Mario Thiel
Auf dem Weg der unlogischen Wendungen
Und wieder ist ein Jahr vorbei und hat ein neues Jahr begonnen. Geahnt hatte ich es, als beide öffentlich-rechtliche Fernsehsender ein Silvesterkonzert übertrugen - natürlich fast zeitgleich.
Ganz sicher war ich mir, als die ARD den Silvesterstadl brachte. Beim ZDF kam André Rieu, was man leider nicht auf Silvester beschränken kann. Genau wie Hansi Hinterseer und die anderen Tieflader. Früher hätte man den Jahreswechsel daran bemerkt, dass ein Feuerwerk stattfindet. Damit kann man heute aber ganz schön daneben liegen. Ein Höhenfeuerwerk gehört fast schon zum guten Kindergeburtstag dazu, und wer sich das nicht leisten kann oder will, sollte das wenigstens auf den Einladungen vermerken. Natürlich kann es passieren, dass darum einige Gäste nicht kommen, weil es ohne Feuerwerk gar keine richtige Party ist. Davon abgesehen, dass man ohne Feuerwerk stillschweigend zugibt, nicht das nötige Geld dafür zu haben, was in Zeiten des Aufschwunges bedeutet, beim Aufschwung scheinbar nicht dabei zu sein. Loser!
Diesen Verdacht kann man dann nur noch umgehen, indem man Justin Bieber oder ein anderes Nagetier für einen Song plus Autogrammstunde zum Kindergeburtstag einfliegen lässt. Zwar sieht ein Promi-Hubschrauber mitten in Prohlis komisch aus, aber da sehen noch ganz andere Sachen komisch aus, weshalb das vielleicht doch nicht so sehr auffällt. Alternativ ginge auch Paris Hilton, weil die überall auftaucht, wo bezahlt wird, aber da scheitert es zum Glück an dem einen Song. Mit ihr könnte man eher Champagner-Wettschlürfen oder Schnupfen ohne Taschentuch spielen. Bliebe der Umstand, dass die Autogrammstunde bestimmt auch nicht geht … Naja, vielleicht hebt sie dafür mal ganz kurz den Rock für die Fotografen der Super-Elli oder wie das Ding heißt.
Übrigens kann man das Schnupfen-Spiel in Sachsen bald unbehelligt von Polizei und Justiz spielen, denn die paar Polizisten, die am Ende der Sparmaßnahmen noch im Dienst sein werden, haben definitiv andere Aufgaben, als Schnupfen-Spieler zu jagen. Man geht in Sachsen nämlich den öffentlichen Weg der unlogischen Wendungen, um damit mal etwas Neues zu probieren. Vor allem, um in Topf A Geld zu sparen, welches man als Folge dessen in Topf B dringend brauchen wird. Generell ist der Topf A in Deutschland der Topf Personalkosten. Diesen Topf versucht man wenigstens konstant zu halten, also niemanden einzustellen. Da durch die Tariferhöhungen auch mit gleichbleibendem Personal der Bedarf größer wird, gilt es darum Personal abzubauen.
Nehmen wir ein Beispiel aus dem Fußball. Ein Profiverein hat 20 Spieler, die im wesentlichen die Personalkosten verursachen. Wenn man also Personalkosten senken will, muss man Spieler entlassen, wobei die Regel gilt: Elf Freunde müsst ihr sein. Anders formuliert: Nur strunzdumme Vereine entlassen in diesem Fall mehr als neun Spieler, um dann gar nicht mehr spielen zu können. Naja, im Profifußball hat man das einigermaßen kapiert, mit Ausnahme von Hoffenheim. Die haben zwar noch elf Spieler, aber ein wenig sollte man dabei darauf achten, dass die auch in der Lage sind, im Profifußball zu bestehen. Wenn nicht, heißt das dann Abstieg und der wird noch teurer als eine rechtzeitige Investition in fähige Spieler.
Dummerweise können öffentliche Arbeitgeber nicht absteigen. Wo wir schon wieder bei der Polizei sind. Da hat man das Elf-Spieler-Prinzip verletzt und als Ausgleich die Zahl der Punktspiele angehoben, damit alle Außenstehenden etwas vom Spiel haben. Das Positive an der Situation ist der Umstand, dass jeder Polizist das Gefühl haben kann, gebraucht zu werden. Ebenso die Mitarbeiter bei der Bahn. Auch dort macht man alle Pläne unter Betrachtung von Topf A. Allerdings in Abhängigkeit von Topf X, dem Gewinn für die Management-Etage. Besonders schlau daran ist, dass man den Winterbedarf im Sommer ermittelt, was im Winter zu Überraschungen führt. Denn im Sommer funktionierten alle Weichenheizungen perfekt, sogar ohne einzuschalten. Auch bei der Enteisung der ICE im Sommer gab es keinerlei Probleme. Warum das im Winter punktuell nicht klappte? Vielleicht lag es an den Temperaturen. Auch beim kommunalen Winterdienst habe ich das Gefühl, wird der Bedarf an Personal, Schneepflügen und Streusalz im Hochsommer ermittelt, wobei man jährlich Überkapazitäten feststellt. Lediglich im Winter kam es wieder zu Problemen. Aber eigentlich auch nur auf den Straßen.
So gesehen ist ja sogar Guido Westerwelle beliebt und sitzt sicher im Sattel als FDP-Chef. Eigentlich hätte er sich als einer der letzten Rekruten mit zum Bund ziehen lassen können. Dort gibt es haufenweise Kerle, keiner quatscht ohne gefragt zu werden, den Chef stellt gar keiner in Frage und selbst der größte Unsinn wird laut Befehl ausgeführt. Nachdenken verboten! Herrlich! Zustände wie in der CDU oder wie die SPD jetzt heißt.
Am Schluss noch ein paar Verbrauchertipps für das neue Jahr. Bitte esst kein Schweinefleisch. Nicht weil der Islam jetzt zu uns gehört, sondern wegen der drohenden Schweinegrippe. Wechselt zu Geflügelfleisch, das ist gesünder. Ach nee, da gibt es gerade ein kleines Dioxin-Problem. Dann esst Obst! Schaut aber vorher nach Pestiziden. Für Stromverbraucher bietet sich ein Anbieterwechsel bei Preiserhöhung an. Ebenso für Krankenkassenpatienten. Auch für Tankstellenbenutzer, Raucher, Trinker, Wasserverbraucher, Autokäufer, Wähler … Kurz meine Empfehlung für 2011: Wechselt! Aber fragt mich nicht wohin.
Frohes Dingsda wünscht Euch,
ciao, Euer Mario

