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Patrick Eidner Patrick Eidner

Patrick Eidner

Musik für die Straße


Der Rosenhof ist seine Bühne. Patrick Eidner alias Rick Vincent ist ein Chemnitzer Musiker, der das Feedback von der Straße braucht.

Als Patrick vor gut einem Jahr zum ersten Mal den Rosenhof beschallte, war das Echo der Passanten eher geteilt. "Manche fanden mich gut, doch es gab auch Leute, die sich provokant neben mich gesetzt und angefangen haben zu lachen", erinnert sich der gelernte Koch, der seine Brötchen hauptberuflich in einem Logistikunternehmen verdient. "Deshalb wollte ich das eigentlich nach dem ersten Tag nie wieder machen."
Doch das wäre feige gewesen. "Das Ziel war ja, meine Schüchternheit mit dem Sprung ins kalte Wasser abzulegen." Also kam er immer wieder. Mittlerweile spielt der 24jährige je nach Wetter ein bis zwei Mal pro Woche auf dem Rosenhof, meist nach dem Mittag für drei Stunden. "Im Sommer natürlich länger und öfter." Aber nicht wegen der schnell - manchmal aber auch gar nicht! - verdienten Kohle: "Mir geht es ums Feedback der Leute auf meine Musik, nicht ums Geld."
Manchmal fährt er auch nach Dresden, um am Elbufer zu spielen. "Straßenmusik hat dort eine ganz andere Kultur. Schade, dass das hier in Chemnitz so wenig verbreitet ist."
Gitarre, Mundharmonika und ein schwarzer Hut sind seine Markenzeichen. Auffällig: Auf sein Saiteninstrument hat Patrick vier Asse eines Kartenspiels geklebt. "Das schwarze Ass steht für meine Familie, das Herz-Ass für Freunde, Kreuz für die Musik und das Karo-Ass dafür, dass es bei mir für jedes Problem eine Lösung gibt. Karo ist quasi mein letztes Ass im Ärmel."
Seine Straßenmusik ist ein Mix aus eigenen Liedern und bekannten Titeln von Johnny Cash oder Neil Young. "Ich spiele auf der Straße größtenteils Cover-Songs, die viele Leute kennen, neue und moderne Popsongs, aber auch sehr viele Oldies. Dabei versuche ich, die Sachen möglichst stilistisch anders umzusetzen."
Die Passanten könnten sogar Wünsche äußern: "Dadurch bin ich zum Beispiel erst darauf gekommen, Mundharmonika zu spielen. Zu meinem 'Heart of Gold' würde nur noch die Mundharmonika fehlen, meinte mal ein Passant." Einen Monat lang hat Patrick daraufhin jeden Tag geübt, hält seitdem das kleine Instrument immer griffbereit. "Das Spielen hatte ich mir anfangs schwerer vorgestellt."
Vor kurzem hat der Straßenmusiker neben die Schale für das Geld ein Buch gelegt, in welchem sich Zuhörer mit einem Spruch verewigen können. Der witzigste Kommentar bis jetzt lautet: "Unserem Baby hat die Musik besonders gut gefallen. Es wurde wütend, als dein Lied zu Ende war. Zum Glück ging's dann gleich weiter … Christian, Caroline und Charlotte."
Mit 15 hatte Patrick begonnen, in die Gitarrensaiten zu hauen. Mit 17 übernahm er den Gitarrenpart bei Noxius Noise, seit Anfang 2010 ist er Mitglied der Band Too Little Cage. Erst vor knapp zwei Jahren kam die Frontmann-Singerei dazu: "Unsere alte Sängerin ist nach Leipzig gezogen, und da bin ich halt einfach eingesprungen. Weil den anderen Jungs das ganz gut gefallen hat, habe ich den Gesangspart ab da übernommen." Derzeit sind die Jungs im Quartett unterwegs - zwei Gitarristen, ein Drummer, ein Bassist. Die aktuellen Songs sind zumeist Eigenkreationen und eher alternativ: "Ein bisschen Rock 'n Roll, etwas Indie. Wir wollen uns da nicht so festlegen."


Internet:

www.myspace.com/rick-vincentwww.myspace.com/toolittlecage


Wort und Bild: Frank Selig