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Puppentheater Puppentheater

Puppentheater

Eine unmögliche Freundschaft


Vor 30 Jahren schrieb Angela Sommer-Bodenberg das Kinderbuch "Der kleine Vampir".
Am Puppentheater ist die Geschichte seit dem 5. Dezember zu sehen. Wir sprachen mit Regisseurin Susanne Claus (Foto).

BLITZ!: Frau Claus, haben Sie Angst vor der Dunkelheit?
Susanne Claus: Nur vor dunklem Wasser.

BLITZ!: Der junge Vampir Rüdiger hat Angst vor der Dunkelheit. Er ist Haupt-held des Kinderbuchs "Der kleine Vampir". Warum ist die Geschichte heute noch immer so beliebt?
S.C.: Ich kenne den kleinen Vampir aus den 80er Jahren. Das war die Zeit der Gruftis. Das Buch und die anschließend produzierte Fernsehserie bedienten diesen Trend vor allem für die Kinder. Gerade gibt es auch wieder so einen Trend.

BLITZ!: Und deswegen kommt die In-szenierung genau richtig?
S.C.: In der Geschichte geht es auch um die Freundschaft zwischen dem einsamen Menschenjungen Anton und dem einsamen Vampirjungen Rüdiger, die eigentlich unmöglich ist, weil sich Vampire ja vom Blut der Menschen ernähren. Ihre Freundschaft überwindet aber diese Hürde, und die Beiden gehen zusammen durch dick und dünn.

BLITZ!: Vampire kennt man aus Horror-Filmen. Wie gruselig ist es auf der Bühne?
S.C.: Bei Kindern ist die Lust, sich zu gruseln, ein ganz schmaler Grat. Solange der Schauer, der über den Rücken läuft, angenehm ist, ist es in Ordnung. Aber nur einen Schritt weiter und das Kind ist verschreckt. Es ist gruselig, aber auch nicht zu gruselig. Immerhin ist das Stück für Kinder ab sechs Jahren.

BLITZ!: Rüdiger, Anton und Co. sind aus Filmen und Comics bekannt. Wie sehen die Figuren in Halle aus?
S.C.: Zusammen mit Christoph Bochdansky, dem Puppen- und Bühnenbauer, haben wir probiert, eine eigene Ästhetik zu entwickeln. Wir mussten aber auch beachten, was die Puppen in welcher Szene können müssen. Anton hat als Mensch natürlich vier Gliedmaßen und braucht meistens zwei Spielerinnen. Die Vampire sind eher luftige Wesen und schweben viel über die Bühne.

BLITZ!: Ist denn neben den beiden Protagonisten auch Rüdigers großer Bruder Lumpi zu sehen?
S.C.: Den gab es bei uns die ersten drei Wochen, dann ist er wegen fehlender Hände rausgeflogen. Dafür sind Rüdigers Schwester, Anna die Zahnlose, und Großmutter, Sabine die Schreckliche, zu sehen. Die Oma wird sogar sehr gefährlich für Anton, weil sie nicht glauben kann, dass ein Mensch und ein Vampir Freunde sind. An dieser Stelle müssen Rüdiger und Anna für ihren Freund einstehen und sagen: Nein, Oma! Tu's nicht! Wir können ihm wirklich vertrauen!


Wort und Bild: Julius Lukas






Bekenntnisse eines Nichtrauchers Bekenntnisse eines Nichtrauchers Bekenntnisse eines Nichtrauchers

Gute Vorsätze

Bekenntnisse eines Nichtrauchers


Am ersten Morgen eines jeden Jahres begrüßt die Welt Millionen von frischgebackenen freiwilligen Nichtrauchern.

Bis Mittag hat jene Welt ein Drittel an das Gegenteil von Beharrlichkeit verloren, ein weiteres innerhalb der ersten Woche, und nach drei Monaten löst sich der gute Vorsatz bei fast allen in Rauch auf. Ich schäme mich rückwirkend meines (schwachen) Beitrags für diese Statistik. Heute aber reiße ich das letzte Blatt meines 100-Tage-Rauchfrei-Kalenders ab.
Es begann an einem Tag, der jeder hätte sein können. Als ich eines Abends bereits meine dritte Schachtel seit dem Frühstück gekauft hatte, zog ich erneut die Konsequenzen und konstatierte, dass der Mensch ein Herdentier ist und nur eine Gruppentherapie den langersehnten Erfolg versprechen kann. Ich googelte das Wort Nichtraucherselbsthilfegruppe - oder war es Raucherselbsthilfegruppe? - und fand eine solche unter dem Namen "Klimmzug". Erfüllt von Eifer wählte ich die Nummer aus dem Impressum und hatte prompt jemanden von der Arbeiterwohlfahrt am Ohr, der mir auf mein Suchtbekenntnis die erschreckende Antwort gab, dass bei ihm mehrfach im Jahr Silvester imitiert werden würde. Ständig meldeten sich Raucher mit dem Wunsch nach Entwöhnung im Ensemble, aber dann käme von etwa sechs Teilnehmern maximal einer zum angesetzten Termin. Das sei zu wenig für eine Gruppentherapie. Dennoch bot man mir ein persönliches Gespräch an, und ich ergriff diesen Strohhalm.
Erwartungsschwanger sah ich diesem Tag entgegen, der Stunde Null. Und da saß ich nun hinter einer Tür mit der Aufschrift "Suchtberatung" in dem Bewusstsein, dass ich, ein Süchtiger, nach diesem finalen Meeting die allerletzte Fluppe meines Lebens rauchen würde - die hatte ich extra zurückgehalten. Das folgende Gespräch war so latent wie eine Anmache in einer Schwulenbar. Ich antwortete anständig auf Fangfragen wie: Warum rauchen Sie? Warum wollen Sie aufhören? Was versprechen Sie sich davon? Phrasen und Lehrbuchdialoge füllten den Raum. Dann fragte man mich doch tatsächlich: Wie wollen sie das erreichen? Daraufhin hörte ich leise meinen Kragen platzen und erwiderte, dass ich, wenn ich wüsste, wie es ginge, hier nicht säße und Antworten lieber von ihm hätte, worauf der Suchtberater aufsprang und schrie: "Einen Teufel werde ich tun!"
Den ersehnten Hokuspokus gab es hier also nicht, tiefenpsychologische Hirnrindenmassage wurde mir verweigert; alles was ich bekam, waren Tipps so originell wie Sprüche aus Glückskeksen.
Ich solle meine Umgebung reizfrei gestalten, alle Zigaretten, Aschenbecher und Feuerzeuge wegwerfen. Ich sollte Dinge meiden, die mit dem Rauchen in Verbindung stehen: Kaffee, Stress, Autofahren, Fußball, Kneipe, Sex. Außerdem sollte ich Rauchen durch übermäßiges Trinken ersetzen, aber kein Alkohol - schade. Die Wohnung sollte ich umgestalten, mich von rauchenden Freunden und der quarzenden Verwandtschaft fern halten. Die Sache nahm erschreckende Ausmaße an. Womöglich könnte ich meine Sucht nur besiegen, wenn ich mich entwurzelte, die Scheidung einreichte, mich adoptieren ließe, dem Vaterland heimlich den Rücken kehrte, in die Fremdenlegion einträte, mich der NASA zu Forschungszwecken auf dem Mond hingäbe oder die Vorzüge eines Kronzeugenschutzprogramms beantragte.
Dann gab es noch mehr Kekstipps: Ich sollte mir kleine Ziele stecken und zunächst bis morgen ohne Kippen durchhalten, dann bis übermorgen, nach einer Woche Abstinenz die folgende bezwingen und so weiter. Das durch Verzicht gesparte Geld nicht horten, viel motivierender sei es, sich stetig zu belohnen. Außerdem sollte ich meine Entwöhnung an die große Glocke hängen, sogar Wetten ab-schließen. Und schließlich sollte ich meine letzte Zigarette genüsslich zelebrieren. Ich bekam einen Rauchfrei-Kalender, einen Antistressball, eine Packung Pfeffis und verabschiedete mich für zwei Wochen, um nach denen zum Rapport an den Ort meiner Wiedergeburt zurückzukehren, sprintete daraufhin zum Kfz., zum Handschuhfach, zur letzten Zigarette, und schon begann die feierliche Zeremonie.
Die Wolkendecke brach auf, und das Licht schien nur auf mich. Ich dachte, diese eine müsste göttlich schmecken - schmeckte sie aber nicht. Ich konzentrierte mich: Schmecke gefälligst! Sie schmeckte nicht - wie jede andere. Eine wichtige Erkenntnis. Es sollte auch ohne Feier die letzte werden, jetzt erst recht. Bis auf eine habe ich mich an alle Glückskeksweisheiten gehalten. Ich habe mich dem rauchendem Umfeld nicht entzogen, sondern das Laster der anderen billigend in Kauf genommen. Ein Satz wurde für mich dabei zum Slogan auf wehenden Fahnen: Früher hätte ich jetzt auch eine geraucht - denke ich laut und immer wieder. Und solltet Ihr doch rückfällig werden, habt Ihr nicht versagt, Ihr müsst nur wieder von vorn beginnen.


Wort: Niko D. / Bild: www.marcus-andreas-mohr.de, T.L.