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Camping im Keller Camping im Keller

Camping im Keller mit neuer EP

"Wir sind nicht da, um zu heilen"


Elektrostampfmusik ist was für Hausfrauen, die rhythmische Unterstützung beim Kartoffelstampfen brauchen, und was für junge Tanzbodenwischeinheiten.

Aber für wen, fragt sich der Fragende, soll Intellektro sein? Diese Mischung einfacher Töne mit komplexen Texten, diese Nischenkultur, deren Frontkämpfer derzeit die Leipziger Camping im Keller sind? "Alle, die uns hören wollen, sind willkommen in der Gefolgschaft. Wir zielen nicht auf ein bestimmtes Klientel ab, naja vielleicht doch nicht unbedingt die Atzen- oder Happy-Hardcore-Hörer, sondern die Menschen, die unsere Texte auch verstehen und verstehen wollen. Wir sind ja auch jenseits der Hey-was-geht-ab-Generation", definiert gewollt abgrenzend RonS, der Schöne, der das rückwärtige Tasteninstrumentarium bedient, damit sich Matt R. Horn im Vordergrund profilieren kann. Und damit die Sendung ihre Hörer erreicht.
"Mal ehrlich: Elektro-Mugge aus dem Computer kann doch heutzutage jeder Depp machen - aber mit einer Botschaft dahinter, das gelingt nicht jedem und da kommen wir ins Spiel", sagt ebenjener Matt, der im Broterwerb Haare beschneidert, in der Haarmetzgerei in der Kolonnadenstraße, kurz neben dem pumpenden und krachenden Herzen der Stadt.
Nun ist gerade allerorten von ihrer neuen EP die Rede, "Suende" genannt, die klingt, als ob dem Texter Matt die Beziehungskiste implodiert sei vor nicht all zu langer Zeit. Tieftauchend im Zwischenmenschelnden teilt er fleißig und tanzbar aus - Inhalte, die viel zu oft verloren gehen im Versuch, Freunde zu bleiben: "Musik und Texte sind mein Ventil, und es ist mir wichtig, mich so mitzuteilen, um anderen zu sagen, dass es wiederum auch anderen mies geht. Und möglicherweise können wir so auch Wege aufzeigen, welche aus dieser Misere herausführen."
Und weiter erläutert der Blondschopf den Inhalt seiner Kunst folgendermaßen: "In allererster Linie geht es in den Texten um die zwischenmenschlichen Defizite. Man kann hier gerne küchenpsychologisches Gewäsch hineininterpretieren, und ich gebe gerne zu, dass mich Philosophie und Psychologie sehr interessieren. Dennoch ist dies nicht mein Weg, hier zu heilen oder eine 'Musiktherapie' ins Leben zu rufen. Es ist eher eine Art, Trost zu spenden."
"Suende" jedenfalls wäre, den vierten Streich (nach "Zeltplatzerinnerungen", "Am Puls der Zeit" und "Melancholie") der Kellercamper nicht in sein Leben zu lassen. Schließlich ist dieses Stück Musik und Text Ergebnis eines langen Weges. So begann RonS in den 90ern als House-DJ, landete später bei Lazy Bunch als Frontierer und schuf sich seinen eigenen Ausdruckskanal mit "dead by music". Und auch Matt kann so einige Jahre im Business füllen: "The Jumblers, eine Rockabillyband, waren von 1996 bis zu ihrem Ableben mein ein und alles. Dort war ich Texter, Komponist, Gitarrenspieler, Sänger und Bandhitler. Als Schwarwel dann zum Joey-Ramone-Memorial-Day eine Kapelle gründete, durfte ich dort die Gitarre zupfen. Aus dieser Formation gründete sich dann Born Cool. Zu dieser Zeit lernte ich, dass Musik nicht nur aus drei Akkorden besteht, und mein musikalischer Horizont wurde - zu meiner Begeisterung - stark geweitet. Ich bin dann auf Ron zugegangen und wir haben angefangen, musikalisch zusammen zu arbeiten. Aus dieser Zusammenarbeit ist dann diese Formation entsprungen, und was noch viel wichtiger ist, eine starke, rein heterosexuelle Freundschaft."
Für Camping im Keller heißt das aber nicht, einsam im Keller zu schmoren, nein, da holen sie sich gern hübsche und faszinierende Verstärkerinnen dazu - die Luce (derzeit bei den Ballerinas in Berlin an den Drums) oder Vic Vaising von den legendären Lipstix, heiße musikalische Zusammenkünfte. Und bei Luce und RonS waren's sogar mehrere Jahre Zusammensein. So ein Musikantenleben ist eben voller erfüllender Momente, wenn man durchzieht. Doch der "heißeste" Moment im Dasein der Kellercamper war, laut Matt: "Beckerleede bei 30 Grad im Schatten."


Internet:

www.myspace.com/kellercamping


Wort und Bild: Volly Tanner