Krav Maga
Kritische Momente besonnen meistern
Krav Maga kommt aus dem Hebräischen und heißt Kontaktkampf. Entwickelt wurde Krav Maga von der israelischen Armee.
Die Disziplin findet zunehmend Eingang in die europäische Kampfsportszene und steht im Sportbereich als Überbegriff für zivile Selbstverteidigungssysteme. Unterschieden wird nach drei Zielgruppen: 1) Krav Maga für Privatpersonen zur Verteidigung, Deeskalation und für Stressresistenz mit einem Zusatznutzen für Gesundheit und Fitness. 2) Krav Maga für den Sicherheitsbereich und die Polizei. 3) Krav Maga für das Militär. Wir sprachen mit Nancy Pätzold vom Fighters Federation (Am Alten Bad 1) und mit Torsten Fischer, den wir im Januar bereits vorgestellt hatten, vom Sport- und Therapiezentrum Chemnitz sowie von der Kampfsportakademie Chemnitz.
Nancy, heute 29, begann im Alter von acht Jahren Karate zu trainieren. Ihr Vater wollte das impulsive Mädchen aus dem Heckertgebiet, das sich immer mit allen anlegen musste, so vor dem Abgleiten auf eine schiefe Bahn bewahren. Sie selbst sagt: "Dem Sport bin ich bis heute treu geblieben. Ich bin mehr der Wettkämpfer, der sich messen und Erfolge sammeln will, also eine Bestätigung für sein Training braucht. Und so geduldig wie Torsten bin ich leider nicht." Nancy absolvierte eine Ausbildung im Metallbau und ging danach für acht Jahre zur Bundeswehr. Sie war unter anderem als Stabsunteroffizier auch zu einem achtmonatigen Einsatz in Afghanistan. Nach dieser Zeit hätte sie gern eine Kampfsportschule eröffnet, da sie aber keine Trainerausbildung vorweisen konnte, entschied sie sich, im Oktober vergangenen Jahres das Kampfsportgeschäft "Fighters Federation" aufzumachen, wo es alles gibt, was mit Kampfsport zu tun hat.
"Ich versuche damit auch den schmuddeligen Eindruck vom Kampfsport zu nehmen. Deshalb ist im Laden alles recht schlicht in Schwarz und Weiß gehalten. Gemeinsam mit Torsten versuchen wir auch Anlaufstelle für interessierte Eltern und Kinder zu sein. Wir möchten gern dafür sorgen, dass Kinder vorbeugend in den Sportverein kommen, Disziplin und Achtung lernen oder einfach mal ihren Aggressionen am Sandsack freien Lauf lassen können. Wenn sie keine überschüssige Energie haben, können sie in Krisensituationen auf der Straße ganz anders reagieren".
"An dem Punkt kommt Krav Maga ins Spiel", sagt Torsten und erklärt: "Dort wird gelehrt, wie man mit einer Situation umgeht, in der man von einer oder mehreren Personen angegriffen oder provoziert wird. Manchmal hilft ja, nur das Handy rauszuholen und Hilfe zu rufen und die Lage, ohne zuzuschlagen oder den anderen noch aggressiver zu machen, zu klären. Es gibt da Griffe und Rollenspiele, wo ich lerne den anderen zu beruhigen. Darum geht es in Krav Maga. - So etwas richtig kontrollieren zu können dauert sehr lange. Wir machen deshalb viel Situationstraining. Du kommst da körperlich an deine Grenzen und musst die Sachen abrufen, die du im Training gelernt hast. Unter Stress muss vieles weggelassen werden, weil es unter diesen Bedingungen nicht mehr anwendbar ist. Wichtig ist auch, das wir versuchen im Krav Maga nur die Leute zu bekommen, die wir auch haben wollen, damit es nicht in die falsche Richtung läuft. Ich absolviere gerade eine Ausbildung zum Krav-Maga-Trainer, werde im Sommer abschließen und dann den Kontaktkampf mit in meiner Schule anbieten."
Und Nancy ergänzt: "Mittlerweile kriegen wir es auch hin, dass die Eltern verstehen, die Kinder lernen hier nicht, wie man sich auf der Straße prügelt, sondern kritische Momente mit Ruhe und Besonnenheit zu meistern. Über diese Schiene haben Torsten und ich uns auch kennengelernt, merkten schnell, dass wir gut miteinander können und beschlossen, in bestimmten Bereichen zusammenzuarbeiten. Außerdem werde ich auf jeden Fall Krav Maga bei ihm trainieren, weil ich das sehr effektiv finde."
Nach Zukunftsplänen befragt sind sich beide einig, sie möchten mit verschiedenen sozialen Projekten und zu unterschiedlichen Anlässen in die Prävention gehen.
Internet:
www.fighters-ferderation.comwww.gesundheitscenter-chemnitz.de

