www.mobook.de
Grillen oder Barbecue? Grillen oder Barbecue? Grillen oder Barbecue? Grillen oder Barbecue?

Test auf der Ziegelwiese

Grillen oder Barbecue?


Was den Deutschen das Grillen ist, ist den Amerikanern das Barbecue. Um herauszufinden, warum die Einen auf Barbecue schwören, die Anderen hingegen lieber grillen, probierten wir beide Methoden der Fleischzubereitung im Direktvergleich aus.

Telefonhörer genommen, Freunde angerufen, fürs Wochenende verabredet. "Wie, Deine Terrasse ist zu klein? Mein Balkon erst recht! Nein, im Garten geht's auch nicht. Warum? Darum!" Die Stadt lässt Euch ganz legal an sieben öffentlichen Plätzen in Halle grillen. Am Kinderdorf, auf dem Erweiterungsteil des Pestalozziparks, am Lagerfeuerplatz am Kanal, im Südpark, dem Thüringer Bahnhof und auf Würfel- und Ziegelwiese. Die Standortbeschreibungen mit dem jeweiligen Kartenausschnitt findet Ihr im Internet unter www.halle.de/de/Rathaus-Stadtrat/Digitales-Rathaus/Dienstleistungen und dort unter "G" wie Grillplätze. Wir entscheiden uns für die Ziegelwiese auf der Peißnitz - angeblich will die Stadt in diesem Jahr die 80 Meter hohe "Fontäne" wieder anschmeißen.
Als erstes benötigen wir zwei Grills gleicher Bauart, mit denen beide Grillvarianten möglich sind. Die größte Auswahl gibt's in den Baumärkten, und da sich der Baumarkt "hela" selbst als Profi-Zentrum bezeichnet, wir auch professionell arbeiten wollen, fahren wir in die Zeppelinstraße. Hier bekommt Ihr jede Art von Grill, für jedes Portmonee inklusive Beratung. Wir wählen den Kugelgrill, eine Erfindung des Amerikaners George Stephen aus dem Jahre 1952, mit dem man herkömmlich grillen aber vor allem auch "barbecuen" kann. Dieser Allrounder scheint perfekt für unsere Zwecke und kostet circa 50 Euro pro Stück. Für das, was draufkommt, fahren wir gezielt quer durch die Stadt ins Neustadt-Centrum zur Filiale der Fleischmanufaktur Dietzel und bestellen eine große frische Grillplatte mit Wurst und Fleisch für jeden Geschmack. Es gilt, 20 Mäuler zu stopfen. Dietzels kennen sich mit Fleisch seit 1932, also in dritter Generation aus. Das ist die Qualität, die wir verlangen.
Nächster Halt: Ziegelwiese. Wir sind nicht die Ersten an diesem herrlichen Vormittag. Der Zusammenbau der Grills erweist sich als erste Herausforderung des Tages, der Tatsache geschuldet, dass die Bedienungsanleitung großkotzig ignoriert wird. Schließlich kann "Mann" auch eine Kinderüberraschung ohne Anleitung zusammenbauen und greift dabei auf jahrzehntelange Erfahrung zurück. Eine halbe Stunde später stehen zwei Kugelgrills für den BLITZ!-Test bereit. In dem einen werden die Holzkohlebriketts ganz klassisch auf den Boden gestapelt, im zweiten - und da beginnen die Unterschiede - drapieren wir die Briketts seitlich auf einem Rost in zwei mitgelieferte Trenngitter und entfachen die Glut in beiden Fällen mit herkömmlichem Anzünder. Die Glut, so wissen wir, ist dann perfekt, wenn die Kohlebriketts nahezu komplett einen grauen Aschemantel tragen.
Während die Griller nun ihre Fleisch- und Wurstwaren direkt auf den Rost über die Glut legen, und bei einer Temperatur von 160 bis 300 Grad offen grillen, liegt beim Team Barbecue das Bratgut bei nur 160 bis 200 Grad Celsius eben nicht über, sondern seitlich der Glut und verborgen unterm Deckel. Ausreichend Luft wird durch kleine Öffnungen im Boden sowie im Deckel zugeführt. Im Inneren des Barbecue-Geräts zirkuliert heiße Luft, wie in einem Umluftbackofen, nur mit Rauch, weswegen man die Variante auch Heißräuchern oder Indirekt Grillen nennt und sie dem Garen ähnlich ist. Am herkömmlichen Grill geht es schnell zur Sache und wird hektisch gewendet. Ständig tropfen Fett und Marinade, lassen die Glut entflammen, die dann mit Bier gelöscht wird. Asche wirbelt auf. Das soll nicht so gesund sein, sagt man, riecht aber hervorragend. Dann wird weiter gedreht und rotiert, und bereits nach 15 Minuten können die Würste, nach weiteren zehn Minuten die Steaks serviert werden.
Dem Team Barbecue ist das alles egal. Hier kann nichts auf die Glut tropfen, hier können weder Wind noch Löschbier Asche aufwirbeln, hier muss nicht gewendet werden. Allerdings kommen Zweifel auf, ob das noch was wird. Am Deckel spürt man kaum Hitze - und wir riechen auch nichts, was Vorfreude bescheren könnte. Man entscheidet, beim lockeren Fußballspiel Ablenkung zu finden.
Eine Stunde später lümmelt das Grillpersonal satt im Gras. Punkt 14 Uhr schießt Europas drittgrößte und wieder instandgesetzte künstliche Wasserfontäne in den blauen Frühlingshimmel. Immer wieder eindrucksvoll. Die Stadt hat ihr Versprechen gehalten. Ob der Barbecue-Grill hält, was er verspricht? Skepsis mischt sich zunehmend mit Hunger. Nach anderthalb Stunden sieht es immer noch roh aus. Nach drei Stunden unterliegt die Geduld der Neugier und den knurrenden Mägen. Und siehe da (und schmecke erst recht), das hat funktioniert. Das Fleisch sieht herrlich gebacken aus, schmeckt zart und saftig und hat vom ersten Bissen an eine herzhaft rauchige Note. Schmatzende Begeisterung.
Am Endes unseres Barbecues lautet das Fazit: Fleisch im geschlossen Kugelgrill heiß zu räuchern oder auch indirekt zu grillen, ist eine sehr köstliche, einfache und gesunde Alternative. Und wenn man im Barbecue-Grill unter das Bratgut noch ein mit Wasser, Bier, Kräutern oder Wurzelgemüse gefülltes Schälchen legt oder der Grillkohle aromatisierte Holzchips (die gibt's im Handel) untermisch, kennt Kreativität kaum Grenzen. Wurst hingegen gehört eindeutig auf den Grill, direkt über die Kohle. Der Nachteil beim Barbecue, zumindest im Kugelgrill, ist, dass nicht allzu viel Fleisch auf den Rost passt, die Sache also für größere Gruppen ungeeignet ist. Wer aber, je nach Fleischmenge, zwischen zwei bis fünf Stunden Zeit einplant, hat mit einem Barbecue aus dem Kugelgrill eine mehr als interessante Variante der Fleischzubereitung entdeckt. Außerdem muss niemand am Grill stehen und das Grillgut beobachten, während alle anderen kräftig reinhauen. Ein oft ungeliebter Posten. Wir zumindest werden unser Barbecue in diesem Sommer auf jeden Fall wiederholen.
Zum Schluss noch eine Bitte: Verlasst die öffentlichen Grillplätze so, wie Ihr sie selbst wieder vorfinden wollt. Da haben alle was davon und zwar immer wieder.
Wir bedanken uns bei der Fleischmanufaktur Dietzel und dem Baumarkt "hela" für die freundliche Unterstützung.


Wort: Thomas Leibe / Bild: Jens Honig