Alex Lotz
"Musikalisch war in den 90ern vieles cooler"
Früher war Alex Lotz mit Apple Pie und typischem 90er Punk in Erfurt bekannt. Heute ist er allein unterwegs. Bei Punk ist es aber nicht geblieben. Alex macht HipHop, Videos und bastelt mit Buch und DVD weiter an der Apple-Pie-Geschichte.
BLITZ!: Wie hat es mit Apple Pie damals angefangen?
Alex Lotz: Angefangen hat alles 2002 oder 2001. Damals habe ich Olli kennengelernt. Da ich schon immer eine Band haben wollte, habe ich ihn überredet, sich ein Schlagzeug zu kaufen. Ich habe Bass gespielt und gesungen. Wir wollten natürlich noch einen Gitarristen und sind zufällig über ein Festival-Gästebuch auf Sascha aufmerksam geworden. Bei ihm haben wir gemerkt: Da stimmt die Chemie. Ab Anfang 2004 war Apple Pie dann so richtig am Start.
BLITZ!: Warum habt Ihr Euch 2007 getrennt?
A.L.: 2006 haben wir ein Vertragsangebot von einem angeblichen "Plattenboss" bekommen. Wir sahen das als unsere große Chance und unterschrieben. Was haben wir schon zu verlieren, dachten wir. Am Schluss haben wir allerdings alles verloren. Er hat uns erzählt, es würde eine Tour und einen Videoclip geben. Nichts davon ist wahr geworden. Die ganze Arbeit, die wir da reingesteckt hatten, war zunichte. Wir hätten danach wieder von null anfangen müssen und haben uns gemeinsam dagegen entschieden.
BLITZ!: Du machst nun alleine weiter. Was nimmst Du aus der Apple Pie-Zeit mit?
A.L.: Wir hatten bei Apple Pie einen gewissen Style mit derbem Humor auf der Bühne. Wenn ich etwas Neues mache, sollte das aber nicht genauso sein wie Apple Pie. Dead In Soho sollte die neue Band heißen, und ich hatte schon Songs geschrieben. Da es mit anderen Leuten aber nicht so richtig geklappt hat, habe ich allein ein Album aufgenommen. Dafür habe ich Apple-Pie-Songs recycled und auf die Remixe meine eigenen Melodien und Texte gesungen. Hier konnte ich viele Richtungen wie Reggae, Punk und Rap einfließen lassen. Als Band hat man immer die Pflicht zu proben. Solo muss man sich nicht nach anderen richten. Gleichzeitig fehlen die Auftritte, was der Vorteil bei Apple Pie war. Allein ist es mehr so: Man nimmt etwas auf, stellt es ins Netz, vielleicht kommt eine Reaktion - und das war's. Interessant ist aber, dass man einfließen lassen kann, was man will. Bei Apple Pie waren die Themen durchweg sehr jugendlich. Da ich jetzt aber älter bin, geht es solo auch um andere, ernstere Themen. Mein erster politischer Song ist zum Beispiel auf dem Dead-In-Soho-Album zu hören, da ging es gegen George Bush.
BLITZ!: Du machst nicht nur Punk, sondern auch HipHop. Wie ist es dazu gekommen?
A.L.: Für beide Musikrichtungen habe ich mich schon immer interessiert. Als Kind bin ich auf die Rocksteady Crew gekommen und habe damals schon HipHop gehört. Bei dem Dead-In-Soho-Album passt es auch ganz gut rein. 2010 habe ich mit Süd Ost Radikal eine andere Sache mit deutschen Texten gemacht. Das Ganze war bezogen auf meine alte Heimat, den Erfurter Südosten. Viele Leute konnten sich damit nicht so anfreunden. Sie haben den Humor nicht verstanden und fanden das primitiv. Battle-Rap wie diesen sollte man nicht zu ernst nehmen.
BLITZ!: So viele verschiedene Projekte: Musik, ein Buch und Videos. Kommt das alles aus einer Laune heraus?
A.L.: Ich denke, es liegt mir einfach. Meine Eltern haben sich 1994 eine Kamera gekauft. Die ist später in meinen Besitz übergegangen. Musik und Videos machen sind meine beiden Leidenschaften, und die lassen sich gut verbinden. Seit einer Weile sitze ich an der Apple-Pie-DVD mit Bandgeschichte und Highlights. Das ist gerade das größte Projekt. Ich plane auch, einen Lego-Film mit Stop-Motion-Technik zu machen. Und als Buch ist jetzt die Apple-Pie-Biografie fertig. Auf meiner Internetseite sandermania.de poste ich dann meine Projekte. Cool ist, dass man mehr Leute erreicht. Früher war es nicht so möglich, alles im Internet zu verbreiten.
BLITZ!: Du bezeichnest Dich als "Kind der 90er" und Apple Pie hatte genau diesen Sound. Was war damals besser?
A.L.: Als Jugendlicher hat man einfach weniger Sorgen. Heute muss man Verantwortung übernehmen und sich um Geld kümmern. Auch musikalisch war in den 90ern vieles cooler. Die ganzen Punk-Bands hatten noch Charme. Die Qualität war vielleicht nicht die beste, aber das war sympathisch. Heute klingt jede Musikproduktion so perfekt. Wenn ich damals auf eine Band gestoßen bin, konnte die mich noch begeistern.
BLITZ!: Welche Ziele hast Du für die nächsten Jahre?
A.L.: Auf jeden Fall möchte ich gern mit den Filmen bekannter werden. Ich hoffe auch, einmal etwas Geld mit meinen Projekten verdienen zu können.

