peka Paaso, dessen Deutsch so gebrochen ist wie das Eis zwischen Matthias Fahrig und dessen Fischphobie. "Das ist der absolute Sieger", meint er dennoch im Anschluss, der, der zuvor noch bekennender Fischverächter war und nun den finnischen zum gesündesten und auch leckersten Stand des Weihnachtsmarktes kürt.
Der Beweis ist angetreten:Gesunde Ernährung auf dem Weihnachtsmarkt ist machbar. Selbst wenn gilt, dass in dieser Hinsicht die Auswahl überschaubar ist und die geringe Experimentierfreudigkeit der Hallenser den Würstchenständen und Frittenbuden den größeren Zulauf beschert. "Schade eigentlich", konstatiert Matthias Fahrig, schnappt seine Sportsfreunde und turnt gut gesättigt von dannen.


Wort: Felix Till / Bild: Thomas Leibe