Ritchie Blackmore im Interview
Keine Ahnung von Mainstream
Ritchie Blackmore kommt nach Chemnitz, Erfurt und Merseburg, um Renaissance-Musik zu spielen. Wir sprachen mit ihm über Mainstream, große und kleine Bands und seine Ehefrau Candice Night.
BLITZ!: Herr Blackmore, Sie sind vor allem als Ex-Gitarrist von Deep Purple ein Begriff. Damals spielten Sie Heavy-Metal-Riffs, heute sind Sie eher im mittelalterlichen Genre zu Hause. Wie kam es dazu?
Ritchie Blackmore: Das erste Mal, als ich Greensleeves (engl. Volksliedmelodien - d.Red.) hörte, war ich zehn Jahre alt. Sie hatten den gewissen melancholischen Klang, der mich ansprach. Für eine Weile lagen sie tief begraben, bevor sie 1972 wieder an die Oberfläche drangen, als ich David Munrow mit seiner Band hörte. Ich mag besonders an dieser Band, dass sie den Geist der Vergangenheit interpretiert. Wir allerdings spielen heute nicht nur die Noten der Vergangenheit, wir versuchen unser Arrangement von der Art und Weise des Minnesangs inspirieren zu lassen. Damals wurde viel improvisiert - im Gegensatz zu den heutigen Bands, die Renaissance-Musik spielen. Wir orientieren uns eben nicht nur an den Noten.
BLITZ!: Renaissance-Rock ist nicht gerade eine Mainstream-Musikrichtung. Oder doch?
R.B.: Von Mainstream habe ich keine Ahnung. Ich habe seit über 30 Jahren kein Radio mit populärer Ausrichtung gehört. Ich schaue kein MTV oder andere Musiksender. Es kann sein, dass ich mit der Fernbedienung ab und an daran vorbeizappe. Ich kann mir schon vorstellen, worum es da geht.
BLITZ!: In Deutschland allerdings ist der Mittelalterrock sehr gefragt. Unser Aufhänger ist die Gruppe In Extremo. Haben Sie schon davon gehört? Merken Sie bei Ihren Auftritten Unterscheide zu anderen Ländern?
R.B.: Wir ließen uns sehr von vergangenen und gegenwärtigen deutschen Musikern inspirieren. Persönlich inspirierte mich der Flame Tielman Susatto. Aber früher waren die Grenzen auch noch nicht so strukturiert. Ich liebe die Holzblasmusik des 15. Jahrhunderts. Ich bin ein großer Fan der bombastischen mittelalterlichen Rockmusik, wobei ich die kleinen Ensembles bevorzuge. Ich liebe es, auf YouTube nach kleineren Bands zu suchen. Meine Favoriten sind The Geyers, Triskilian und die Freiberger Spielleut. Manchmal spielen die Bands nur vor einem Publikum, das einfach vorbeiläuft oder vor zehn Leuten. Aber es ist Herzblut dabei. Manche von ihnen sind sehr geschulte Musiker. Ich weiß, dass es eine große Nachfrage nach lauten Bands mit stampfenden Bassdrums gibt - aber nicht von mir persönlich.
BLITZ!: Wenn wir die Leute auf der Straße nach Ritchie Blackmore fragen, sind Sie vor allem bekannt durch die Bands Rainbow und natürlich Deep Purple. Blackmore's Night dagegen sind relativ unbekannt. Wie wollen Sie den Bekanntheitsgrad aufpeppen?
R.B.: Es ist nicht mein Bestreben, dass wir berühmter werden. Tatsächlich sind wir aber bekannter, als ich jemals gedacht hätte. Als wir uns auf unser Konzept einließen, stellten wir uns 100 Leute vor, vor denen wir spielen. Mittlerweile kommen 2.000 bis 5.000 Menschen zu unseren Konzerten. Manchmal muss man eben auch die großen Konzerte spielen, um eine Tour finanzieren zu können. Ich halte unseren Agenten stets zurück, zu viele Konzerte zu buchen, weil ich darauf bestehe, viele frei Tage zu haben, damit unsere Auftritte frisch bleiben. Früher spielten wir oft anderthalb Stunden. Dann ging es gleich zum nächsten Gig, wieder das gleiche Spiel. Manchmal sechs Nächte in der Woche. Wenn ich das heute täte, wäre ich bei der Hälfte der Konzerte müde.
BLITZ!: Interessant ist auch, dass Sie mit Ihrer Ehefrau Candice Night, die Sängerin der Band ist, Beruf und Arbeit teilen. Das stellt man sich nicht einfach vor. Oder ist es das doch?
R.B.: Manchmal nehmen wir getrennte Zimmer, wenn wir auf Tour sind. Vor allem wenn ich krank bin. Aber meistens ist es sehr einfach, mit Candy auszukommen. Sie ist sehr verständnisvoll, wenn ich toure. Schon bei Deep Purple und bei Rainbow war sie bei mir und gewöhnte sich daran, mit mir herumzureisen. Daher weiß sie, wann Abstand zu halten ist. Besonders wenn ich schlechte Laune habe. Ich kann sehr empfindlich und launisch sein. Dass schockiert bestimmt viele, die mich als Mr. Nice Guy kennen.
BLITZ!: Sie haben in ihrem langen Musikerleben schon alles erreicht. Bleiben noch Wünsche? Stehen weitere Projekte an?
R.B.: Ich möchte einfach meine Musik so gut spielen, wie ich kann. Und ich möchte zudem, dass meine Band so gut rüberkommt, wie ihr es zusteht. Das ist alles.

