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Kudernatschs Kolumne

Zooparkquark mit Erwin


Achtung, den folgenden Text hat André Kudernatsch im Schlaf geschrieben! Daher kommt der wichtige, aktuelle Bezug erst ganz am Ende - nach der Tiefschlafphase und dem allgemeinen Erwachen.
Neulich habe ich geträumt, Erfurts Zoopark bekommt eine neue Attraktion. Den begehbaren Berberberg mit all den Affen hat er ja schon. Wobei sich da die klaren Konturen auflösen, alles vermischt sich und rennt durcheinander! Deshalb sei es nochmal in großer Deutlichkeit gesagt: Das mit den Fotoapparaten und den Sonnenbrillen sind die Besucher, und die kleinen, stark behaarten Typen mittendrin sind keine Südthüringer, nein, das sind die Äffchen! Doch darum ging es in meinem Traum gar nicht.
Vielmehr wurde das Löwengehege im Zoopark begehbar gemacht und große Reisebusse aus Bayern und Hessen parkten gleich nebendran. Rentnergruppen stiegen aus, staunten kurz und betraten sofort den Käfig - und die Löwen freuten sich sehr über den schmackhaften Besuch, wie die Erfurterinnen und Erfurter - markiert durch Schals von Rot-Weiß - durch die großen Glasfenster begeistert beobachteten. Da gab's quasi gut abgehangene Fleischbeilage für die Puffbohnen.
Wie früher, wenn an den Straßenbahnen "Einrückfahrt" stand, weil sie ins Depot fuhren, um nicht mehr daraus zurückzukehren - war "Einrückfahrt" auch an die Reisebusse vorm Zaun geschrieben. So wollte man den Massentourismus in Erfurt in den Griff kriegen, wie etwa zum Krämerbrückenfest. Mit kurzem - oder langem (das hing vom Sättigungsgrad der Löwen ab) - Zwischenstopp am Zoopark. Schade, dass das nur ein Traum war.
"Da haste dir voll aufs Brett geschissen", würde der Erfurter hier heftig-deftig anmerken. Was so viel bedeutet wie: "Da hast du dich aber leider geirrt beziehungsweise angeschmiert." Ja, der Erfurter formuliert so rustikal. Wenn man zum Beispiel fix einen Freund besucht, in knapp 30 Minuten zwei Flaschen Wein kübelt und dann wieder heimtrudelt, fasst man das wie folgt zusammen: "Eins, zwei, hackespitz und weg!" Oder wie meine Lieblingsnachbarin nach einem ähnlichen Erlebnis zu sagen pflegt, weil nur das noch geht: "Bim, bam, boh!"
Mein persönlicher Lieblingserfurter wiederum ist ein selbsternannter Rocker, der leider nicht Erwin Koslovsky heißt. Und das geschah so: Ein Mann betrat das Standesamt und bestand darauf, von allen Wartenden vorgelassen zu werden. Seine Begründung lautete: "Mein Fahrrad steht an der Krämerbrücke." Seltsamerweise funktionierte das. Kurz erklärte er den versammelten Heiratswilligen, dass er Rocker sei - und dass es bei Rockern keine Pärchen gäbe. "Doch, AC und DC", wandt ich ein, aber das ließ er nicht gelten. Denn schon wurde er aufgerufen, um seinen Namen ab sofort in Erwin Koslovsky ändern zu lassen. Das war sein Anliegen.
Durch die Glastür sah man, wie er mit dem Standesbeamten leidenschaftlich diskutierte. Doch schließlich kehrte er traurig in den Warteraum zurück "Das wird nichts, Erwin Koslovky ist leider schon vergeben, haben die gesagt", bekannte der Rockerfreund niedergeschlagen und trabte ab.
Ich war der nächste. Auch ich wollte meinen Namen gern ändern. Ich heiße ja André Kudernatsch. So möchte nicht unbedingt jeder heißen. Ich auch nicht, ich würde Paul bevorzugen. "Da haste Dir voll aufs Brett geschissen", sagte der Standesbeamte, setzte mich in den nächsten Reisebus aus Hessen, der vor dem Haus parkte - und wir fuhren in Richtung Zoopark aus der Stadt.
Ich vermute, ich war im Warteraum eingeschlafen. Das alles konnte gar nicht real sein. Denn ein Reisebus würde nie in die enge Gasse hineinpassen, in der das Standesamt liegt. Die heißt zwar Große Arche, ist aber eher was für kleine ranzige Ruderboote. Und absolut gar nichts für so einen fetten Reisebus. Der könnte da gar nicht wenden. Ätsch!
So, jetzt bin ich aufgewacht und hellwach und wachsam und überhaupt. Deshalb möchte ich nicht versäumen, noch einen kleinen Beitrag zur allgemeinen Panikmache zu leisten. Obst und Gemüse sind ja gar nicht mehr gesund, sondern böse. Evil! Die Gefahr aus dem Garten: Tod durch Tomate, Sense durch Salat, GAU durch Gurke. Lernt das folgende Gedicht auswendig und hütet Euch! Dass wir uns im nächsten BLITZ! gesund und munter wiederlesen ...

Ich sah
Die jungen Gurken sterben
Ich sah
Ihr grünes Licht
Ich sah
Das Grün zerfall'n in Scherben
Ich sah
Es - und ich aß den Salat nicht!



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Wort: André Kudernatsch / Bild: ELC