Lomnitz Con
Die Zukunft pausiert nicht
Convention steht für Zusammenkunft, Con für Convention und Karsten Kruschel (Foto) mit seinen "Vilm"-Romanen für preisgekrönte Science-Fiction-Literatur.
Keine Zukunft ohne Wurzeln. Besonders ersichtlich wird dies immer wieder bei der intelligenten Science Fiction (SF). So kann der Dresdner Urania-Science-Fiction-Club TERRAsse auf eine Vorgängerorgani-sation, den 1969 von Ralf P. Krämer gegründeten Stanislaw-Lem-Klub zurückverweisen.
Krämer selber ist auch heute noch aktiv und Mitgestalter der kleinen, aber nichtsdestotrotz ausgesucht feinen Lomnitz Con. Im wundervoll entspannten Ambiente der Buschschänke Lomnitz trifft sich von 24. bis 26. Juni geballtes Durchhaltevermögen, ist doch gerade ausgetrocknetes Sumpfland die Spielwiese der SF. Nun ja, schließlich geht es in den guten Büchern der Sparte auch um Philosophie und Wissenschaft - und da wird's eben hin und wieder nicht ganz so feucht und (über-)flüssig wie bei den Feuchtgebietereien von VIVA-Moderatorinnen.
Dass die Lomnitz Con aber ganz oben und beliebt bei der involvierten Szene ist, macht auch der Stargast des Jahres 2011 ersichtlich. Karsten Kruschel, 2010 für seine "Vilm"-Romane ("Vilm - Der Regenplanet" und "Vilm - Die Eingeborenen") mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis behängt und 2011 nominiert für den zweiten wichtigen SF-Preis, den nach Kurd Laßwitz benannten, bringt sein neuestes Stück Literatur mit: "Galdäa - der ungeschlagene Krieg" (wieder bei Wurdack erschienen), mit Weiterschreibungen hinein ins "Vilm"-Universum und Verweisen auf sein 1989 produziertes Erstlingswerk "Das kleinere Weltall", welches bei den Wissenden des Metiers mittlerweile zu Hochpreisen kursiert. Neben Romanen und Kurzgeschichten verfasst der derzeit in Espenhain lebende Autor auch Sachbücher zur SF, speziell zu der in der DDR erzeugten Zukunftsliteratur.
Besonders ist auch, dass Karsten Kruschel lesen wird (am 25. Juni, nachmittags). Macht er dies doch im Jahr höchstens drei Mal - und einmal hat er 2011 schon in Leipzig bei "Tanners Terrasse" gelesen, einer kleinen Literaturshow im kreativen Westen der Messestadt.
Und um den Kreis zu schließen, muss noch erwähnt werden, dass aus dem früheren Stanislaw-Lem-Klub einer der wichtigsten Hiesigen des Themas - der Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber Erik Simon - hervorging und der wiederum jahrelang das Wachsen von Karsten Kruschels "Vilm"-Romanen mitbetreute, in Freundschaft und intelligenter Unterstützung. Sie sind eben ein feiner, familiärer Haufen, die Dresdner SFer. Und dazu passt diese feine, wundervoll familiäre Con.

