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Dr. Winters Kolumne

Kröten, Frösche, Prinzen


Liebe Freunde, ich muss mich in unmittelbarer Nähe des beliebten Verkehrsknotenpunktes Müller-, Ecke Schönherrstraße befunden haben, als ich im Vorbeigehen registrierte, dass ein an sich selbst irre gewordener Musikpädagoge um den Schlossteich herum hüpfend heftig gestikulierend ein Froschkonzert dirigiert hat, woraufhin mir mit einem Mal zu Bewusstsein gekommen ist, dass ich mich in noch nie, nicht ein einziges Mal keiner meiner Kolumnen mit Lurchen beschäftigt habe. Ist das nicht seltsam, habe ich gedacht, noch nie mit einer Kröte, noch nie mit einem Lurch? Ich möchte bloß einmal wissen, habe ich so laut geschrien, dass die Frösche einen Moment lang ganz still gewesen sind, und der Maestro die Ohren zu einem feinen Lauschen gespitzt, erschrocken innehielt und den Taktstock sinken ließ, ich möchte bloß einmal wissen, was mich davon bisher abgehalten hat, irgendetwas über einen Frosch, eine Kröte oder eine Unke zu schreiben! Das ist doch nicht normal, über alles zu schreiben, aber absolut nichts über Lurche! Und dann, leiser, beinahe schweigend: Warum habe ich es eigentlich nicht getan? Was spricht denn dagegen, sich einmal mit diesen Geschöpfen zu befassen?
"Nun", habe ich mir, weil, obwohl ich mich an einem Verkehrsknotenpunkt befunden habe, niemand bereit gewesen ist, diese Aufgabe zu übernehmen, selbst geantwortet, "eine ganze Menge." Zum einen wäre da die klebrige, schlüpfrige, schleimige Konsistenz ihres Äußeren zu nennen. Darüber zu schreiben verbietet sich ja von selbst. Jeder, der auch nur eine Spur Feingefühl besitzt, wird alles tun, sich nicht mit dergleichen Details besudeln zu müssen. Frösche sind nicht schön. Ihr Anblick bedarf oftmals einiger Überwindung. Gar keine Frage, mit Ausnahme jenes in weißem Strickpullover und grünen Caprihosen am Ufer des Schlossteiches den Taktstock schwingenden Musikanten empfinden Menschen die Gegenwart eines Frosches oder einer Kröte im Normalfall als störend. Vor allem Kröten glotzen so blöd. Sie plustern ihre Backen auf und blicken einen dermaßen desinteressiert an, dass man anfängt, sich für minderwertig zu halten. Und wenn man sie an die Wand wirft, verwandelt sich die eine oder andere von ihnen in einen Prinzen!
Nun sind ja Prinzen nicht unbedingt das, was man einer Kröte vorziehen würde, man denke nur an den Foffi genannten Prinz Ferfried von Hohenzollern, der zusammen mit Tatjana Gsell über Jahre hinweg nichts als Schrecken und Angst auf den deutschen Bildschirmen verbreitet hat, oder Ernst August von Hannover, den als Prügelprinzen populär gewordenen Ehemann von Caroline von Monaco! Auch in dieser Hinsicht kann den Kröten keinerlei Verdienst zugesprochen werden. Oder richten wir unser Augenmerk einmal weg von unseren menschlichen Befindlichkeiten und denken an kleine, bemitleidenswerte Lebewesen wie Schnecken, Raupen, Würmer oder Asseln. Für sie sind Kröten barbarische Monster, widerliche Endzeitkreaturen, die ihnen unentwegt nach dem Leben trachten. Kann man diesem Umstand etwa irgendetwas Positives abgewinnen? Natürlich nicht. Man sieht, ganz gleich, aus welchem Blickwinkel man sie auch betrachtet, es gibt mehr als genug Gründe nichts über Frösche, Kröten oder Unken zu schreiben. Deswegen werde ich es auch nicht tun. Niemals! Mit diesem nach reiflicher Überlegung gefassten Vorsatz verabschiede ich mich bis zum nächsten Mal Euer
Doktor Schismaderma Nectophryne Winter


Bild: Uwe Herzog