Silly
Mike & The Mechanics
OMD
Wecker & Wader
Black Country Communion
Nigel Kennedy
Oaf Schubert
Alphaville
Wir sind Helden
Reinhard Lakomy
Parkbühnen-Highlights im Clara-Zetkin-Park
Lust auf Sommer
Die Bühne im Clara-Zetkin-Park ist sicher Leipzigs schönster
Ort für Konzerte. Sie ist zentral und trotzdem idyllisch gelegen
(viele nutzen das und hören von draußen mit). Durch eine an ein
Amphitheater erinnernde Raumaufteilung mit sanft ansteigendem
Zuschauerareal ist von jedem Platz vergleichsweise ordentliche Sicht
gegeben. Die gastronomische Betreuung wurde in den letzten Jahren
optimiert und der fesche Toilettenpächter ist auf dem Weg zum
Stadtgesicht. Entscheidendes Plus für die Parkbühne ist das
Programm: Von Legenden des Ostrock und Synth-Pop über echte Monsters
of Liedermaching bis hin zu Pop-Klassik, Kinderkult und dem einzig
wahren Comedy-Star dieses Landes (die Rede ist nicht von Mario B.).
Unbegrenzt ist der Platz jedoch nicht. Auch hier gilt: Der
rechtzeitige Gang zum Tickethändler des Vertrauens erspart das lange
Gesicht an der geschlossenen Abendkasse. Und noch etwas: Das
Programm wird garantiert erweitert. Unter
www.parkbuehne-leipzig.de
findet Ihr jeweils den neuesten Stand.
3. Juni (ausverkauft), 16. Juli
Silly
Manchmal gibt es tatsächlich so etwas wie Gerechtigkeit im
Show-Geschäft: Silly waren die künstlerisch wichtigste Band der
ostdeutschen 1980er, hatten den Kampf um gesamtdeutsche Akzeptanz
aufgenommen und schon Punkte gesammelt (was niemandem der Kollegen
gelungen war) - um den ersten Charts-Einstieg dann doch bloß dem Tod
ihrer Identifikationsfigur verdanken gehabt zu haben. Sie haben
schließlich nach 20 Jahren auf genau dem musikalischen und
textlichen Qualitätsniveau, an dem sie stoisch festgehalten hatten
("Unsere Menschen wollen so was nicht hören", hatten 1991 die
Plattenbosse gesagt), doch noch Erfolg. Niemand, der ihn mehr
verdient hätte.
4. Juni
Mike & The Mechanics
Sage keiner, dass er es einfach gehabt hätte. Jahrzehnte Gitarrist
in einer der erfolgreichsten Bands aller Zeiten, die jedoch nach dem
stilistischen Schwenk zur Mehrheitstauglichkeit wie kaum eine andere
auf eine Zentralfigur ausgerichtet war, hinter der alles zurücktrat.
Es war ausgerechnet der Schlagzeuger, der auch noch die meisten
Songs schrieb. Für einen Klampfer gibt es im Rock 'n Roll kaum eine
tiefere Schmach. Mike Rutherford tat das einzig Richtige: Er
gründete schon 1985 ein Soloprojekt, mit dem er in den ganzen Jahren
eine ganze Reihe veritabler Hits zusammentrug. Und jetzt, da Phil
Collins aufgehört hat, gibt es endlich nur noch ihn!
23. Juni
OMD
Nach 14 Jahren Abstinenz einfach so aufzutauchen, ein Studioalbum
aus dem Ärmel zu schütteln, das Kritiker und Publikum gleichermaßen
begeistert (Platz 5 in den Charts) und auch noch auf der Bühne
abzuräumen, als wäre man nie weg gewesen - das muss ihnen erst mal
einer nachmachen. Wenn der noch immer umwerfend charismatische Andy
McCluskey seine Orchestral Manoeuvres In The Dark vollführt, brennt
die Luft wie zu Beginn der 1980er. Und während eines Konzerte wird
dann erst so richtig deutlich, wie viele große Hits diese Band
tatsächlich hatte. Über allem jedoch "Maid of Orleans", der bis
heute schönste Synthie-Schmuse-Walzer der Pop-Geschichte.
1. Juli
Wecker & Wader
Zwei alte Helden auf einer Bühne. Konstantin Wecker und Hannes Wader
kommen aus der Tradition des politisch (radikal links) engagierten
Liedermachertums der 1960er und 70er Jahre. Beide hatten ihren
jeweils größten Hit in dieser Zeit. Bei Wader jene Volkssängerweise,
deren erste Zeile inzwischen in die Umgangssprache eingegangen ist:
"Heute hier, morgen dort". Bei Wecker ist es jene noch immer sehr
berührende Ballade von Willy, der von braunen Dumpfbacken erschlagen
wurde, weil er Kneipenparolen widersprach. Beider Biografien
verliefen sehr unterschiedlich, ihre Lieder klingen durchaus anders
- gerade das macht diese Begegnung auf der Bühne so spannend.
2. Juli
Black Country Communion
Es ist immer hochprickelnd, wenn sich gestandene Rocker, die keinem
mehr was beweisen müssen, zu einer Supergroup zusammenschließen. In
der Black Country Communion trifft der Bluesrock-Gitarrist Joe
Bonamassa (der einzige seiner Zunft, der derzeit in Deutschland
locker chartet), auf den Sänger und Bassist Glenn Hughes, den man
von Deep Purple, Black Sabbath, Trapeze oder der Gary-Moore-Band
kennt, den Keyboarder Derek Sherinian, der schon bei Dream Theatre,
Billy Idol, Alice Cooper und Kiss die Tasten drückte und
Schlagzeuger Jason Bonham, Sohn von Led-Zeppelin-Drummer John Henry
"Bonzo" Bonham (R.I.P.). Muss dazu noch mehr gesagt werden?
8. Juli
Nigel Kennedy
Er war mal das Enfant Terrible der Klassik. Ausgebildet von keinem
Geringeren als Yehudi Menuhin, demonstrierte er mit Iro und
zerrissenen Jeans, wie er sich Vivaldis "Vier Jahreszeiten"
vorstellt. Die Aufnahme wurde zum meistverkauften Klassikalbum aller
Zeiten. Weniger durch die Freaks, die sich an der pfiffigen
Interpretation freuten, sondern durch Käufer, die noch nie in diese
Sparte reingerochen hatten. Darin liegt Kennedys Verdienst. Dass er
zwischen-durch den allzu arrivierten Klassikern mal ein bissel Angst
eingejagt hat, ist auch schön. Inzwischen haben sich die Wogen
geglättet. Kennedy spielt jetzt elektrischen Jazz. Da geht sowieso
alles.
9. Juli
Olaf Schubert
Bekannt wurde er als Gott. Kein doofer Spruch: Es war das vor mehr
als zehn Jahren im Umfeld der Dresdner Blödel-Big-Band Dekadance
entstandene, umwerfende Krippenspiel, welches deren Schlagzeuger und
seinem Rhombenpollunder eine Bühne gab und gleich auch klar machte,
dass diesem Mann jede Blasphemie verziehen werden würde. Inzwischen
hat Olaf "Betroffenheit" Schubert in ausgewählten säkularen
Niederungen Mitteldeutschlands tatsächlich mehr Fans als Gott. Da
sollte sich Gott mal ein bissel anstrengen. Olaf gibt ihm Zeit, denn
sein dargebotenes Programm widmet sich den Musketieren und heißt:
"Eimer für alle". Wir fragen betroffen: Und alle auf Eimern?
27. August
Alphaville
Eine Zeitlang schien es, als würde Deutschland neben Kraftwerk eine
weitere internationale Superband im Bereich des elektronisch
basierten Pop beisteuern können. Alphavilles Debüt "Forever Young"
aus dem Jahr 1984 gilt weltweit als Klassiker, Singles wie das
Titelstück "Big In Japan" oder "Sounds Like A Melody" sind
inzwischen echte Evergreens. Leider flaute das ganz große Interesse
danach ab, obwohl ihre Alben nicht schlechter wurden. Jüngst haben
sie ihr achtes reguläres Studiowerk veröffentlicht. Hochinteressant
und allein schon einen Konzertbesuch lohnend. Und bei den Klassikern
darf dann auch selig in der Vergangenheit geschwelgt werden.
2. September
Wir Sind Helden
Inzwischen ist es fast zehn Jahre her, als es Judith Holofernes,
Sängerin der Hamburger Band Wir Sind Helden ohne Platte schaffte,
auf den Stuhl bei Harald Schmidt zu kommen und die Single "Guten
Tag" in die Charts zu hieven. Das darauf folgende Album "Die
Reklamation" löste ein gutes (!) Erdbeben im deutschsprachigen Pop
aus und bereitete den Boden für die Juli, Silbermond oder Christina
Stürmer. Die Helden hatten sich jüngst für einige Zeit zurück
gezogen. Abstand gewinnen, Beziehungen ordnen, Kinder kriegen. Im
vorigen Jahr kehrten sie zurück, mit dem Album "Bring mich nach
Hause", das standesgemäß sofort an die Spitze der Verkaufs-Charts
schoss.
4. September
Reinhard Lakomy
Was immer dieser Mann in den 1970ern und 80ern anfasste, wurde zum
Erfolg. Reinhard Lakomy war Pianist einer angesagten Band, als er
sich mit seinen Liedern und seiner markanten Stimme selbständig
machte. Als der Erfolg am größten war, verabschiedete er sich, um
(damals hoch angesagte) elektronische Musik zu machen. Nachdem ihn
die Fans auch in dieser Sparte anhimmelten, vertonte er 1979
plötzlich die Geschichten vom Traumzauberbaum, die seine Frau Monika
Ehrhardt aufgeschrieben hatte, und schuf einen
Kinderzimmerklassiker, mit dem seitdem Hunderttausende im Osten
aufwuchsen. Ein Konzert zum Pflegen von Erinnerungen und zum
Anfüttern der eigenen Kinder!