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Tom Quaas bei den Zwingerfestspielen Dresden Tom Quaas

Tom Quaas bei den Zwingerfestspielen Dresden

"Auch als Fiesling kann man beliebt sein"


Die Zwingerfestspiele Dresden bieten von 5. bis 21. August mit "Die Mätresse des Königs" ein modernes Drama um Liebe, Macht und Intrigen als Open-Air-Theater. Neben prominenten Fernsehgesichtern hat Star-Regisseur Dieter Wedel einige Rollen mit renommierten sächsischen Theaterschauspielern besetzt. Einer von denen ist Tom Quaas als intriganter und charakterloser Reichsgraf Fürstenberg - für den erfahrenen Vollblutmimen eine seiner größten Herausforderungen, trotz oder gerade weil die Rolle überhaupt nicht seinem Naturell entspricht.

BLITZ!: Sie sind ein beliebter Dresdner Theaterschauspieler, Verwandlungskünstler, und seit neuestem auch Clown. Wie fühlen Sie sich in dieser doch recht ernsthaften, fiesen und unsympathischen Rolle des Reichsgrafen Fürstenberg?
Tom Quaas: Ich bin Schauspieler. Gerade die bösen, unsympathischen Figuren sind oft die interessanteren Rollen. Außerdem kann man auch als Fiesling beim Publikum beliebt sein. Als ich 2005 im Dresdner Schauspielhaus Richard III. spielte, war ich auch kein Sympathieträger, und dennoch war es die absolute Traumrolle meines Lebens. Danach wollte ich etwas ganz anderes machen, weil ich dachte, da kann einfach nichts Besseres mehr kommen. Das habe ich dann auch getan und habe zwei Jahre lang in Paris eine Ausbildung für Clownerie gemacht.

BLITZ!: Kommen wir zurück zu Ihrer aktuellen Rolle bei den Zwingerfestspielen. Was für ein Mensch ist dieser Fürstenberg an der Seite August des Starken?
T.Q.: Fürstenberg ist ein echt schleimiger, ständig an seinen eigenen Vorteil denkender hoher Beamter am Hofe von Friedrich August I. Eigentlich ein enger Vertrauter des Königs, doch hinter dessen Rücken intrigiert und spinnt Fürstenberg die Fäden zu seinen Gunsten. Ja, er geht sogar soweit, dass er die abgelegten Frauen von August dem Starken übernimmt, um sich am Ende vielleicht auf eine Stufe mit dem König zu stellen.

BLITZ!: Wie sind eigentlich die Proben mit Dieter Wedel?
T.Q.: Unglaublich professionell! Dieter Wedel arbeitet hochkonzentriert durch, zehn Stunden am Stück sind keine Seltenheit. Er ist dabei immer voll auf der Höhe, regt uns an, inspiriert und motiviert uns, so dass man in der ganzen Dimension weiter kommt. Er denkt sehr oft politisch, sucht aktuelle zeitpolitische Parallelen. Wedel hat immer das große Ganze vor Augen und lässt uns dennoch unsere eigene Entfaltungsfreiheit. Er ist eben ein Profi, und das macht Spaß.

BLITZ!: Was glauben Sie, wie wird das Stück beim Publikum ankommen?
T.Q.: Also, da mache ich mir gar keine Gedanken. Nicht nur die tolle Besetzung mit den vielen prominenten Gesichtern wird bei den Zuschauern gut ankommen. Vor allem das Thema dürfte die Dresdner und ihre Gäste sehr interessieren. Und dann natürlich die einzigartige Kulisse im Zwinger. Alles zusammen macht jede Vorstellung zu einem echten Theatererlebnis. Dazu noch ein lauer Sommerabend - was will der Zuschauer mehr?

BLITZ!: Und bei den Kritikern?
T.Q.: Ich denke, die sind wie immer bei solchen Events - gespalten. Ich habe schon einige Stimmen gehört, die meinen: Warum muss ausgerechnet dieser quotenorientierte TV-Wedel hier in unserer anspruchsvollen Kunst- und Kulturstadt inszenieren? Dazu kann ich nur sagen: Kommt in den Zwinger und schaut Euch an, welche hohe Qualität das Wedelsche Theater hat.

BLITZ!: Sie sind ja ein echter Tausendsassa, stehen nicht nur auf der Bühne, sondern führten auch schon mehrfach Regie, waren in Frankreich auf einer Schule für Clownerie und gründeten vor zwei Jahren den Theaterzirkus Dresden, wo sie mit Ihrer ersten Inszenierung "Faust ohne Worte" beachtliche Erfolge gefeiert haben. Nun die Zwingerfestspiele, wo Sie fast drei Wochen jeden Abend auf der Bühne stehen. Woher nehmen Sie die Kraft, die Motivation dafür?
T.Q.: Es ist der unglaubliche Spaß bei allem, was ich tue. Mich reizen die vielen unterschiedlichen Dinge. Wenn ich immer dasselbe machen müsste, würde ich absterben, so bleibe ich aber immer wach. Vor allem die Zeit in Frankreich hat mich geprägt. Durch die Clownerie habe ich das Theater für mich neu entdeckt. Ich spiele jetzt noch körperlicher, nutze die ganze Breite und Tiefe der Bühne. Und am Ende möchte ich gern ein Clown sein - aber nicht ein deutscher Zirkusclown, sondern ein französischer. Das ist ein Mensch, der sich gefunden hat. Aber vorher spiele ich den Reichsgrafen Fürstenberg mit all der Ernsthaftigkeit und Böswilligkeit, die noch in meinem Körper stecken.


Internet:

www.zwinger-festspiele.de


Wort: Maria Gubsch / Bild: Dresden Event GmbH