Kudernatschs Kolumne
Ratzifatzischmatzi - Der Papst bleibt
Dem Papst gefällt es so sehr in Thüringen - er bleibt für immer hier! "Oh nee", werden da einige Erfurter murren, wie Mutti und Vati Kahn.
Die wohnen am Domplatz und dürfen nicht lüften, wenn der Papst offiziell vor ihrer Haustür steht und spricht. Das ist gut zu verstehen, denn die Duftmischung von Mutti und Vati Kahn - eine Melange aus Fußschweiß, Aro, Mauldampf und Essensresten - würde den Papst sofort umbringen. Oder zumindest irritieren und ans irdische Zuhause erinnern. Das muss man wissen, da braucht man gar nicht gegen den Papstbesuch zu demonstrieren. Einmal kurz nachgedacht und schon leuchtet das ein.
Aber keine Angst! Wenn der Papst jetzt für immer in Thüringen bleibt, bleibt er nicht offiziell da, sondern inoffiziell. Viele Thüringer, die früher Inoffizielle Mitarbeiter waren, denken jetzt bestimmt das völlig Falsche. Das ist nicht die Firma! Äh, sondern die andere... Inoffiziell heißt heutzutage etwas anderes, es heißt so viel wie inkognito. Und der Papst ist inkognito, auch wenn er in Thüringen ist. Alles klar?
Nee, noch nicht? Dann erkläre ich es anders. Der Papst bleibt hier - und damit es keiner merkt, dass er der Hinterbliebene ist, sagt er nirgends: "Ich bin der Herr Papst", sondern immer nur: "Ich bin der Herr Ratzinger." Da fällt das gar nicht auf, und er geht glatt als Tourist aus Bayern durch, der bei den Domstufenfestspielen seinen Bus nicht mehr gefunden hat.
Der Papst geht dann natürlich auch etwas essen - und da ist dann ein Lokal wie die "Arche" in Erfurt mit Sicherheit sein Lieblingslokal. Weil es biblisch klingt - und weil es hier von jedem Gericht nur ein Paar gibt! Eben wie es sich für eine Arche gehört. Darum muss man oft eine Stunde auf eine simple Klopsschnitte warten. Dafür ist der Klops dann auch nicht mehr heiß - dort kann sich wirklich niemand das Maul verbrennen. Vielmehr kann sich hier einer wie der Papst in Geduld üben.
Der Papst hat dann viel Zeit - da kann er doch auch in dem schönen neuen Fernsehspot "Das ist Thüringen" mitspielen. Bitte lasst ihn mitmachen! Da könnte er herumfliegen und zum Beispiel in Jena über der Kulturarena kreisen, wo gerade Earth, Wind and Fire auftreten. "Die kenne ich von früher", würde der Papst vielleicht rufen, "als der David Copperfield noch die Lichtshow für die gemacht hat!" Und mit Sicherheit ab und an einen Verstärker verschwinden ließ.
Der Papst wackelt ein bisschen im Rhythmus mit und fliegt dann weiter. In Großkochberg war er noch nicht. Das ist eine Lieblingsecke von Goethe, in die der Dichter immer heimlich geeilt ist. Damit ist es gewissermaßen eine Geheimratsecke. Denn hier hat Goethe seine Charlotte besucht, immer wenn ihr Mann nicht da war, und dann hatte Goethe keinen Stein im Brett, sondern eine Stein im Bett ...
"Sünde!" riefe der Papst hier und würde umgehend abdrehen. Schnell zurück nach Vieselbach. Da ist viel Brachland von Erfurt, wo man prima landen kann.
Der Papst bleibt. Und das ist gut so. Egal, ob er sich "Herr Ratzinger" nennt oder nicht. Wir haben künftig immer schönes Wetter und Beziehungen nach ganz oben. Der Papst könnte sich um alle Thüringer in Ruhe kümmern, mit dem Papamobil Essen ausfahren und zum Beispiel viel mehr Leute küssen. Das macht er ja mitunter, wie man vom Fernsehen her vielleicht weiß. Jetzt käme wirklich fast jeder dran!
So ein Küsschen heißt übrigens "Ratzifatzischmatzi", wie der Kenner weiß. Und mit so einem Ratzifatzischmatzi verabschiede ich mich jetzt. Denn ich komme nun in die Hölle. Aber wenigstens wird dort regelmäßig gegrillt! Ich kann ja ein paar grobe Thüringer von Reifensteins mitnehmen und mich einschleimen. Und Euch alle schon mal anmelden!
Vorhergegangene Kolumnen von André Kudernatsch könnt Ihr im Buch "Das Beste an Erfurt ist die Autobahn nach Jena" nachlesen, das im Salier-Verlag erschienen ist.
www.kudi.de • www.salierverlag.de

