Kickboxen
Ein Wettkampfsport, keine Kampfkunst
Am 26. März finden in der Mehrzweckhalle im Sportforum Chemnitz die 9. Saxony Open, die Sächsischen Meisterschaften im Kickboxen statt.
Ausgerichtet werden diese vom gastgebenden Boxclub Chemnitz 94 e.V., besser bekannt als die Chemnitzer Wölfe. Die Kickboxer bilden eine eigene Abteilung innerhalb der Boxer, diese wurde 1996 gegründet und seitdem systematisch auf- und ausgebaut. Drei Mal in der Woche wird trainiert. Immer montags, mittwochs und freitags von 19.30 bis 21 Uhr. Das Trainerteam besteht aus Eduard Belov, er kommt vom Taekwondo und leitet die Gruppe seit mehreren Jahren gemeinsam mit Ralf Koester. Letzterer macht das schon 15 Jahre lang und war früher selbst im Wettkampf aktiv. Er gewann mehrfach die Saxony Open, nahm an den Deutschen Meisterschaften teil und war zudem im Jiu Jitsu aktiv. Er erklärte: "Wir möchten den Sport bekannt machen, Leute fördern und erfolgreich machen und hoffen sehr auf Nachwuchs. Wir arbeiten mit Jugendlichen ab 14 Jahren, auch Mädchen sind gern gesehen."
Kickboxen ist ein junger Sport. Er wurde in den 1960er Jahren in den USA entwickelt, als die verschiedenen Kampfsportarten eine Möglichkeit suchten, sich mit einander zu messen. "Es gibt auch Graduierungen im Kickboxen", so Ralf Koester, "aber wir haben uns ganz auf den Wettkampfsport, also ohne Graduierung, spezialisiert". Gekämpft wird immer ohne Knie- und Ellenbogeneinsatz und immer mit Kopf-, Zahn-, Tief- und Schienenbeinschutz sowie mit Handschuhen.
Ralf Koester sagt über die Kampfklassen: "Es gibt verschiedene Gewichtsklassen und drei Wettkampfarten. Beim Leichtkontakt wird zwei Mal zwei Minuten gekämpft, aber nicht mit voller Kraft geschlagen. Der Semikontakt ist mit dem Karate-Point-Fighting zu vergleichen. Die Schläge sind stärker, aber nach jedem Treffer wird abgebrochen und bewertet. Der Vollkontakt ist die Königsdisziplin, da wird die volle Kraft zum Körper immer oberhalb der Gürtellinie gebracht. Die Fortgeschrittenen starten bei uns im Vollkontakt, aber wir trainieren auch die anderen Kontakt-arten".
Kickboxer Matthias Schröder kommt aus Aue, gilt als große Nachwuchshoffnung und wird zu den Saxony Open seinen ersten Wettkampf bestreiten. Er ist 22, hat Abitur, ein Jahr bei der Bundeswehr hinter sich und studiert Maschinenbau in Chemnitz. "Ich habe im Kindesalter mit sieben Jahren schon mit Taekwondo angefangen und bin darüber zum Kickboxen gekommen", erzählt er, "Ich wusste von den 'Wölfen' und habe mit Beginn des Studiums sofort bei ihnen angefangen." Matthias kämpft in der Klasse bis 71 Kilogramm im Vollkontakt und sagt: "Mir gefällt, dass der Verein ziemlich gut ausgestattet ist. Die Leute sind alle nett, es macht viel Spaß, und ich hoffe, dass ich in den Wettkämpfen erfolgreich werde."
Kollege Martin Krause kommt aus Freiberg, ist 28, hat ebenfalls Abitur gemacht, war bei der Bundeswehr und ist gerade im zehnten Semester eines Geotechnik-Studiums an der Bergakademie. Zu seinem sportlichen Werdegang erzählt er: "Ich habe als Kind zehn Jahre lang Judo betrieben, mir dann aber irgendwann gesagt, ich möchte mehr in Distanz gehen, und mich deswegen für Kickboxen interessiert. Ich bin vor sechs Jahren hierher gekommen, habe viel trainiert und begonnen, Wettkämpfe zu bestreiten. Das ist für mich ein willkommener Ausgleich vom Alltag und von der Uni. Mich reizt vor allem die Herausforderung. Wir bedienen uns im Kickboxen der ursprünglichsten und effektivsten Mittel, den Gegner zu bekämpfen. Deshalb ist es auch ein Wettkampfsport und keine Kampfkunst. Er ist gut für die Kondition und um Körper und Geist in Einklang zuhalten. Kickboxen ist eine sehr komplexe Sportart, weil du nicht nur auf die Hände, sondern auch auf die Füße achten musst. Es erfordert verschiedene Distanzen und ist nicht nur ein wildes Aufeinandereinschlagen. Die schnelle, notwendige Reaktionsfähigkeit nützt mir auch in meinem Nebenjob als Security-Mann. Es hilft, Leute auf Distanz zuhalten und ist gut zur Selbstverteidigung."
Martin gewann mehrfach die Saxony Open, war Dritter bei den Deutschen Meisterschaften und gilt am 26. März als Favorit seines Vereins. Trainer Ralf Koester weiß: "Er ist gut trainiert und gewappnet." Und Martin beschließt das Gespräch mit den Worten: "Ich habe mir im Moment keine sportlichen Ziele gesetzt, außer bei den Saxony Open möglichst gut abzuschneiden. Ich möchte erst einmal mein Studium erfolgreich beenden - und in Matthias habe ich einen sehr guten Nachfolger."
Internet:
www.saxony-open.dewww.boxclub-chemnitz94.de

