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Mario Thiel Mario Thiel

Mario Thiel

Von den Medien zugeballert


Es ist nicht so, dass ich immer Lust habe, eine Kolumne zu schreiben. Manchmal finde ich kein Thema spannend oder komisch genug, um es zu verarbeiten.

Manchmal gibt es genug Themen und ich habe einfach nur so keine Lust. Genauso geht es mir gerade. Es gibt genug absurde Dinge, aber ich habe keinen Bock, sie zu vertun. Ich bin medial übersättigt. Im Prinzip ist das der einfachste Weg, Gesellschaftskritik zu verhindern: Jemanden so lange mit etwas zuballern, bis er keine Lust mehr verspürt, auch noch darüber zu lästern, es zu kritisieren oder darüber nachzudenken.
Nehmen wir Thilo Sarrazin: Der erzielte in Dresden einen Zuhörerrekord von etwa 2.500 Menschen. Das könnte uns Dresdnern schmeicheln, nur ist das an sich ein Widerspruch. Denn der Thilo reist ja mit seinen Thesen von Überfremdung, zu viel Islam und zu wenig Deutsch durch das Land und ausgerechnet in einer Stadt, die einen Ausländeranteil von vier Prozent hat, was im Vergleich zu Frankfurt am Main, Berlin oder Köln einer gefühlten Null gleichkommt, erzielt er diesen Rekord. Wenn ich bei diesen vier Prozent die fleißigen Asiaten, intelligenten Inder und harmlosen Westeuropäer abziehe, kommt eine islamische Bedrohungslage von fast nicht spürbar zustande.
Könnte es sein, dass der Dresdner bereit ist, die Ausländerprobleme anderer Städte mitzufühlen? Ist aber auch wurscht, denn Thilos Thesen führten in diesem Land auch zu keinem ernsthaften Nachdenken. Schlimmer noch, man kam nach mehreren Gedankenverrenkungen zu dem Schluss, dass der Deutsche allgemein nicht genug Bildung hat, weshalb man noch mehr Ausländer holen sollte. Mit einer Einschränkung: Nur gebildete und fertig studierte Ausländer. In Dresden würde ja sogar einer reichen, der die Rasenheizung im Stadion fehlerfrei bedienen kann. Im Fachjargon heißt das Aufgabengebiet: Heizung aufdrehen! Nach Thilos Theorie vererben die aber ihre Schlauheit und wir haben dann ein neues Problem. Der schlaue Ausländer schafft uns dummen Deutschen ab, weil er intelligent ist, trotzdem kaninchenartig Kinder macht und sich hier wohl fühlt. HILFE! Übrigens hat Thilo ein neues Schlachtfeld aufgemacht: Die Bildung. Seine Theorie ist faszinierend, gab es aber schon und hieß Drill. Heute nennt man das das Chinesische Bildungsmodell. Der nächste logische Schritt kann nicht auf sich warten lassen. Thilo, manche Jugendliche tragen viel zu lange Haare, manche viel zu kurze. Auch bunte sah ich schon. Thilo, mach was!
Jemand, der schon macht ist unser Karl Theodor von zu auf und unter Guttenberg, die arme Sau. Er ist ja Verteidigungsminister und soll nun alles, was in seinem Ministeriumsbereich passiert, verantworten. Ich finde das frech in einem Land, in dem es absolut unüblich ist, Verantwortung zu übernehmen. In diesem Land gibt es Aufsichtsräte, die gar nicht ahnen, warum das "Aufsichts"räte heißen könnte. Die sind sich nicht mal zu blöde, nachdem irgendetwas unter ihrer "Aufsicht" voll in die Hose ging, zuzugeben, dass sie eigentlich gar keine Ahnung von dem hatten, was sie beaufsichtigen sollten. Da spielt es auch keine Rolle, ob nun ein, zehn oder fast vierzig Dummköpfe den Aufsichtsrat bilden. Wieso hat uns Thilo nicht gewarnt?
Beim MDR hat ein KiKa-Chef grußlos mehrere Millionen rumgeschoben und keine Sau hat das bemerkt. Wenn das schon schlimm ist, kommt noch hinzu, dass sich keiner hinstellt und sagt: "In meiner Position hätte mir das auffallen müssen. Ich ziehe die Konsequenzen." Im sächsischen Landtag hat man Georg Milbradt sogar zum Thema Finanzen als Sachverständigen eingeladen, anstatt ihn im Gefängnis ein paar Sachen zur Landesbank zu fragen. Apropos fragen: Keine Fragen kommen von den Linken zur Bundeswehr. Ekelrituale, Tote durch Doofheit, Erniedrigung von Menschen und Öffnen von Post? Klingt für die nach "Weg zum Kommunismus". Der ist übrigens genauso diffus wie die Frauenquote in Führungsetagen. Brauchen wir nämlich nicht, solange es noch frauenspezifische Berufe gibt, wie die Krankenschwesterin. Jedenfalls wollte das eine DSDS-Kandidatin werden, bevor sie Star werden wollte. Sollte die ein Star werden, dann ab in den Dschungel mit ihr. Ohne Kameras!
Hilflos grüßend,
Ciao, Euer Mario


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade