Daniel Mischner
Für Mitteldeutschland in die zweite Bundesliga
Die Saale Bulls spielen eine überragende Saison. Der Pokal schmückt bereits die Geschäftstelle am Gimritzer Damm, in der 3. Liga Ost fehlt es an Konkurrenz.
Im März beginnt die neue Runde mit Teams aus dem Norden und Westen. Es geht um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der ESC nennt sich künftig MEC und will so die Region für sich gewinnen. Wir sprachen mit Daniel Mischner, dem Vereinspräsidenten der hallischen Eishockey-Bullen.
BLITZ!: Wenn Sie sich die Tabelle der Oberliga Ost anschauen, was empfinden Sie dabei?
Daniel Mischner: Da bin ich sehr zufrieden, ganz klar. Wir erleben in diesem Jahr die beste Saison seit der Vereinsgründung - und das in sportlicher und wirtschaftlicher Sicht.
BLITZ!: Sie haben bis zum heutigen Tag (8. Februar - d.Red.) nur ein einziges Mal verloren, ausgerechnet gegen Leipzig. Tut das nicht doppelt weh?
D.M.: Das war schon extrem bitter. Jede Serie geht zu Ende, das ist klar. Nur, dass wir ausgerechnet beim Derbyrivalen die erste Niederlage einstecken mussten, war sehr bitter. Die Leipziger sind an diesem Tag über sich hinausgewachsen, und wir haben leider nicht unser tatsächliches Niveau erreicht.
BLITZ!: Es war die einzige Niederlage in einer äußerst erfolgreichen Saison. Gibt es Spieler, die bislang besonders überzeugt haben?
D.M.: Wir sind von der gesamten Mannschaft überzeugt. Wenn ich überlege, wer besonders - dann ist da natürlich Norbert Pascha, unser Torhüter. In der Abwehr macht Thomas Burian einen sehr guten Job, auch Felix Turnwald hat unsere Erwartungen voll erfüllt. Man kann davon ausgehen, dass die Mannschaft zum Großteil auch im nächsten Jahr bestehen bleiben soll.
BLITZ!: Sie haben sich vor kurzem umbenannt. Aus ESC wurde MEC. Was erhoffen Sie sich davon?
D.M.: Wir sind der einzige Eishockey-Verein in Sachsen-Anhalt. Warum sollte man diese Tatsache nicht nutzen, um damit zu werben. MEC heißt Mitteldeutscher Eishockey-Club. Der Beisatz Saale Bulls, gewissermaßen unser Markenname, bleibt natürlich erhalten. Inzwischen kommen immer mehr Fans aus dem Umland, vielleicht 20 Prozent. Mit dieser Namensänderung wollen wir sie direkt ansprechen, ebenso wie potenzielle Sponsoren. Wir haben von vornherein die Fans einbezogen, auch die Vereinsmitglieder. Sie stehen hinter der Entscheidung.
BLITZ!: Was entgegnen Sie, wenn behauptet wird, die Oberliga habe sportlich schon bessere Zeiten erlebt? Eine starke hallische Mannschaft gegenüber schwacher Konkurrenz?
D.M.: So etwas kommentiere ich erst gar nicht. Es wäre nicht respektvoll gegenüber den anderen Mannschaften, so etwas zu behaupten, auch nicht gegenüber unseren eigenen Spielern. Wir haben in diesem Jahr eine sehr homogene Truppe beisammen. Das Team hat zum Großteil schon in der vergangenen Saison zusammengespielt. Wir haben uns verstärkt und zum Glück keine Probleme mit Individualisten und Einzelspielern.
BLITZ!: Ab März treffen sie in der Verzahnungsrunde mit der Nord- und Westdeutschen Oberliga auf stärkere Mannschaften. Die Saale Bulls dürften nach den bisherigen Erfolgen mit breiter Brust auftreten.
D.M.: Das ist richtig. Wir wollen sehen, wie weit wir kommen können. Langfristig möchten wir einmal in die 2. Bundesliga aufsteigen. Wenn es in diesem Jahr schon soweit sein sollte, hätte ich natürlich kein Problem damit. Realistischerweise betrachtet ist das aber noch ein ganz weiter Weg. Aus dem Westen kennen wir nur Bad Nauheim. Da ist es sehr schwer, Prognosen zu stellen. In den Play-Offs kämen Mannschaften aus Bayern - und die sind bekanntlich das Maß aller Dinge in der Oberliga.
BLITZ!: Für die zweite Liga benötigen Sie doch mindestens die doppelte Größe des jetzigen Budgets?
D.M.: Mit allen Kompensationsgeschäften kommen wir auf etwa 750.000 Euro - unser derzeitiges Budget. Wir haben Signale von Sponsoren, die bereit wären, uns auch entsprechend finanziell zu unterstützen. Es gibt zwar Mannschaften in der 2. Liga, denen reicht eine Million. Die kompensieren hohe Spielergehälter mit guter Nachwuchsarbeit. Wir in Halle sind da noch nicht soweit. Als einziger Eishockey-Club in Sachsen-Anhalt haben wir ein Landesnachwuchszentrum gegründet. Wir arbeiten also auch daran.

