Kommando Kochen
Freundschaftsspiel im Schad
Was macht ein Fußballer vom HFC eigentlich, wenn sich der hiesige Sportrasen nicht von Tiefkühlspinat unterscheiden lässt?
Er fliegt ins Trainingslager, um unter türkischer Sonne zu trainieren, oder er geht im Auftrag des BLITZ! kochen. Manche machen auch beides. HFC-Mittelfeldspieler René Stark und Schlussmann Darko Horvat waren gerade aus dem mit 15 Grad wohltemperiertem Side zurück in der Heimat angekommen und tauschten das verschwitzte Trikot gegen eine Küchenschürze und das runde Leder gegen eine gusseiserne Pfanne. Da der HFC-Spieler an sich das Gasthaus zum Schad bevorzugt, wenn er außer Haus speist, hatten wir aus der Tugend keine Not gemacht und zusammengeführt, was zusammenpasst.
Chef Hauke Schad empfing uns persönlich an der Tür, doch getrieben vom Hunger trippelte das sportliche Doppel direkt in den heißen Teil der Wirtschaft, wohl wissend, dass beim Kommando Kochen vor den kulinarische Genüssen immer die harte Arbeit steht. Der Weg ist das Ziel. Küchenchef Ronny Dittrich wurde vorübergehend zum Cheftrainer und Schiri in einem ernannt, blies zum Anpfiff und kommandierte sogleich die Rasensportler. René musste Kartoffeln schälen und Darko die Zwiebeln - die gab es passend zum HFC in Rot und Weiß. Ronny Dittrich schraubte bereits nach den ersten Spielminuten seine Erwartungen an den Ausgang dieser Party euphorisch nach oben: "Ich habe schon Leute gesehen, die haben das schlechter gemacht als die Beiden." Die Hoffnungsträger hatten aber auch selbst "vom Feeling her ein gutes Gefühl", um es mit den Worten eines Andreas Möller zu beschreiben, und sie waren "physisch und körperlich topfit", wie es einst schon Thomas Häßler treffend bemerkte.
Bedenken hatten wir erstmals, als Darko ungeniert das laserscharfe Messer über seine Fingerrücken gleiten ließ, um die Zwiebeln zu hacken. Immerhin sind die Hände nicht ganz unwichtig für einen Keeper. Aber der Kroate bewies eindrücklich, dass er nicht nur auf dem Platz für Sicherheit sorgt, sondern auch in der Küche nichts anbrennen lässt. Nachdem René seine Chancen mit den Kartoffeln weit schneller als Darko verwertete, ließ er sich gar zu einem kleinen Wortwitz bezüglich seines Namens hinreißen: "Siehste, Darko, ich habe stark vorgelegt, jetzt muss von dir mal was kommen."
Trotz kleiner Abseitsfallen und einiger verbaler Blutgrätschen gab es vom gesamten Küchenpersonal großes Lob für die Arbeit unserer Fußballer, die freimütig eingestanden, dass zu Hause nur ihre Frauen kochen würden und sie selbst absolute Neulinge im Küchenbetrieb wären. Cheftrainer Ronny, eher von der gemütlicheren Sorte und nicht gerade das Temperament eines Trapattoni in sich tragend, behielt konsequent die Übersicht: "Darko schneidet jetzt die Champignons, und René und ich kümmern uns um die Sauce." Grundsätzlich gab es beim Gericht auch nicht viel falsch zu machen. Die Sauce bestand lediglich aus ausgelassenen Zwiebeln, Rinderfond, Rotwein, Pfeffer und Salz. Das ließen sie köcheln, bis es die passende Konsistenz hatte. Die Kartoffeln kamen mit Schinkenspeck und Zwiebeln in eine Pfanne, Pfeffer und Salz dazu - und fertig waren die Bratkartoffeln. Mit den Champignons das Gleiche, nur ohne Schinkenspeck und Zwiebeln.
Hernach kam das Finale. "Ich bin leidenschaftlicher Fleischesser", konstatierte René lauthals. Als wären seine Worte erhört worden, kam Ronny schon mit einem ordentlichen Stück argentinischem Rind um die Ecke. "Das ist Rumpsteak", erklärte er. René war nicht verlegen, sich gleich des guten Stückes anzunehmen, immerhin bestand geistige Verwandtschaft, denn sowohl ein Rind als auch ein Fußballer sind am liebsten den ganzen Tag auf dem Rasen. Nachdem das große Stück in daumendicke Scheiben geschnitten war, kam es für zwei Minuten pro Seite in die Pfanne. Auch Darko litt jetzt unter akutem Magenknurren. Daher wurde schleunigst abgepfiffen und angerichtet.
Cheftrainer Ronny Dittrich war im anschließenden Pressegespräch hochzufrieden mit dem Ergebnis seiner Schützlinge, und René kam sogar auf die Idee, das Ganze einmal zu Hause nachzukochen. Er kann sich ja den Darko einladen, damit jemand die Zwiebeln schneidet. Wir verneigen uns mit einem Zitat von Andreas Brehme: "Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!"

