Hier spricht Ming Cheng
Wohlstand hinten links
Habt Ihr zu Hause auch so ein kleines, goldenes, winkendes Plastikteil? Ihr wisst schon, eine dieser Winkekatzen?
Die sollen ja angeblich Glück und vor allem - ganz wichtig - Geld ins Haus bringen. Scheint zu funktionieren, zumindest für die Herstellerfirmen von den Dingern. Vor Jahren in europäischen Breiten noch völlig unbekannt, erlebten sie in den Zeiten der Krise - vor ein paar Jahren - einen wahren Boom. Alle wollten diese Glücksbringer, inzwischen gibt es sie in jedem asiatischen Ramschladen und auf eBay bieten dutzende, häufig chinesische Internethändler das Plastiktier an. Natürlich Made in China. Zwar ist die Winkekatze auch in China sehr verbreitet - meine Landsleute stellen sich alles in die Bude, wenn es heißt, es bringe Geld und Wohlstand. Aber eigentlich kommen diese possierlichen Tierchen aus Japan. Entstanden in einer Phase, in der sich Japan im Umbruch befand, als es sich unter dem Druck des Westens modernisierte, um dann zur Weltmacht aufzusteigen. Zum ersten Mal Erwähnung fand die Winkekatze 1876, sie ist also noch gar nicht so alt. Damals war sie auch noch nicht aus goldenem Plastik und der Arm schwang nicht batteriebetrieben hoch und runter, dass einem schlecht wird. Es gibt die Katzen auch aus Porzellan, Keramik und Bronze, Granit oder Jade. Die Form ist immer gleich, eine Katze mit gestutztem Schwanz sitzt und hat den linken Arm erhoben. Bei manchen Modellen ist der Arm beweglich und winkt das Geld und den Erfolg in unsere Stuben. Nach der Lehre des Feng Shui - wie gestaltet man seine Wohnung, damit es einem gut geht - gehört die Reichtumszone in die hintere linke Ecke der Behausung, da wäre dann auch das Kätzchen anzusiedeln. Und um dann die Möglichkeiten des Geldflusses zu erhöhen, sollte man sich in diese Wohlstandzone noch einen Brunnen bauen und ihn mit einer schönen roten Schale dekorieren, das zieht das Geld an. In dieser Reichtumszone sollten auch Wertgegenstände gelagert werden, wie Schecks, Schmuck, Bargeld und Goldklumpen. Nicht, damit es Diebe leichter haben, was dann ja durchaus der Fall wäre, sondern weil Geld noch mehr Geld an zieht, so die Theorie. Wenn man sich die Winkekatze in der Funktion eines Sparschweins kauft, wirkt sie also gleich doppelt: Einmal die Wohlstandsaura der Katze an sich und zum zweiten zieht das Geld in ihrem Bauch noch mehr Geld an.
Ob Marlene Dietrich eine Winkekatze hatte? Ich glaube nicht. Bei ihr war das Geld auch so schon gut im Fluss. Aber das ist nicht der Grund, warum ich ihr aktuell ein eigenes Programm widme, die Diva wäre in diesem Jahr 110 Jahre alt geworden! Und das feiere ich mit einem eigenen Marlene-Dietrich-Programm. Zwar trete ich nicht hinten links auf, aber eine Bereicherung ist ein Konzert-besuch bei mir allemal. Für mich und für Euch.

