Kudernatschs Kolumne
Alle ins All!
Endlich wird es März, endlich fängt der Frühling an, endlich liegt kein Schnee mehr. Und Erfurts Oberbürgermeister Bausi Bausewein muss nicht mehr die Bundeswehr rufen, um vereiste Straßenbahngleise freisprengen zu lassen.
Soweit war's nämlich schon. Die Bundeswehr sollte einmarschieren und den Stadtverkehr übernehmen. Also zum Beispiel all die Rentner mit Spürpanzern zum Arzt fahren, weil doch die Bahn nicht mehr durchgekommen ist.
Die Erfurter Verkehrsbetriebe wollen sich jetzt zwar mit Freifahrten am 5. und 6. März bei ihren Fahrgästen entschuldigen. Aber ich bin mir wirklich unsicher, ob es Omas und Opas gibt, die seit Weihnachten an der Haltestelle ausgeharrt haben und noch immer auf ihre Linie warten …
Wenn es so ist, will ich nichts gesagt haben. Dann sollen die wackeren Alten jetzt alle in ihre Gratis-Bahn hüpfen und ein Märzwochenende lang hoch und runter kostenlos durch die Landeshauptstadt sausen, bis sie in die Niederflurwagen brechen müssen.
Es wird aber auch Zeit, dass die Bahn wieder funktioniert. Denn die Autofahrer haben in Erfurt gar nichts mehr zu lachen: Der Juri-Gagarin-Ring wird zur Großbaustelle. Das Verkehrsamt rät, den Ring zu meiden. Es verrät aber nicht, wie das funktionieren soll, denn der Ring ist nun mal der Ring. Ein Ring, sie alle zu knechten, äh, gut! Frodo sein und singen!
Offiziell ist Erfurt dann unberingt, weil das Trinkwassersystem repariert werden muss. Inoffiziell denke ich allerdings, dass es um eine große Überraschung geht. Denn Juri Gagarins Flug durchs Weltall feiert am 12. April Geburtstag. Er wird 50 Jahre alt. Da am Gagarin-Ring bislang nur ein dürftiges Denkmal an den mutigen Juri erinnert (der ein Erfurter gewesen sein muss - warum sonst stünde hier ein Denkmal für ihn?), soll es da sicher eine viel ansprechendere Würdigung geben. Mehr als einen abgewetzten Kopf auf einem Plattenbau-Sockel!
Ich verrate Euch ein Geheimnis: Es wird gemunkelt, dass da extra zum runden Geburtstag eine Juri-Raketenabschussrampe in den Bitumen eingelassen wird …
Mit der wiederum könnte man Bausi Bausewein und andere Stadtväter und -mütter vorübergehend auf den Mond schießen. Dann sehen sie mal, wie es in Vieselbach aussieht. Das wäre doch nicht übel. Obwohl, dann würde vielleicht doch noch die Bundeswehr einmarschieren und die Stadt besetzen, um zu viel Mondbeschuss zu vermeiden. Da würde der nämlich in Krümel zerbrechen - und es gäbe Mondkuchen.
Soll die Bundeswehr doch durch die Stadt marschieren - das kennen viele bestimmt noch von früher. Da wurde am 1. März immer der Tag der Nationalen Volksarmee gefeiert, worüber man sich in Nordhausen sicherlich sehr freute, weil da unglaublich viel Doppelkorn getrunken wurde. Diesen Feiertag kann der Guttenberg also ruhig wieder einführen. Das macht die Jungs locker, bringt den Fuhrpark auf Touren - und kurbelt die Wirtschaft an.
Außerdem passt so ein freudiges Ereignis zu Juri Alexejewitsch Gagarin, der auch gern mal einen gezwitschert haben soll. Also lasst uns feiern, bis wir Sterne sehen! Danach treffen wir uns alle im All.
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