Mario Thiel
Die Demokratie an Hindukusch und Elbe
Hamid Karsai bittet die NATO um Vorsicht bei ihrer militärischen Großoffensive gegen radikal-islamische Taliban, lautete eine Schlagzeile in der Presse.
Wer ist Hamid Karsai? Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung für den Regierungsbezirk Afghanistan? Nein, der besorgte afghanische Präsident. Immer wieder komme es zur versehentlichen Tötung von afghanischen Zivilisten, die auf den ersten Blick afghanischen Taliban ähnelten und darum oft mit diesen verwechselt werden. Ein Phänomen, mit dem man in Afghanistan schon lange zu tun hat. Darum muss man fragen, was tun die afghanischen Zivilisten dagegen? Warum tragen sie nicht bewusst westliche Kleidung, um sich äußerlich von den Taliban zu unterscheiden? Etwas Bill Kaunitz, ein klein wenig Elton John, wer will, darf wie KISS rumlaufen - das kann doch nicht das Problem sein. Die Frauen könnten etwas mehr Bein zeigen und auch unterm Hals ist nicht alles schlecht. Also warum verstecken? Michelle Hunziker wäre ein schönes Vorbild! Andererseits geht so viel Blond nicht nochmal auf der Welt. Aber dann könnten die Piloten aus der Luft sofort sehen, wer gut ist und wer Taliban.
Vor kurzem wurde versehentlich ein ziviler Fahrzeug-Konvoi aus der Luft bombardiert. So etwas passiert doch nur, weil die Afghanen bei einem Fahrzeug-Konvoi immer im Fahrzeug sitzen und dabei ständig vorwärts fahren. Mit Cabrio wäre das nicht passiert. Und das Tragen von Arbeitsschutzschuhen und -helmen außerhalb von Gebäuden scheint sich in dem Land partout nicht durchsetzen zu können. Zwar ist deren positiver Effekt beim Treten auf eine Mine nicht wirklich nachgewiesen, aber schaden kann es auch nicht. Ich will hier nicht ausschließlich auf den Afghanen rumhacken. Auch die NATO-Militärs müssen anfangen umzudenken, worin ich mit Hamid Karsai voll übereinstimme! So könnte die NATO im Vorfeld einer Operation die Bevölkerung warnen, dass z.B. in der Zeit von 8 bis 12 Uhr Luftangriffe geflogen werden, aufgrund der möglichen Lärmbelästigung bitte die Fenster geschlossen zu halten sind und nur bei dringenden Erledigungen (z.B. Wochenendeinkauf) das Haus zu verlassen ist. Etwas in der Art wäre doch okay.
Warum nicht den Begriff des "friendly fire" wieder ausgraben. Erstens klingt das besser als Bombardement. Und zweitens traf man dabei oft die eigenen Leute, was den Afghanen sicher gut gefallen würde. Wer würde nicht gern von einer "smiley bomb" getroffen werden? Quasi totgelacht … Auch gibt es immer wieder Verkehrsunfälle mit rasenden Panzern, die wegen mangelnder Zebrastreifen und Geschwindigkeitsbegrenzungen glauben, Vollgas fahren zu können. Das muss nicht sein! Ich denke, mit 30 Stundenkilometern im Ort und 50 außerhalb der Ortschaften kann man auch Kriege gewinnen.
Das ist natürlich nicht ganz korrekt, denn in Afghanistan findet kein Krieg, sondern ein bewaffneter Konflikt statt. Bei einem Krieg müssten sich nämlich mindestens zwei Gegner bekämpfen und zwar mit Waffen. Bei einem bewaffneten Konflikt ist es genau anders herum! Zudem ist nicht immer ganz klar, ob man noch in der Ortschaft ist oder schon außerhalb. Das ändert sich manchmal schlagartig nach einem Angriff. In letzter Zeit kommt es nun immer mehr zu Unmutsbekundungen der Afghanen, weil sie keine Lust auf die Militärpräsenz der NATO haben. Da muss ich mal sagen: Lieber Afghane, das ist etwas kurz gedacht. Wir sind doch nicht zum Spaß bei euch, sondern schützen unsere Demokratie vor den Taliban. Dafür durftet ihr erstmals freiwillig Hamid Karsai wählen, der sich nun für euch bei der NATO einsetzt. Etwas mehr Dankbarkeit wäre schön. Wenn ihr wollt, schicken wir euch Günther H. Oettinger, der euch das mal auf Englisch erklärt. Oder in einer von euren Sprachen. Klingt bei ihm ähnlich.
In diesem Zusammenhang ist mir der Unterschied zwischen dem Schutz der Demokratie im eigenen Land und außerhalb klar geworden. Also, wenn wir außerhalb der Bundesrepublik die Demokratie schützen, dann darf es ein klein wenig zur Sache gehen. Da darf auch ein Haus zusammenfallen oder ein unschuldiger Mensch sterben. Wenn die Demokratie innerhalb der Bundesrepublik zu schützen ist, dann gehören Ordnung, Sauberkeit und die Einhaltung des Lärmpegels zu den demokratischen Waffen. Jedenfalls in Dresden. Interessanterweise sind die im Inland am demokratischsten, die bei Einsätzen im Ausland eher großzügig wegsehen. Ich würde mich jetzt gern auf Margot Käßmann berufen, die so viel Kluges und Richtiges gesagt hat, aber ich befürchte, das Kluge und Richtige ist jetzt falsch und dumm, weil es von ihr kam, der Frau, die ja eine Verfehlung beging. Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Steine werfen? Wer schreibt denn sowas? Sicher die Linken! Apropos CDU: Hat Stanislaw Tillich schon einen neuen Brustsponsor?
Wütend auf die Heuchler,
ciao, Euer Mario

