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Wise Guys Wise Guys Wise Guys

Wise Guys

Im Schulchor schon gefördert


Sie sind des Landes führendes Ensemble in einem Genre, das man gemeinhin a capella nennt. Die Wise Guys vermeiden diesen Begriff aber und sprechen von Vokal-Pop.

So wie die Leipziger Prinzen diese Szene in den Neunzigern beherrschten, räumten die fünf Kölner Jungs in den Nuller Jahren ab, ihr aktuelles Album "Klassenfahrt" stieg vor Jahresfrist sofort auf Platz 2 in die Charts ein. Kurz vor den Prinzen sind sie auf ihrer Frühjahrstour auch in unserem Gebiet zu Gast. Die Chance zu einem Vergleich und Anlass für uns, dem Wise-Guys-Bariton Edzard "Eddi" Hüneke ein paar Fragen zu stellen.

BLITZ!: Eure jüngste Single ist eine gewitzte Persiflage auf die Facebookmania. Andererseits seid Ihr selbst aktiv im Web 2.0 unterwegs. Ist der Song reine Blödelei?
Edzard Hüneke: Der Song enthält schon die ernstgemeinte Beobachtung, dass es Leute gibt, für die Facebook und das Internet wie eine Droge sind. Aber es ist natürlich mit einem Augenzwinkern erzählt.

BLITZ!: Auch in Mitteldeutschland gibt es erfreulich viele Vokalgruppen, oft Abgänger berühmter Chöre wie den Thomanern aus Leipzig oder den Kruzianern aus Dresden. Kriegt man in Köln eine solch exzellente Stimmbildung auf dem Gymnasium!?
E.H.: Wir sind schon von unseren Musiklehrern auch im Schulchor gefördert worden, aber mit der Qualität der Thomaner oder Kruzianer lässt sich das nicht vergleichen. Andererseits hat uns das erleichtert, uns der Popmusik anzunähern und nicht zu "chorisch" an unseren Gesang heranzugehen.

BLITZ!: Wenn man Eure Homepage aufschlägt, wähnt man sich zunächst nicht bei einer Pop-Gruppe, eher in einem Forum von Aktivisten zur allseitigen Verbesserung der Welt. Habt Ihr noch die Übersicht darüber, in welchen Initiativen Ihr überall vertreten seid? Woher nehmt Ihr die Kraft?
E.H.: Wir haben uns zwar auf der Homepage mit verschiedenen Initiativen verlinkt, fokussieren uns aber bei Konzerten auf die Zusammenarbeit mit Misereor. Allein in diesem Jahr konnten wir schon über 400 neue Zwei-Euro-Spender für das Projekt "Wege aus der Armut" in Südafrika gewinnen. Die Freude darüber bei den Kindern in Südafrika ist groß - das gibt uns genug Kraft, um daran weiterzuarbeiten.

BLITZ!: All diese bewundernswerten Aktivitäten lassen vermuten, dass Euch das Leid der Welt und des Nächsten sehr nahe geht. Eure Lieder aber vermitteln eher ein Gefühl unbeschwerter Lockerheit. Wie bringt Ihr das zusammen?
E.H.: Ich finde, genau das macht das Leben lebenswert: Nach Möglichkeit das Leben genießen, ohne aber die Augen vor dem Schicksal Anderer zu verschließen. Wer das Leben genießt, strahlt das auch nach außen ab, es haben sozusagen alle was davon. So erleben wir auch Leute wie Ingrid Lestrade, die das obengenannte Projekt "Wege aus der Armut" in Südafrika leitet.

BLITZ!: Welche Rolle spielt für Euch Religiosität?
E.H.: Wir sind unterschiedlich stark kirchlich sozialisiert und auch verschieden spirituell, aber keiner von uns ist mehr regelmäßiger Kirchgänger - das gibt schon der Tour- und Familien-alltag im Moment nicht her.

BLITZ!: Es folgt die Gretchenfrage der a-capella-Fraktion: Wie haltet Ihr's mit Instrumenten?
E.H.: Alle Songs werden mit Instrumenten geschrieben und einstudiert. Wir haben da keine Berührungsängste, im Gegenteil. Privat hört, glaube ich, keiner von uns a-cappella-Musik.

BLITZ!: Könntet Ihr Euch eigentlich einen Ost-West-Gipfel des Vokal-Pop vorstellen: Wise Guys und Prinzen auf einer Bühne?
E.H.: Klar, warum nicht? Wir haben in unseren Anfangsjahren als Schüler in den Neunzigern sogar mal "Millionär" von den Prinzen gecovert!


Wort: FW / Bild: P.D.