Reinhard Straube
Schauspielen ist wie Rauschgift
Eigentlich sollte Reinhard Straube nach dieser Spielzeit in den Ruhestand gehen. Doch die hallischen Bühnen sind ohne das Theaterurgestein nicht denkbar.
BLITZ!: Herr Straube, mit "Pension Schöller" sollten Sie am 12. Februar ihre letzte Premiere feiern. Als Philipp Klapproth spielen Sie die Hauptrolle in dem Lustspiel. Warum wird es nicht ihre letzte Rolle sein?
Reinhard Straube: Weil ich auf die Schauspielschule gegangen bin, um Schauspieler zu sein. Ein Leben als Rentner wäre der reinste Horror für mich. Außerdem will man mich auch nicht gehen lassen. An der Oper sind zwei Operetten mit mir geplant und Matthias Brenner...
BLITZ!: ... der neue Intendant des Neuen Theaters...
R.S.: ... hat auch gesagt, dass er mich braucht. Dann gab es ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Kultur GmbH, Rolf Stiska, und der wollte mich schon allein wegen der Besucherzahlen nicht in den Ruhestand schicken.
BLITZ!: Die Bühnen Halle kommen ohne Sie also nicht aus?
R.S.: Sagen wir es mal so: Den "Hauptmann von Köpenick" mit mir in der Hauptrolle haben wir 31 Mal gespielt. Mein Soloprogramm "Der fröhliche Hypochonder" war am 7. Januar zum 50. Mal zu sehen. Die beiden Stücke gehören zu den erfolgreichsten Inszenierungen der letzten sechs Jahre.
BLITZ!: Die letzten sechs Jahre sind auch die Zeit der NT-Intendanz von Christoph Werner. Diese war von einem massiven Zuschauerschwund geprägt. Wären 31 beziehungsweise 50 Aufführungen auch in der Ära Sodann ein Erfolg gewesen?
R.S.: Nein, eher ein Reinfall. Deswegen war der Umbruch mit Christoph Werner auch sehr hart für das Ensemble. Vorher standen wir mit "Amadeus" zehn Jahre auf der Bühne, und "Hamlet" haben wir über 100 Mal gespielt. "Der Raub der Sabinerinnen" wurde nach acht Vorstellungen abgesetzt. Wenn man das Stück richtig inszeniert, kann man es acht Jahre spielen.
BLITZ!: Der Misserfolg hat also auch mit den falschen Regisseuren zu tun?
R.S.: Ja, ich denke schon. Die Regisseure haben zu oft nur auf ihr eigenes Konzept geschaut und sind darüber hinweggegangen, dass das NT ein Stadttheater ist.
BLITZ!: Was braucht denn ein Stadttheater?
R.S.: Nicht andauernd nackige Schauspieler. Man muss eine gute Mischung von Stücken habe und vor allem seine Zugpferde einsetzen. Damit meine ich nicht nur die Schauspieler, sondern auch Inszenierungen. Mit der "Wende-Revue" hat man immer 400 Personen ins Theater bekommen, und die haben sich dann auch andere Sachen angeschaut.
BLITZ!: Aber wenn man das wusste, warum hat man es dann nicht weitergemacht?
R.S.: Weil Christoph Werner nicht auf uns hörte. Das ist etwas, was mich wirklich gestört hat. Er hatte immer eine gewisse Ignoranz gegenüber den Schauspielern.
BLITZ!: Die Intendanz von Christoph Werner war also eine schwere Zeit für Sie?
R.S.: So würde ich es auch nicht sagen. Im ersten Jahr gab es viel Streit. Da flogen schon die Fetzen. Mit mir ist aber ansonsten ziemlich korrekt verfahren worden.
BLITZ!: Zur nächsten Spielzeit kommt nun Matthias Brenner als neuer Intendant. Sind die Erwartungen groß?
R.S.: Im Ensemble auf jeden Fall. Ich bin da gelassener, hab schon sieben solcher Wechsel erlebt...
BLITZ!: Es wird also nicht alles besser?
R.S.: Wenn ein neuer Intendant kommt, hat er erst einmal viele Pläne. Auch mit Christoph Werner haben wir nächtelang geredet, und er hat von seinen Regisseuren geschwärmt. Zwei habe ich sofort abgelehnt. Einer davon hatte das Stück nicht richtig gelesen. Da bin ich nach Hause gegangen.
BLITZ!: Apropos: Nach Hause. Können Sie sich überhaupt vorstellen, irgendwann mal in Rente zu gehen?
R.S.: Im Moment nicht. Es kommt natürlich auch auf meine Gesundheit an. Hätte ich nicht mehr die Kraft, eine Vorstellung durchzustehen, würde ich gehen - aber auch nicht nach Hause aufs Sofa. Da bekommt man nur Wehwehchen, die man beim Theaterspielen nicht spürt. Das ist wie Rauschgift.

