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Alphaville - Marian Gold Alphaville - Marian Gold

Marian Gold im Interview

"Wieder erwachsen werden"


Alphaville meldeten sich 2010 nach sieben Jahren mit einem neuen Album zurück. Nun gehen die vier Musiker auf Tournee. Wir haben mit Sänger Marian Gold gesprochen.

BLITZ!: Herr Gold, am 27. März kommen Sie mit Ihrer Band Alphaville auf die Messe. Waren Sie schon einmal in Halle?
Marian Gold: Ja, ich erinnere mich noch an den Marktplatz und eine Konzerthalle. Und bei Euch ist doch auch ein berühmter Musiker geboren worden …

BLITZ!: Georg Friedrich Händel.
M.G.: Ja genau. Ich glaube auch, dass wir damals in der Schorre gespielt haben. Mitte der 90er muss das gewesen sein.

BLITZ!: Alphaville haben ja überhaupt erst ab 1993 Konzerte gegeben, obwohl die ersten Top-Hits bereits in den 80er Jahren veröffentlicht wurden.Woran lag das?
M.G.: Wir konnten einfach keine Instrumente spielen und haben uns deswegen nicht auf die Bühne getraut.

BLITZ!: Hat sich das denn mittlerweile gebessert?
M.G.: Nö, aber jetzt spielen wir einfach … Nein, es hat sich natürlich gebessert. Als 1984 unser Album “Forever Young“ raus kam, konnte keiner von uns ein Instrument richtig spielen. Deswegen haben wir mit Sequenzern und Rhythmusmaschinen gearbeitet. Ohne diese technischen Hilfsmittel hätte es Alphaville niemals gegeben.

BLITZ!: Aber der Umgang mit diesen Maschinen war auch nicht immer einfach.
M.G.: Das stimmt. Am Anfang war es ein ständiger Kampf. Die Technik steckte damals noch in den Kinderschuhen. Für kurze Sequenzen saßen wir manchmal Nachmittage. Da hätten wir auch Gitarrenunterricht nehmen können ...

BLITZ!: Ende vergangenen Jahres haben Sie Ihr Album "Catching Rays On Giant" und die Single "I Die For You Today" veröffentlicht. Können Sie bereits ein Resümee ziehen?
M.G.: Bis jetzt bin ich überrascht, wie gut alles läuft. Das Album war in den Top 10 und die Single in den Top 20. Natürlich haben wir nicht mehr das gleiche Gewicht wie vor 20 Jahren. Aber nach so einer langen Zeit mit einem Album rauszukommen und so viel Aufmerksamkeit damit zu erregen, ist schon gut.

BLITZ!: Sieben Jahre sind seit dem letzten Alphaville-Album vergangen, dabei betonen sie immer, dass sie eigentlich alle eineinhalb Jahre genug Stoff für ein Album zusammen haben. Warum hat es dann so lange gedauert?
M.G.: Wir haben vor dem Album 40 bis 50 Gigs pro Jahr gespielt, überall auf der Welt. Da steht man entweder auf der Bühne, sitzt im Bus oder schreibt Songs. Das ist eine spielerische und total tolle Art zu existieren, die jedoch mit der Produktion eines Albums nicht vereinbar ist.

BLITZ!: Und wie wurden Sie aus diesem Trott herausgerissen?
M.G.: Unser Manager hat uns vor drei Jahren vorgeschlagen, dass wir doch wieder ein Album machen sollen. Dafür mussten wir dann wieder erwachsen werden, was mir immer noch schwer fällt. Wir haben dann alle Songs zusammengesucht und das Album konzipiert.

BLITZ!: Sind denn auch Titel auf "Catching Rays On Giant", die schon sieben Jahre alt sind?
M.G.: "I Die For You Today" ist schon seit 2003 im Live-Programm und "I Carry Your Flag" sogar noch älter. Das ist aber nicht ungewöhnlich. "Big In Japan" hatte ich bereits Ende der 70er Jahre geschrieben und wollte den Song anfangs gar nicht auf "Forever Young" haben. Zum Glück habe ich mich überzeugen lassen.

BLITZ!: Sind denn noch Songs übrig?
M.G.: Klar.

BLITZ!: Die Fans können also auf ein neues Album hoffen?
M.G.: Ja, wahrscheinlich schon nächstes Jahr. Die Songs dafür haben wir.

BLITZ!: Zuerst gibt's aber die Tour, die Mitte März startet. Werden im Publikum nur Menschen stehen, die Ihnen schon in den 80er Jahren ge-lauscht haben?
M.G.: Ach Gott, nein, dann würden ja nur alte Säcke im Publikum sein. Sicherlich gibt es viele Fans aus der alten Zeit, aber ich hoffe auch, dass Menschen kommen, die sich noch nicht so richtig mit uns beschäftigt haben und die wir dann mit einer richtig geilen Show überzeugen können.


Internet:

www.alphaville.de


Wort: Julius Lukas / Bild: P.D.