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Ming Cheng Ming Cheng

Hier spricht Ming Cheng

Student zweiter Klasse


Deutsche Bürokratie ist weltberühmt, genauso wie deutsche Autos, deutsche Maschinen und deutsche Feinmechanik.

Auf die letzten drei kann man richtig stolz sein, aber auf die Bürokratie? Die macht selbst vor uns Studenten nicht halt. Gepaart mit Diskriminierung, richtig gelesen, genauer Inlandsdiskriminierung. So der Fachbegriff. Meinen Bachelor von der Uni Leipzig habe ich nun schon eine ganze Weile in der Tasche, um mich weiter zu qualifizieren, schrieb ich mich an der Fachhochschule für einen Masterstudiengang ein. Man erinnert sich vielleicht, dass im Zuge des Bologna-Prozesses die deutschen Studiengänge europaweit vergleichbar und besser kompatibel gemacht werden sollten. Damit könnte dann ein deutscher Student nach seinem Bachelor bequem einen Masterstudiengang im Ausland aufnehmen, ohne komplizierte Anrechnungsprozesse durchlaufen zu müssen. Klingt nach Entbürokratisierung, aber es hakt ja schon hier vor Ort, womit wir bei der Diskriminierung sind. Als ich mich nach einer weiteren Qualifizierung umsah, traf mich der Schock: An einigen Universitäten gibt es einen Numerus Clausus einmal für den Master, den man an einer Universität erworben hat, der bei 2,0 lag, und dann einen anderen für Absolventen einer Fachhochschule, der bei unglaublichen 1,0 lag. Diskriminierung! Und was macht das Ganze zur Inlandsdiskriminierung? In China, zum Beispiel, ist Master Master, da unterscheidet man die Hochschulausrichtung nicht. Das Ergebnis: Ein Student, der das Gleiche wie ich in China studiert hat, kann sich eine glatte 2 gönnen, während ich eine 1,0 brauche. Da gehen mir doch die Stäbchen in der Hose auf. Aber es wird noch besser. Ich habe vor einiger Zeit an der Uni ein Zusatzzertifikat erworben und dafür einige Anrechnungsmodule abgelegt. An der Fachhochschule habe ich neben den Pflichtfächern auch Wahlpflichtfächer zu belegen. Und nun wollte ich, um mehr Zeit für anderes zu haben, meine Uni-Module als Wahlpflichtfächer an der Fachhochschule anrechnen lassen. Ich stellte dafür einen Antrag, und der wurde mit der Begründung abgelehnt, nur Wahlmodule der Fachhochschule werden anerkannt, nicht die der Uni. Da fällt einem nix mehr ein, auf der einen Seite international anerkannte Studiengänge und dann scheitert es schon innerhalb der Stadtgrenzen. Was soll dann die angebliche Vereinfachung, wenn die bürokratische Kleinkrämerseele an deutschen Hochschulen sich wie die chinesische Mauer hochtürmt? Aber es gibt zum Glück auch noch Sachen, die absolut unbürokratisch sind, zum Beispiel der Kauf einer Karte zu meinem Konzert. Einfach kaufen und hingehen, ich freue mich auf Euch!


Internet:

www.mingcheng.de


Wort: Ming Cheng, Sören Schneider / Bild: Ernie Le Coq