Das Semperoper Ballett vollendet seine
Juwelen-Trilogie
Smaragde auf der Bühne
Choreografien von George Balanchine, Mats Ek und William Forsythe werden getanzt, wenn "3 Farben Grün" am 20. Mai in Dresden Premiere feiern. Das Grün kommt von Balanchines "Smaragden", in Eks "Sie war schwarz" erleben wir Jiří Bubeníček.
Wenn sich am 20. Mai in der Semperoper der Vorhang zur Premiere des Ballettabends "3 Farben Grün" hebt, dann ist nicht nur die berühmte Trilogie der von Ländern und deren Tanztraditionen inspirierten Juwelen-Choreografie von George Balanchine vollendet, dann kann auch Ballettchef Aaron S. Watkin auf fünf Jahre seines Wirkens hier zurückblicken. Bevor er nach Dresden kam, tanzte er an ersten Häusern unter der Leitung international renommierter Choreografen. Klassik, Neoklassik und Moderne, jeweils im Kontext individueller Traditionen, das sind die Säulen bedeutender Ballettkompanien - und Dresden soll in deren Reigen mittanzen. Watkins Dresdner Einstand, ein Abend mit Arbeiten von William Forsythe, war ein Erfolg, das Engagement folgte.
Forsythes "Opus 31" von 1998, zur Musik von Arnold Schönberg, wird in einer Neufassung, die der Meister selber einstudiert, jetzt erstmals in Dresden zu sehen sein. Dieses Stück, in dem parallel zur Reihung gleichberechtigter Töne in der von Schönberg hier erstmals angewendeten Zwölftontechnik 21 Tänzer aus klaren neoklassischen Reihungen und Vorgaben zu expressiven und individuellen Ausbrüchen geführt werden, steht in verehrender Beziehung zur Ästhetik von George Balanchine.
Der große Erneuerer des Balletts im 20. Jahrhundert war der kunstvollen Schönheit des Tanzes verpflichtet. Er gilt eigentlich als Schöpfer des abstrakten Balletts. Die Bewegung der Körper im Raum zur Musik bedürfen der linearen Handlung eigentlich nicht. Balanchine wollte, dass wir die Musik sehen und den Tanz hören können. Nach "Rubine" und "Diamanten" tanzt das Semperoper Ballett jetzt "Smaragde" zur Musik von Gabriel Fauré. Wie die Choreografien zuvor eine Hommage an den Geist des amerikanischen und des russischen Balletts waren, so wird jetzt französische Eleganz beschworen. Die authentische Bühne von Peter Harvey und die von Karinska nach den Originalen der 1967er New Yorker Uraufführung gefertigten Kostüme möchten zudem über die Optik betörende Düfte aus der Weltstadt des Parfüms vermitteln.
Mit dem neuen Ballettdirektor Aaron S. Watkin kamen vor fünf Jahren auch neue Tänzerinnen und Tänzer nach Dresden. Einer von ihnen ist Jiří Bubeníček. Er kam aus Hamburg, er war ein Star, erster Solist beim weltberühmten Hamburg Ballett von John Neumeier. In dessen Choreografie "Illusionen wie Schwanensee" war er mehrmals in Dresden als Gast aufgetreten, einmal, im März 2003 sogar mit seinem Zwillingsbruder Otto, der nach wie vor als erster Solist in Hamburg tanzt.
Dresden ist für den Ausnahmetänzer wichtig - als neue Herausforderung. Hier brilliert er sicher in den klassischen Handlungsballetten, zuletzt mit großem Erfolg in "Coppelia". Ihm ist die große Linie der neoklassischen Eleganz ebenso eigen wie der gebrochene Stil in den Arbeiten einer aktuellen, jüngeren Generation von Choreografen. In Dresden konnte Jiří Bubeníček sich mit "Kanon" - der eigenständige Teil einer größeren Arbeit für das Zürcher Ballett - selbst als Choreograf vorstellen. Es folgten die ausgesprochen gut angenommenen Arbeiten im Albertinum. Zu Beginn des Jahres stellte sich Jiří Bubeníček als Choreograf in Wien vor und beeindruckte das Publikum des Staatsballetts. Wenn es in der nächsten Saison in der Semperoper "Les Ballets Russes - Reloaded" heißt, dann mit einer Uraufführung von ihm, "Faun" zur Musik von Claude Debussy.
In der aktuellen Premiere, am 20. Mai, tanzt Jiří Bubeníček den Solopart in "Sie war schwarz" von Mats Ek, einer Dresdner Erstaufführung. Der schwedische Choreograf hat dem Ballett des 20. Jahrhunderts entscheidende Impulse gegeben. Seine Neuinterpretationen von Klassikern wie "Schwanensee" oder "Giselle" gehören zum Kanon der Handlungsballette. Seine Arbeiten umkreisen Themen wie persönliche Freiheit und deren Gefährdung, Beziehungen und immer wieder die sexuelle Identität. "Sie war schwarz" von 1995 stellt zwischenmenschliche Beziehungen unter anderem in Varianten sublimer Kampftechniken dar. Dabei kommt - und da nimmt Mats Ek eine Sonderstellung ein - der Humor nicht zu kurz. Aber ganz nahe am Witz ist der Sarkasmus.
Zu Beginn der neuen Spielzeit 2011/2012, in der Aaron S. Watkin mit der Dresdner Kompanie fünf Premieren und eine Gala präsentieren wird, erstrahlen dann erstmals alle Edelsteine von George Balanchine an einem Abend. Zunächst aber "3 Farben Grün" mit drei wichtigen Werken des 20. Jahrhunderts, alle erstmals in Dresden.

