Julius Günzel
Die Kunst des Sehens
In seinen Dokumentarfilmen erzählt Julius Günzel von besonderen Lebensmomenten. Geschichten über urige alte Kneipen interessieren den jungen Filmemacher ...
... dabei ebenso wie Erkundungen mit der Kamera, bei denen es um neue Wege der Lernkultur in Dresdner Kindereinrichtungen geht. Derzeit dreht Julius Günzel einen zweiten Dokumentarfilm über die Gaststätte "Goldener Pfeil" auf der Rudolfstraße, eine der letzten Dresdner Urkneipen. Nach zweijähriger Bewirtungspause hat sie wieder geöffnet. Der erste Teil dieser Milieustudie entstand bereits zusammen mit dem Regisseur Konrad Hirsch, dem Sohn des bekannten Kameramanns Ernst Hirsch, im Rahmen des Projekts "Stadt-Geschichten" zum 800jährigen Jubiläum Dresdens. Der zehnminütige Streifen lief bei den Filmnächten, im Vorprogramm einer Filmreihe über "Das alte Dresden" von Ernst Hirsch.
"Wir haben uns über das Bild kennengelernt", erzählt Julius Günzel. "Uns verbindet ein ähnlicher Blick auf das Dokumentieren und Bewahren von scheinbar nebensächlichen Momenten. Er ist aber auch offen für das Moderne." Seit den Filmarbeiten mit seinem Sohn stehen sie in gutem Kontakt, holt sich Günzel bei dem erfahrenen Kamerakünstler Hirsch manchen Tipp. "Mich fasziniert die pure, nicht geschönte Dokumentation. Dieses Unsichtbar sein während der Aufnahmen und die Momente zu sehen, sich einzufühlen in die Situation und mit den Gegebenheiten umzugehen", erklärt Julius Günzel sein Interesse am Filmen. Das begleitet den 30 Jahre jungen gebürtigen Dresdner seit der Schulzeit an der Kreuzschule. Es begann mit kleinen Videofilmen mit zu Hause nachgespielten Szenen aus "Derrick" und der "Olsenbande", ging weiter mit einer eigenen Filmversion zum Klassiker, "Faust III", kurz vor dem Abitur. Und während des Zivildienstes drehte er einen Film an einer Lernförderschule mit behinderten Kindern.
Seine ersten filmtechnischen Erfahrungen sammelte Julius Günzel beim Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK) im Medienkulturzentrum Pentacon. Seit 2005 arbeitet er als selbständiger Filmemacher mit kleinem Team, das unter dem Namen filmpunktart.de seine Aufnahmen auf den Punkt bringt, an Dokumentationen für Unternehmen, Theater und Vereine wie die Mediclowns, die krebskranke Kinder am Krankenbett zum Lachen bringen. Er kann sich aber auch filmische Installationen im Theater und szenische Filme vorstellen, sagt Julius Günzel. Er hat bereits bei Dreharbeiten von Regisseuren wie Andreas Dresen (für den Spielfilm "Whisky mit Wodka") mitgewirkt und schätzt dessen "entspannte Art und authentische Geschichten".
Derzeit ist Julius Günzel mit seiner Kamera für einen Dokumentarfilm in Kindergärten und Schulen unterwegs, um "die Leute mit den Bildern emotional zu öffnen für eine lernfreudige Kommunikation und ein achtungsvolles Miteinander zwischen Kindern und Erwachsenen." Der Film wird die ersten Dresdner LernKulturTage im Herbst eröffnen.

