Capoeira in Chemnitz
Freude an der Bewegung
Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst, deren Ursprung auf einen afrikanischen Tanz zurückgeführt wird.
Dieser Kampftanz war einst zur Übung der Selbstverteidigung gedacht und hat sich bis heute in ein gemeinsames Spielen und Austricksen gewandelt. Dabei werden akrobatische mit tänzerischen Elementen verschmolzen. Capoeira wurde von afrikanischen Sklaven nach Brasilien gebracht und dort weiterentwickelt. Den Sklaven war es während der Kolonialzeit verboten, kämpferischen Sport zu treiben. Um dies dennoch tun zu können und auch die eigene Kultur am Leben zu halten, verbargen sie ihre Übungen vor ungewollten Augen hinter wild anmutenden Tänzen. Außerdem gaben sie sich Spitznamen, um ihre Identität zu verbergen. Einen Spitznamen bekommt heute noch jeder, der Capoeira trainiert. Im Laufe der Zeit fanden Einflüsse anderer Kampfkünste wie Ringen, Jiu Jitsu und Wushu Eingang in die afrikanische Tradition und führten zu den heutigen Spielarten von Capoeira, die in der Regel von einem Mestre, einem Meister, geführt werden.
Seit Januar letzten Jahres gibt es in Chemnitz einen Verein, in dem Ihr den Kampftanz erlernen und praktizieren könnt, den SV Companhia de Capoeira Contemporanea Chemnitz e.V.. André Clausner (30) und Stephan Heinich (30) sind neben Cesar Mogo und Justus Schaaf zwei von Vieren, die die Truppe und das Training leiten. André, mit Spitznamen Moinho (Windmühle), ist gleichzeitig Präsident des Vereins sowie Diplomingenieur für Maschinenbau, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU und Promovierender im Fach Physik. Zudem spielt André in der TU-Big-Band Posaune. Angefangen mit Capoeira hat er vor acht Jahren an der Uni: "Ich habe schon immer gern und viel Sport, wie Rennen oder Basketball, gemacht und hatte mich eigentlich nach etwas Tänzerischem umgesehen. Da hörte ich, dass es an der TU einen Sportstudenten gibt, der Capoeira unterrichtet. Ich fing sofort Feuer und blieb dabei. Drei Jahre später verließ er uns und wir dümpelten eine Weile unzufrieden vor uns hin. Schließlich entschlossen wir uns, die Geschichte selbst in die Hand zu nehmen. Wir planten einen Workshop, zu dem wir verschiedene Meister einluden, um einen davon als unseren Leiter zu gewinnen."
Dieser Workshop fand 2007 statt, und tatsächlich wurde Mestre Alexandre Batata als Gruppenleiter und Lehrer gewonnen; Cesar hatte ihn aus Portugal mitgebracht. In der Folge gründete man den Verein, um der hohen Fluktuation etwas entgegenzusetzen und Capoeira auch außerhalb der TU populär zu machen. Bis heute wird der Mestre zwei, drei Mal im Jahr aus Portugal zu Workshops eingeladen, da er u.a. die Regeln und Graduierungen des Capoeira festlegt. André erklärt: "Wettkämpfe gibt es bei uns gar nicht, wir messen uns auf freundschaftlicher Basis. Tänzerisch wird vieles nur angedeutet. Es gibt aber die verschiedensten Schattierungen von Capoeira, auch härtere Spielarten. Im Übrigen habe ich eine offizielle Sporttrainer-C-Lizenz. Die Leute sind also bei uns in guten Händen."
Kollege Stephan - mit Spitznamen Tatu (Gürteltier) - ist ebenfalls an der Uni beschäftigt, als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Medieninformatik. Er ist der Monitor des Vereins, das heißt der Höchstgraduierte. "Ich habe in der Schule acht Jahre Ringen gemacht", erzählt Stephan, "und wegen der mir immer noch anhaftenden typischen Ringerhaltung gab mir der Mestre diesen Namen. 2004 hat mich ein Kumpel zum Capoeira mitgenommen. Ich hatte es vorher mal im Fernsehen gesehen und war ziemlich schnell begeistert davon, bin sofort dabei geblieben. Nachdem unser Trainer weggezogen war, habe ich zusammen mit Cesar Mogo zunächst das Training im Uni-Kurs übernommen."
Heute sind sie vier, die das Training für die Kindergruppen ab sechs Jahren und die Erwachsenengruppen ab 16 leiten. Nach Wünschen für die Zukunft befragt, antwortet Stephan: "Ich würde gern noch Professor werden. Das sind zwei Ränge unter dem Meister. Letzteres kann ich aufgrund meines Alters leider nicht mehr schaffen." Und André meint: "Es gibt in Deutschland noch ein paar andere Vereine, mit denen wir eng verbunden sind. Für uns zählt die Freude an der Bewegung sowie das gegenseitige Fordern und die Hoffnung, Capoeira weiter am Leben zu erhalten."
Das werden sie schon! Kinder trainieren mittwochs in der Rudolfschule und Erwachsene dienstags in der Grundschule Glösa, donnerstags im Agricola-Gymnasium sowie samstags in der Sporthalle des TuS Altendorf. Zuguterletzt: Capoeira- Shows können für Veranstaltungen gebucht werden.

