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Corinne Hofmann Corinne Hofmann

Corinne Hofmann

Afrika gehört zu mir


Als "Weiße Massai" ist Corinne Hofmann berühmt geworden. Jetzt kommt die Schweizerin mit ihrem neuen Buch "Afrika, meine Passion" nach Erfurt. Wir sprachen mit ihr.

BLITZ!: Nach der Trilogie "Die weiße Massai", "Rückkehr aus Afrika" und "Wiedersehen in Barsaloi" erscheint jetzt Ihr viertes Buch, "Afrika, meine Passion". Was hat Sie angetrieben, dieses vierte Buch zu schreiben?
Corinne Hofmann: Wie alle meine Bücher war auch dieses Buch nicht geplant. Ich wollte Abstand gewinnen, bin viel gereist, doch überall wo ich war, hat mich Afrika wieder eingeholt. Ich bin dann nach Namibia, um 720 Kilometer zu Fuß durch die Wüste zu wandern. Das war wie ein innerer Jakobsweg für mich. Da merkte ich, Afrika gehört zu mir, wie meine Tochter zu mir gehört. Ich bin dann nach Kenia gereist, um das Leben in den Slums, also für mich eine neue Seite von Afrika kennenzulernen. Da war einerseits eine unheimliche Faszination, aber auch ein großes Abgestoßensein über die Zustände dort. Ich habe dort tolle Menschen kennengelernt, die nichts haben und von den ganz kleinen Dingen, wie einem Schulabschluss träumen, und versuchen diese Träume umzusetzen. Um die Geschichten dieser Menschen geht es unter anderem in meinem neuen Buch.

BLITZ!: Ist dieses Buch also auch wieder autobiografisch?
C.H.: Also dieses Buch gibt es in der Konstellation noch nicht. Es erzählt zu einem Drittel von mir, davon was ich in den letzten zwei Jahren erlebt habe, erzählt, wie es mir geht und von der Zeit in Namibia. Zum anderen erzählt es wie schon gesagt die Geschichten der Menschen in den Slums und es erzählt von der Begegnung meiner Tochter mit ihren afrikanischen Wurzeln. Es ist wunderschön für mich, denn sie schreibt in ganz emotionalen Passagen über ihre Erfahrungen mit Afrika.

BLITZ!: Sie waren, wie in Ihrem dritten Buch beschrieben, nochmal im Dorf, in dem Dorf, in dem Sie als "Weiße Massai" gelebt haben. Hat sich da nach der Veröffentlichung Ihrer Geschichte etwas verändert? Hat das die Menschen dort beeinflusst?
C.H.: Die Menschen dort haben schon davon profitieren können. Sie sind auch über den Dreh informiert worden, und die Crew hat sie dort auch besucht. Sie werden durch einen eigenen Verein, den Förderverein Kenia Weiße Massai, unterstützt, und dank des Erlöses der Bücher und des Films können dort Kinder in die Schule gehen. Ich werde sie auch mit dem Erlös des neuen Buches weiterhin unterstützen.

BLITZ!: Sie haben ja eine Tochter. Wie wächst sie auf? Versuchen Sie ihr einen Teil der afrikanischen Rituale näherzubringen indem sie diese auch zum Teil in der Schweiz leben?
C.H.: Ein richtiges Interesse für Afrika wurde bei meiner Tochter eigentlich erst mit der jetzigen Reise geweckt. Sie hat vorher nichts damit zu tun haben wollen. Es sei nicht ihre, sondern meine Geschichte. Aber seit dem Besuch bei ihrer afrikanischen Familie hat sich das grundlegend verändert. Meine Tochter ist erstaunt, wie wichtig wir beide in diesem Dorf sind, und ich finde, sie ist seitdem viel selbstbewusster und auch reifer geworden.

BLITZ!: Wie sah denn vor der Reise der Kontakt Ihrer Tochter zu ihrem Vater aus?
C.H.: Sie hatte nur Briefkontakt mit ihrem Vater über mich, indem sie sich meinen Briefen angeschlossen hat. Erst seit dem jetzigen Besuch ist eine ganz tiefe Verbundenheit mit ihrem Vater entstanden. Bei ihrem Treffen gab es keinerlei Barrieren, sondern eine ganz große Vertrautheit. Meine Tochter war umzingelt von ihren Halbgeschwistern, als hätte sie schon immer dazugehört.

BLITZ!: Inwieweit hat Sie die Erfahrung des Zusammenlebens mit einem afrikanischen Stamm für Ihr weiteres Leben in Europa geprägt? Hat sich Ihr Blick auf die Gesellschaft verändert?
C.H.: Es ist zwar schon einige Jahre her, aber die Erfahrung dort hat mich schon sehr tief geprägt und vor allem stark gemacht. Ich bin extrem naturverbunden und kann tagelang draußen leben. Außerdem bin ich überhaupt nicht fixiert auf Luxus, umgebe mich auch gern mit Menschen aus bescheidenen Verhältnissen, die dadurch eine innere Fröhlichkeit ausstrahlen. Ich finde auch die Menschen in Afrika so faszinierend, sie haben diese innere Zufriedenheit in ihrem eigentlich schweren Leben. Sie verstehen es, sich mit Kleinigkeiten aus ihrem Sumpf zu ziehen. Das vermisse ich oft in der europäischen Lebensweise.

BLITZ!: Welche Dinge, die Sie dort erlebt haben, würden Sie sich in der westlichen Kultur und Gesellschaft wünschen?
C.H.: Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Zeit füreinander hätten. Bis man sich heutzutage treffen kann, bedarf es manchmal bis zu fünf Verabredungen. Die Menschen hier leben mit einem sehr hohen Stressfaktor, und ich finde, ein bisschen mehr Langsamkeit würde uns allen gut tun. Die Menschen in Afrika pflegen noch den Zusammenhalt untereinander, sie sitzen zusammen und erzählen sich Geschichten, sie beschäftigen sich mit dem Elementarsten. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, immer mal eine Auszeit zu nehmen, wie auf meiner Wanderung durch die Wüste.

BLITZ!: Wenn Sie heute die Wahl hätten, würden Sie in Ihrem Leben alles nochmal genauso machen?
C.H.: Ich bereue nichts und kann auf ein glückliches und erfülltes Leben zurückblicken. Ich bin gesund, ich habe ein wahnsinnig interessantes Leben gehabt, habe die ganz große Liebe gelebt und eine wunderbare Tochter bekommen. Ich bin froh, dass ich so vielen Menschen auf der ganzen Welt durch die Bücher und meine Erlebnisse Energie und Kraft schenken konnte.


Internet:

www.massai.chwww.dasdie.dewww.afrikameinepassion.de


Wort: L. Wagner, N. Hoffa / Bild: P.D.