Christiane "Bobolina" Hebold
Die Elfe des Independent
"Ich bin immer für Dich da, aber wenn ich singe, musst Du warten, bis das Lied zu Ende ist", sagte Christiane Hebold einst zu ihrer Tochter.
Wenn eine Hiesige soviel Renommee hat wie vielleicht noch Phillip Boa, wenn sie alle Engel war in Rammsteins Smasher selben Namens, wenn Alben von ihr Meilensteine sind, so wie "Transparent" derzeit (mit einer derart innovativen Produktion, dass sich die Titanen des Geschäfts im Müll ihrer Arbeit vergraben müss-ten), dann sollten Interessierte und Wissensgierige, Popperlentaucher und Subkulturschwänzler unserer Breitengrade darauf mit Freude schauen. Christiane "Bobolina" Hebold, geboren in Hohenthurm bei Halle, legt die Latte ganz schön hoch, macht Volkslied zu Fantasie und eigene Lieder zu Rauschhaftem. 2010 gab es dazu auch noch die Wiedervereinigung ihrer White Wooden Houses, nach 15jährigem Abstinentsein ein Aufbruch in neue Zeiten. Bobolinas Tochter ist mittlerweile auch dabei, durch den Gesangsalltag zu fliegen, und sie selber, die Elfe der Independent-Szene kommt im März in unsere Gegend, um von schöneren Liedern zu singen. BLITZ!-Mitarbeiter Volly Tanner traf sie Ende 2010 im Leipziger Anker auf der Bühne des Afghanistan-Kinderhilfe-Benefiz-Konzertes und blieb in Kontakt.
BLITZ!: Im März bist Du ja wieder fleißig auf den Bühnen, besuchst Halle, Jena und Leipzig sogar zweimal. Jedoch nicht mit den White Wooden Houses. Was bekommen wir denn auf die Ohren?
Bobolina: Lieder mit deutschen Texten aus verschiedenen Jahrhunderten, alte Volkslieder, die wir mit vielen ungewöhnlichen Instrumenten arrangiert haben, und Gedichtvertonungen, die Vergangenheit und Moderne verbinden. Sebastian (Herzfeld - d.A.) spielt Präpariertes Klavier, Harmonium und allerlei lustiges Schlagwerk. Und das Konzert im hallischen Theater wird sicher ein besonderes, denn dort spielen wir zum ersten Mal mit dem neuseeländischen Saxofonisten Hayden Chisholm.
BLITZ!: Touren, Alben einspielen, der ganze Abrechnungskram, Proben und Musik erfinden - das ist ein ganz schön volles Programm. Wie hältst Du denn da die Verbindung zu Deiner wunderbaren Tochter?
Bobolina: Als sie noch ein kleines Kind war, habe ich ihr gesagt: Ich bin immer für Dich da, aber wenn ich singe, musst Du warten, bis das Lied zu Ende ist. Jetzt singt sie ja selbst soviel und ich muss öfters warten ... Aber wir verbringen viel Zeit miteinander, und zu Konzerten kommt sie öfters mit.
BLITZ!: "Transparent", Dein derzeit auf dem Markt für Freude sorgendes Album, ist ja schon eine Weile zu hören. Wie sieht's mit Ideen für Neues aus? Oder muss man heutzutage gar nicht mehr dauernd nachschieben?
Bobolina: Doch, gerade habe ich angefangen, neue Songs zu schreiben. Und wir arrangieren neue Lieder für den Nachfolger von "Lieder von Liebe und Tod", der im Herbst erscheinen sollen.
BLITZ!: Deine Musik schielt ja glücklicherweise nicht auf den schnellen Markt. Sie ist eher zeitlos, jedoch im besten Sinne modern. Hat solch eine Musik Zukunft? Dass sie Vergangenheit hat, hast Du ja mit Deinen "Liedern von Liebe und Tod" gezeigt.
Bobolina: Dazu fällt mir ein toller Satz von Neo Rauch ein: Wer zu sehr mit dem Zeitgeist geht, wird mit ihm entsorgt!

