www.mobook.de
Ausstellung im Wechselbad - Diagnose: Depression Ausstellung im Wechselbad - Diagnose: Depression

Ausstellung im Wechselbad

Diagnose: Depression


Selten hat eine Veranstaltung den bezeichnenden Namen des Theaters "Wechselbad der Gefühle" so treffend widergespiegelt wie die Ausstellung "Grenzen erleben".

Mit der Schau widmet sich die Bühne, die bisher doch eher für ihr heiteres Programm mit Kabarett, Tanz- und Liedergalas bekannt war, einem äußerst ernsten, ja bis an die Grenzen der Akteure und der Besucher gehenden Tabuthema: Psychische Erkrankungen. Noch immer sorgen diese Krankheiten bei den Nicht-Betroffenen für betretenes Kopfsenken und Schweigen. Dabei sind gerade Offenheit und Gespräche für Patienten mit einer psychischen oder seelischen Störung der erste und wichtigste Schritt für eine erfolgreiche Therapie.
So war es auch bei Sarah (Name geändert). Die vergangenen Monate hat die 30jährige in der Psychiatrischen Abteilung des Friedrichstädter Krankenhauses verbracht. Diagnose: Depression. Eine Krankheit, aus der man ohne kompetente Hilfe kaum herausfindet. Dank der vielen offenen Gespräche und guten medizinischen Versorgung geht es ihr inzwischen wieder deutlich besser und sie kann wieder lächeln. Gern wollte sie ihre Erfahrungen teilen, auch öffentlich darüber sprechen. "Doch schnell merkte ich, dass psychische Krankheiten in unserer Gesellschaft leider noch immer ein absolutes Tabuthema sind. Gerade beruflich könnte diese Krankheit schnell das Aus bedeuten", sagt Sarah.
Doch dies wird sich hoffentlich bald ändern. Dank der Wanderausstellung "Grenzen erleben", die von der Caritas Traunstein entwickelt wurde und vom Gesundheitsamt Dresden getragen wird, lernt der Besucher die Welt der psychisch Kranken kennen. So erfährt man sehr schnell und unmittelbar, was es bedeutet, depressiv bzw. schizophren zu sein und mit welchen Alltagproblemen die Betroffenen konfrontiert sind.
Durch das Nachempfinden und Verstehen sollen Vorurteile, Hemmungen, vor allem aber Ängste im Umgang mit Betroffenen abgebaut werden. Einzigartig sind der Depressions- und der Psychoseraum. Die spezielle Gestaltung des Psychoseraums ermöglicht es dem Besucher, eine Art Schizophrenie zu erleben. Der Raum ist als Supermarkt konzipiert. Auch im Depressionsraum ist es Ziel, durch verschiedene akustische und visuelle Signale eine Bewusstseinsveränderung zu erzeugen.
Sarah ist sehr glücklich darüber, dass es ihr wieder besser geht. Umso wichtiger ist es für sie, anderen Menschen Mut zu machen. Dass die Dresdnerin ehrenamtlich für die Ausstellung tätig ist, ist für sie ein Schritt in die richtige Richtung. "In 'Grenzen erleben' wird schnell klar, dass eine psychische Erkrankung längst keine Randerscheinung mehr ist. Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation - die Red.) erleidet jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens eine behandlungsbedürftige psychische Krankheit." Weil sich Sarah und ein paar ihrer ehemaligen Mitpatienten durch ihre derzeitige Arbeit für die Ausstellung nicht mehr ausgegrenzt und allein fühlen, ist dieses Projekt schon jetzt ein äußerst gelungener Anfang.


Wort: Maria Gubsch / Bild: Tobias Kade