Cornelia Schnoy
Lügen gehört zum Beruf
Die Augen aller Hörer werden größer. Unglaublich, was die Frau erzählt. Denn wer wusste, dass der Leipziger Markt, schon 1926 behindertengerecht gestaltet wurde.
Dass die Hainstraße ihren Namen bekam, weil sie zum Friedhof führte. Dass ein Sohn Johann Sebastian Bachs sich als erster offiziell zur Frau erklärte. Solch kaum fassbare Geschichten hören nicht nur Kinder von Cornelia Schnoy auf ihrer offiziellen Lügentour. Klar begreiflich, oben benannte Tatsachen sind ein Scherz. Oder nicht?
Conny liebt Kinder und führt sie gern durch die Stadt. Ihr eigner Sohn zählt mittlerweile zehn und kann der Mutti auch nicht alles glauben. Conny managt Stadt Name Land, das Unternehmen, das in Leipzig als Spezialist für Kinderführungen gilt. Man kann sich auf die Spuren des Mittelalters begeben, kann alles über Bach erfahren, sich als Detektiv betätigen, die Stadt von unten oder oben betrachten.
Nicht nur in den Ferien sieht man Conny einer Gruppe voranschreiten. Mit Hut und bunter Tasche, mit Stimme und Fahrrad, diese Frau ist unverkennbar. Jeweils im Dezember erscheint sie uns gar als Weihnachtsengel.
In Leipzig wurde Cornelia 1973 geboren. Sie wandte sich dem Grundschullehrerstudium zu, Abi auf dem zweiten Bildungsweg, dann Uni und Orientalistik, Romanistik. Sie spricht Arabisch mit spanischem Akzent, und Französisch klingt bei ihr arabisch. Nach Diplom im Arbeitsleben forschte sie zunächst am Institut für Schulbuchforschung in Hannover. Auf www.1001-Idee.de kann man sich über ihre Resultate informieren.
Aber Leipzig liegt ihr als Wohnort und als Stadt am Herzen. Da Conny fürs Schreiben ihrer Diplomarbeit Ruhe und 'nen Tisch benötigte, kam sie mit Stadt-Name-Land-Chef Michael Schaaf ins Geschäft und verkaufte nebenbei Führungen, Exkursionen und Stadtrundfahrten.
Warum nicht dabei bleiben? Das Gebiet war ausgemacht: Leipzig-Wissen kindgerecht. Wobei es eine Mär ist, dass Kinder nur Babysprache verstehen würden. Nein, von Mord bis Prostitution, von Citytunnel bis Stötzner-Säule - Kinder müssen ernstgenommen werden.
Dass Conny Lügen erzählt, macht ihr und allen Kindern Spaß. An jeder Station gibt es zwei, drei Geschichten, die unglaublich klingen. Nach ihrem Vortrag dann wird abgestimmt: Lüge oder Wahrheit? Zum Schluss werden die Punkte gezählt. Hatte Robert Schumann ein Verhältnis mit Goethes Enkel? Wird Leipzigs U-Bahn 2015 wirklich eröffnet? Fuhr Leonie, der Tunnelbohrer, mitten in den Sachsen-Sumpf? Die Antworten können wir erfahren, wenn Conny die Wahrheit sagt.

