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Zehn Freunde in Finnland


Extrem tanzbar auf massivem Fundament: Die zehn Musiker der Chemnitzer Band Meniak verbinden Freundschaften, die über Jahrzehnte gewachsen sind.

Auch an instrumentaler Power fehlt es ihnen nicht. Mit Gitarre, Bass, Drums, Percussion, Violine, Keyboard, Posaune, Tenor-Saxofon, Alt-Saxofon und Trompete gewinnt ihr Sound ein ungewöhnlich breites Klangspektrum. Einflüsse kommen von Ska, Drum 'n Bass, Reggae, Klezmer, vom Balkan und aus Lateinamerika. Eine bunte Mischung also, mehr als bunt genug sogar, um Botschafter für Chemnitz zu sein: Zur 50-Jahr-Feier der Städtepartnerschaft mit Tampere reisten die Zehn Anfang März nach Finnland. Bei der vorausgegangenen Ausschreibung um den Botschafter-Posten setzte sich Meniak gegen 15 lokale Bands durch. Wir trafen die Jungs kurz vor dem Abflug.

BLITZ!: Wie wollt Ihr unsere Stadt in Finnland vertreten?
Meniak: Wir fahren als Repräsentanten für Chemnitz und werden die Erwartungen ordnungsgemäß erfüllen. Unser Auftritt geht etwa 45 Minuten. Das ist zwar extrem wenig, reicht aber hoffentlich, um ein musikalisches Inferno zu entfachen.

BLITZ!: Das klingt nicht so extrem begeistert ...
M.: Natürlich freuen wir uns über die Ehre, unsere Stadt musikalisch in Finnland vertreten zu dürfen. Aber wir wollen auch ganz klar zu bedenken geben, dass im Chemnitzer Jugendkulturbereich in den letzten Jahren immer weniger gemacht wird. Bestes Beispiel ist der Umgang mit dem gestorbenen Reitbahnprojekt. Sich dann nach außen hin mit multikultureller Musikkultur zu schmücken, ist schon etwas suspekt.

BLITZ!: Zehn Charaktere und Meinungen unter einen Hut zu kriegen, ist sicher oft nicht leicht, auch musikalisch. Wie schafft Ihr das trotzdem?
M.: Drogen und Alkohol. Nein, Spaß beiseite, wir sind alle in Chemnitz groß geworden, kennen uns teilweise noch aus der Schule. Wenn's die Band nicht gäbe, würden wir trotzdem noch zusammen rumhängen - es ist ein Teufelskreis. Meist proben wir in unterschiedlicher Besetzung freitags und samstags, um danach zusammen auf Party zu gehen.

BLITZ!: Nur wenige Eurer Songs orientieren sich am StandardSchema Strophe-Refrain-Strophe. Welches Konzept habt Ihr?
M.: Bis er für alle stimmig ist, macht jeder Song eine ganz eigene Entwicklung durch. Selbst uns fällt es extrem schwer, unsere Musik mit gängigen Termini zu beschreiben. Alle Stücke entstehen sehr individuell und aus dem Bauch heraus. Bei zehn Bandmitgliedern ist das musikalische Endprodukt natürlich immer auch ein Konsens.

BLITZ!: Wie hat sich Eure Musik in den letzten acht Jahren entwickelt? Woher kommen aktuelle Einflüsse?
M.: Anfangs waren wir noch nicht so fit, haben hauptsächlich so eine Art Rock gemacht mit viel Ska- und Punk-Elementen. Inzwischen hat sich unser Fundament aber stark verbreitert. Zum einen haben wir mittlerweile vier Bläser in unserer Stammformation und zum anderen wird man mit fortschreitendem Alter immer besser. Auch die verschiedenen Musikgeschmäcker haben sich weiterentwickelt. Letzten Endes kommt die Musik aber immer aus uns selber und wir unterwerfen uns kei-nerlei Normen. Der Fokus unseres Sounds liegt auf den Instrumenten, zum Verständnis der Texte solltet Ihr Deutsch, Spanisch und Englisch beherrschen. Aber das ist keine Voraussetzung, um zu unserer Musik abzugehen.

BLITZ!: Wie würde Eure Musik ohne Bläser klingen?
M.: Sie gebe es nicht. Das Zusammenspiel der vielen Instrumente ermöglicht uns ein enorm breites Klangspektrum.

BLITZ!: Wie steht Ihr zu politischen Themen wie die derzeitige Entwicklung in den arabischen Ländern?
M.: Manche von uns machen dieses Jahr Urlaub in Marokko. Es ist schwierig, sich angesichts der lückenhaften Medienberichterstattung eine objektive Meinung zu bilden. Wir äußern uns in vielen Songs zwar auch kritisch, können und wollen als Band aber nicht politisch sein. Es sind mehr humanistische Ansprüche, die wir alle gemeinsam vertreten.

BLITZ!: Stichwort Guttenberg: Covert Ihr auch oder klaut Ihr manchmal Songtexte von Kollegen?
M.: Natürlich nicht! Bei uns sind Text und Musik immer echt Meniak! Nur manchmal zitieren wir ganz offen den Sandmann.


Internet:

www.meniak-music.de


Wort und Bild: Frank Selig